Richard Thusnelda.
Wodan, Gott hochheiliger Freiheit!
Freya, Mutter, Göttin der Liebe!
Laßt Euch gefallen das dampfende Opfer,
Das Euch Thusnelda, das Weib des Cheruskers, Hermann's Weib, am Altare geſtreut—
Heilige Göttin! Heiliger Gott! 3
Fern ſind des Morgens lichtmähnige Roſſe; Auf, Alrune, vom Schatten der Eiche Tritt hervor, o Schweſter der Zukunft!
Streiche vom furchtbaren Antlitz die Haare; Geiſterhaft leuchte Dein mondliches Auge, Schlage die Bruſt— und zücke das Meſſer; Laß hervor, in rauchenden Strömen,
Stürzen das Blut der Kinder des Waldes,— Fälle den Eber und fälle den Stier!
Singet, Ihr Schweſtern, die heil'gen Bardiete, Schürzt das Gewand um die blendende Hüfte, Hebet die Sohle, beflügelten Tanzes,
Schlinget den Reigen um Wodan's Altar! V Denn es geziemet dem Weibe, in Züchten
Treu zu bewahren die häusliche Sitte, Schwingen die Männer die Keule der Schlacht! Fromm, mit Gebeten und Opfergerüchen Laſſet uns tränken die nächtlichen Schatten, Daß ſich Freya, die gütige Göttin, Nicht ſich entfremde dem heimiſchen Heerd. Liebend dann wird ſie den Vater der Schlachten Wenden zu Gunſten der kämpfenden Männer; Heim aus dem Thale der blutigen Schilder Führet ſie Thor, der ſiegende Gott! Sehet, ſchon ſinkt in die Mitternachtstiefe Manna hinab mit dem mondlichen Schilde. Aber am Haupte, hört Ihr's gewittern? Hört Ihr, o Schweſtern, des Donnergotts Wagen Rollen entgegen den Feinden der Freiheit, Rollen den Römern ans brechende Herz!2 Unſeren Opfern ſind gnädig die Götter, Preiſet und ſingt die hochheilige Nacht! Heilige Nacht, hochheilige, grolle! Schleudre zu Boden die Schänder der Freiheit, Schlage die frechen Entweiher der Haine, Die ſich geſchlichen mit tückiſcher Argliſt In der Germanen gläubiges Herz! Schlage die lüſternen Buven der Unzucht, Welche da trachten, die Weiber und Jungfrau'n Schnöd zu verführen mit gleißender Rede, Oder gewaltſam entführen den Männern, Um im Triumph ſie, im dreimal verfluchten, Vorzuführen der Buhlerin Rom! Reicht mir das Stierhorn dampfenden Methes! Netzet den Zweig der geheiligten Miſtel; Lodre, du Flamme, und wärme den Buſen, Warme den Buſen der Götter des Siegs! Schaut in die Flammen! Seht Ihr ſie züngeln? Horchet, es reden die Götter aus Flammen! Geiſter, ich hör' Euch! Geiſter, ich ſeh’ Euch! Trunken umſchweb' ich die Hügel der Zukunft. Auf, Walküren, erhebet, erhöht mich! Führt mich hinab in das qualmende Thal!——
Das Buch füͤr Edelfrau'n und edle Frauen. Dichtungen von R
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von Meerheim.
Wogende Schlacht, ich grüße dich, grüß' dich! Ha, wie wogt es herab von den Bergen! Gießende Wolken, ſtrömende Völker! Flammende Keulen und zündende Blitze— Alles in furchtbar verſchlungener Eintracht, Nieder ins Thal der Todesvernichtung,
In den umzingelten, dampfenden Keſſel, Drin ſich verblutet das Scheuſal, Rom!
Horch, ha horch, wie's ſchmettert im Eichwald! Horch, wie dröhnet das tönende Stierhorn! Antwort herüber wettern die Berge, Kenntlich am Sange jeglicher Stamm!
Alle, vereinigt in einem Gedanken:
Unter der Sohle heult die Zerwürfniß,
Eins im Gewinne des herrlichen Siegs! Sehet, von Süd'’ her ſtrömen die Katten, Büffel⸗ und Stierhorn dräuet vom Haupte! Dorten, vom Nord' her, Marſen und Teukrer, Zottiges Wolfsfell rauh um die Hüfte.
Aber von Weſten her, himmliſcher Odem, Weht es zum Buſen, wie Grüßen Walhalla's, Wehet und brauſet Cheruskiſcher Odem, Wehet die Liebe, weht der Triumph!
Sehet, das ſind die Cheruskiſchen Männer! Dunkel am Nacken, in blutigen Flocken, Sträubt ſich das Fell des erſchlagenen Bären, Ueber den Nacken, bluttriefig, die Keule, Sonnig am Haupte flammet der Helm!
Ha, wie ſie dröhnen, die eichenen Kolben! Ha, wie ſie ſplittern, die römiſchen Schädel! Strömet, ihr Bäche! werdet Moräſte!
Laſſet verſinken die fliehenden Roſſe! Schling' dich zu Netzen, o dornichtes Dickicht! Fange die ſtolzen Legionen der Knechtſchaft, Fange und ſchlage die tückiſche Brut!
Ha, wie ſie ſtürzen, den Fluch auf der Lippe! Zeus⸗Gott, Vater der römiſchen Lüge,
Zeus entfliehet vor Wodan's Gericht!
Sehet, da ſtürzet in heulender Ohnmacht, Stürzet ins Schwert tyranniſchen Hochmuths Varus ſtürzt in den rächenden Stahl!
Seine Cohorten düngen die Sümpfe,
Seiner Legionen bleichenden Leibern
Herrlich entringt ſich Thuiskon's Stamm!
Nebel, zerfließet! Wolken, zertheilet Euch! Laſſet, ihr Nornen, laſſet mir nah' ſein,
Was, fern ſchauend, die Seele geahnet; Laſſet mir leuchten den Herzog der Freiheit, Hermann nahet, der Sieger im Sieg!
Nein, ich träume nicht, Schweſtern, ſein Auge, Tiefblau ſtrahlt es im Gruße berüber,
Sinkt in den Bronnen der hüpfenden Seele, Warm um die Wange ſchon fühl' ich den Odem. Jauchze gen Himmel nun, Freudengeſang!
Jauchzet, Ihr Weiber, heim kehrt der Gatte! Jauchzet, Ihr Bräute, es rufet Euch Freya! Brecht von der Eiche die laubigen Kronen, Schwinget in Lüften den kränzenden Zweig!
ichard von Meerheim. Dresden, Verlag von C. C. Meinhold& Söhne.
1862.
[VIII. Jahrg.
grü ſten St M ein we
PH


