ſ 162 novellen ⸗Zeitung.
I.BDI
Hermann Allmers.
Fuimus Troes, fuit Ilium! O ſchöne Zeit, o Burſchenzeit, Wie liegſt du nun ſo weit, ſo weit!
Ob längſt ich auch Philiſter bin, Dir häng⸗ ich an mit Herz und Sinn, Ich wandle ſtill von Ort zu Ort 1 Die langen Gaſſen traurig fort. Du alte, treue Muſenſtadt, Mein Aug iſt trüb, mein Haar iſt Die mich drei Jahr' gepfleget hat.„mein H grau, mich dret Fahn geyfleg Doch kenn' ich Alles noch genau.
Nun ſind es vierzig lange Jahr’,
; Seit ich in dir ein Burſche war. Und weiter, weiter,— ſiehe da, Freu ) ſche we Da biſt du alte Kneipe ja! ichte Nun ſind es vierzig lange Jahr',.„. Trüb iſt mein Auge, grau mein Haar. Was blickſt du mich ſo heimiſch an, Frar 6. Als wär' ich dir noch zugethan? Man Doch mußt' ich ſehn den alten Ort; ſprer Wie Manches, ach, gemahnt mich dort!— Was rufſt du mir in tiefſter Bruſt kanches, aäch, gema ch d V Zurück ſo manche Götterluſt? und —— D Da zieht ein lauter Burſchenſchwarm; Noch dröhnt im Ohr mir der Geſang gni Wie macht er gleich das Herz mir warm! Bei Knaſterdampf und Becherklang, V die .. ah War auch ein Burſche flott wie ihr, Das Lied vom ſchönen Burſchenſtand, Voll Jugendkraft und Kampfbegier; Von Freiheit und vom Vaterland. 4 .. i Ging auch ſo frei, ſo ſtolz einher Wie machtvoll mir's vom Munde fuhr, ſchls In Koller und Kanonen ſchwer; Das Gaudeamus igitur. dem 1 brunas 8 auch Hab' auch die Plempe brav geführt Du liebes, altes, braunes Haus, 6 Für Ehr' und Recht, wie ſich's gebührt; Lockſt Thränen ſchier zum Aug' heraus. unſe 2 1.. theil Hatte hohen Muth, hatte guten Durſt, O ſchöne Zeit, o Burſchenzeit, platz War mir die ganze Welt doch Wurſt. Wie liegſt du nun ſo weit, ſo weit! der Und nun— geh' ich ſogar beim Stock, 4 v 3ags Ein alter, ſteifer Philiſterbock. Ich wandle ſtill von Ort zu Ort Erſte 3 Mit tiefbewegter Seele fort. ah O ſchöne Zeit, o Burſchenzeit,... 3 au Wie liegſt d ſo weit— ſo weit! Da ſteh' ich plötzlich wie gebannt,— 88 Zie liegſt du nun ſonwe ſo waſt Dort jenes Haus hab' ich auch gekannt. Alm ande ſchreite ſti r 4 3 Engelsangeſicht Ich ſchreite ſtill von Ort zu Ort Dort wohnte das Engelsangeſicht, ende Die langen, düſtern Gaſſen fort. Das ich bis heut' vergeſſen nicht. laus Mein Aug' iſt trüb, mein Haar iſt grau, Dort ſah ich dich zum erſten Mal, Sie Doch weiß ich Alles noch genau. Dort traf mich deiner Augen Strahl. Da fühl Dort droben jenes Kämmerlein, Dort hab' ich oft in ſpäter Nacht, uns V Das ſchloß den treuſten Freund mir ein. O Mädchen, dir ein Lied gebracht. u 1...i. S. Mein Aug' iſt trü in Haar iſt grau, ſ Dort haben wir manch' ſtille Stund Mein Aug' iſt trüb, mein H g 0 Geredet tief aus Herzens Grund. Doch weiß ich Alles noch genau. ſel Von jenem Fenſter nickteſt du Es pocht mein altes Herz und ſchwillt, So I vuneſrantten ſiſ mir zu. Und glühend mir's vom Auge quillt. ſed nal 8 inauf ſ ſchöne Zeit, o Burſchenzeit 1 F. Ich ſchau hinauf, du biſt es nicht, O ſchöne Zeit, o B 5.. Eit Es blickt herab ein fremd Geſicht. Wie liegſt du nun ſo weit, ſo weit! flü Du liegſt nun ſchon im dunkeln Grab, und Den ich ſo treu geliebet hab'.— frie wer Dichſungen von Hermann Allmers. Bremen, J. G. Heyſe's Verlag. 1861. die


