Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
163
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Dritte Folge

Novellen-Zeitung.

Die Stumme von Kloppay.

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(Fortſetzung.)

Doch bald ging mir ein Licht nein, ein ganz großes

Freudenfeuer auf.Wißt ihr ſchon die herrlichen Nach⸗ richten? ſo fragten hundert Stimmen auf einmal,die

Franzoſen ſind in Schleſien an der Katzbach und in der

Mark bei Großbeeren total geſchlagen worden zer⸗ ſprengt vernichtet heiſa nun geht's nach Paris! Da fiel mir eine Centnerlaſt von der Seele, und ich und meine Gefährten erhoben ſofort zu unſerm Privatver⸗ gnügen ein ſo energiſches Hurrahgebrüll, daß uns ſchier die Lunge berſten ſollte, und viele Cameraden und andere nahe gelegene Truppen, beſonders viele der neben uns campirenden ruſſiſchen Chevalier⸗Garde ſtimmten aber⸗ mals mit ein, ſo daß der Lärm nur ſchwer von den Be⸗ fehlshabern zu ſtillen war. Mein Rittmeiſter war mit dem Erfolg meiner Sendung äußerſt zufrieden, forſchte auch in ſeiner glücklichen Stimmung nicht nach der Urſache unſers ſpäten Eintreffens. Nachdem abgepackt und ver⸗ theilt war, begab ich mich an meinen beſcheidenen Lager⸗

platz und unterſuchte meine Satteltaſchen, die mein Burſche,

Zuge nicht begleiten konnte, herbeibrachte.

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der ſeines lahmen Pferdes wegen mich auf dem heutigen Zu meinem Erſtaunen fand ich auch in der zweiten ein Packet, deſſen Juhalt ein gebratener Faſan war und ein Fläſchchen ſüßer Liqueur. Wie kam dies dahinein? Als ich vor meinem Abmarſch in Kloppay das Haſenpacket entdeckte, war die andere Taſche leer geweſen. Ich ſann und ſann endlich hatte ich's. War nicht Janka bei meinem Austritt aus dem Hauſe ſchnell von meinem Pferde weggeſprungen? Sie und Niemand anders konnte dies hineingethan haben. Das gute, liebe Mädchen der Faſan gab meinen Ge⸗ fühlen für ſie ſtarke Nahrung, und der Liqueur berauſchte mein Herz vollends. Trotz meinem gräulichen Bart, der eine gute Hälfte meines Geſichts bedeckte, hatte Janka eine ſo große Zuneigung für mich empfunden? Gewiß wäre die⸗ ſelbe in helle Liebe entbrannt, wenn das, was durch dieſen Bart bedeckt wurde, ihr zu Geſicht gekommen wäre, denn ledenfalls war es ſchöner als dies Geſtrüppe. Ich war nahe daran, mein Bartgelübde zu verwünſchen, meine Eitelkeit ſuchte mich jedoch zu tröſten, indem ſie mir zu⸗ klüſterte: Du biſt auch mit dem Bart kein übler Junge, und die Weiber lieben ja das Martialiſche; gib Dich zu⸗ frieden, ſie iſt Dir gut! Die Vernunft wollte zwar ein⸗ wenden, daß dies mir doch zu nichts helfen würde, aus

dieſen und jenen Gründen, aber ich gebot ihr Schweigen

und verwies ſie in ihr Winkelchen. Mit dem Gedanken an Janka entſchlief ich endlich. Morpheus war mir hold, er gaukelte mir die allerliebſten Sächelchen von Janka vor und brachte mich in die reizendſten Situationen mit ihr. Die verwünſchte Reveille zerſtörte meine lieblichen Träume. Alles war verſchwunden, und die Morgenluft durchfröſtelte mich empfindlicher als je. Aber ein Schnaps aus Janka's Fläſchchen brachte mich wieder mit ihr zuſammen; faſt hätte ich zu viel gekoſtet, denn ich konnte die liebe Flaſche gar nicht vom Munde wegbringen, ſie war ja von ihr!

Der Vormittag verging in cameradſchaftlichen Er⸗ zählungen über die errungenen Siege und mit dem Schmieden vielfacher Pläne, wie man ſich in Paris am beſten amüſiren wolle. Die allgemeine Stimmung war ſehr froh und aufgeregt, doch hing ſich bei uns Cavalle⸗ riſten ein lähmendes Gewicht an die Fittiche der Freude. Das lang anhaltende frühere Regenwetter hatte den Bo⸗ den ſtark durchnäßt, und ob wir gleich unſer Staudlager auf einer Höhe hatten, ſo waren wir dadurch um nichts ge⸗ beſſert, denn der höhere Schloßberg ließ das vorher von ihm angeſogene Waſſer nach und nach auf unſer Plateau herunterſickern, und unſere Pferde ſtanden fortwährend bis über die Feſſeln im Moraſt. Gewiß die Hälfte derſelben litt bereits an der Mauke, und dauerte dies noch acht Tage, ſo war unſere ganze Reiterei unbrauchbar. Dies ver⸗ ſtimmte beſonders diejenigen, deren Pferde bereits krank waren.

Am Nachmittag ließ mich mein Rittmeiſter rufen; er ſchien ſehr heiter geſtimmt zu ſein und redete mich au, wie folgt:

Bis jetzt, wo uns die Franzoſen in einer vortheilhaf⸗ ten, ſchwer angreifbaren Stellung nahe ſtanden, durften wir nicht wagen, unſern Platz zu verlaſſen, nun aber, da ſie durch unſere aus Schleſien und der Mark vorrückenden Armeen im Rücken bedroht werden und ſich vorläufig auf Dresden zurückgezogen haben, ſind wir durch nichts daran gehindert. Es iſt im hohen Kriegsrath beſchloſſen wor⸗ den, noch ſo lange ſtehen zu bleiben, bis die übrigen Ar⸗ meen der Verbündeten ziemlich in gleicher Höhe mit uns vorgedrungen ſein werden, und dann über das Erzgebirge gehend uns mit ihnen in Verbindung zu ſetzen. Die wahr⸗ ſcheinlich nur kurze Zeit bis dahin ſoll vorzüglich dazu be⸗ nutzt werden, die Cavallerie vurch beſſere Pflege in Quar⸗ tieren wieder in tüchtigen Stand zu ſetzen. Vorläufig ſoll dies mit der Hälfte geſchehen, die nach einiger Zeit von der zweiten abgelöſt werden ſoll. Unſer Regiment gehört zur erſten Hälfte, und wir werden übermorgen früh nach den bereits beſtimmten Cantonnirungen abgehen. Sie, als Quartiermeiſter, werden morgen mit einigen Leuten vor⸗