Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
96
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werke muß daher den Aeſthetiker veranlaſſen, von Zeit zu Zeit ſich zu ſolchen Erſcheinungen zu wenden, die durch Fleiß und Gründlichkeit zu etwas Tüchtigem werden können.

Ich meine biographiſche Schilderungen, zuſammen⸗ ſtellende Beleuchtungen literaturgeſchichtlicher Vorgänge, oder allgemein verſtändliche Referate aus dem Gebiete der Naturkunde oder irgend einer andern Wiſſeuſchaft, deren

werden.

So lange ſolche Werke nicht zu ſehr in das rein kriti ſche Gebiet hinübergehn, ſo lange ſie alſo nicht philoſophiſch und gedankenſchaffend werden, ſich daher mehr im Darſtel⸗ lenden, Erzählenden halten, ſind für dieſelben nur gemeſ⸗ ſene Fähigkeiten nöthig.

Ein kluges, geſchmackvolles Arraugement des vorhan⸗ denen Materials und ein ſinnreiches, zu einem Ganzen ver⸗ ſchmelzendes Ueberarbeiten verſtreuter Fragmente kann, mit Sachkunde verbunden, treffliche Reſultate erzielen. Wenn aber auch nur mäßige gewonnen werden, ſo iſt doch ſchon dem Leſer ein Dienſt erwieſen, indem der Bereicherung ſeiner Kenntniſſe, nach welcher doch endlich jeder Gebildete hiu ſtrebt, eine unterhaltende nicht trockene Möglichkeit gebo⸗ ten wird.

Zu ſolchen Werken gehören dieDeutſchen Dichter und Proſaiſten von Paldamus. Der Verfaſſer, jetzt zu

Baud von über hundert Seiten nur theilweiſe ſelbſt ſchrei⸗ ben können, während ihm durch Wilhelm Stricker eine achtungswerthe Hülfe geworden iſt. Für die Zukunft hat das bereits länger fortlaufende Werk Heinrich Kurz in Aarau zur Fortſetzung übernommen. Es wird ven dem⸗ ſelben noch ein dritter Baud, von Klopſtock bis zu Schil ler's Tode, dann die Schilterung der Zeit von 1450 bis

auf unſere Tage erſcheinen.

wenden. geſchmückten Bilderſaal der Zeiten durchwandert.

früheren Tageu feſſeln, es ſind auch die Perſonen mit der ganzen Geſchichte ihres geiſtigen Dichtens und Trachtens mit all ihren Freuden und Leiden des Prwatlebens. D

ging es oft weniger ruhig zu,

glaubt, ſo lange uns nur ſtatuenartig aus dem blauen

Geiſter monumental entgegenragen.

heutigen Tages.

eitelem Stolz und Intriguen. Vorurtheile und zwar di

NRedigirt unter Be⸗ .

Segnungen praktiſch und für die Leſer nützlich gemacht

ſehr beſchäftigt, hat ſchon den gegenwärtigen, ſehr ſtarken

zu Klopſtock und endlich die Periode der Romantiker bis

Wenn es nicht gar erfreulich in der Literatur ausſieht, und man von zahlreichen Halbheiten umgeben iſt, deren fortwährendes Bücherfabriciren ſelbſt für die Muthigſten derung, mit beſonderer Rückſicht auf etwas Beängſtigendes hat und den guten Geſchmack unter geiſtigen Entwickelungsgang der Capacitäten

dieſem Ballaſt von Maculatur zu erſticken droht, ſo iſt es V eine angenehme Erleichterung, ſich in die Vorzeit zurück zu Auch dem großen Publicum fehlt es durchaus an eine Zeit zu hegen, deren nicht an ſtofflicher Unterhaltung, wenn den bunten, reich zur Blüthe gebracht haben.

Und nicht nur die Productionen ſind es, welche uns in eigene verunglimpft. veredeln, kommt es nicht darauf an, daß man ein

.

Dert daß man eine fähige

Nebel der Vergangenheit vie fertigen Erſcheinungen der einem Einzelnen, ſonde Das Streben und tion geſchrieben.

Werden hatte auch ſeine Kämpfe und Stürme, gerade wie Es fehlte nicht an Neid, Mißgunſt,

blödeſten, ja ſelbſt Standesunterſchiede und Vorrechte muß⸗

rantwortlichkeit von Alphons Dürr in Leipzig. Verlag von Alphons Dürr in

Jener ſchwache Standpunkt der productiven Dichter⸗ ten wie gegenwärtig beſiegt werden, wollte der materiell

V Geringere nicht den Kürzeren ziehn.

Aber es fehlte bei alle dem doch recht ſehr an jener

Anmaßung und Leichtfertigkeit, die ſich mit Mangel an

eigentlicher Begabung verbindet und in ihrer Kenntnißlo⸗ ſigkeit kein Hinderniß findet, mit vollen Segeln, wie wir es jetzt täglich ſehen, den ſtillen Ocean der Production zu befahren.

Wo ſolche Oberflächlichkeit auch auftauchte, da wurde ſie doch bald zurückgedrängt, und es gelang ihr nicht, ſich, wie jetzt, durch materielle abenteuerliche Gebilde, die auf Nervenreiz und Intereſſe an ſpannender Handlung abge⸗ Zielt ſind, zur dauernden Geltung zu bringen.

Am erhobenſten wird es dem Leſer immer zu Muthe ſein, wenn er ſich durch lebendig beſchreibende Darſtellun⸗ gen in die Kreiſe derjeuigen Perſönlichkeiten zurückverſetzt, welche die claſſiſche Epoche unſerer Literatur bildeten. Kurze Lebensbilder dieſer Mäuner machen den Stoff des vorliegenden Buches aus. Ihnen geſellen ſich für die äußere Anſchauung, die immer zugleich auch die innere geiſtige iſt, auch die aus jenen Tagen herſtammenden Por⸗ traitabbildungen der beſprochenen Schriftſteller hinzu.

V Die Leſer finden hier äſthetiſch⸗genrebildliche Charakter⸗ gemälde von dem Leben und den geiſtigen Schöpfungen hervorragender Männer, wie Herder, Hamanu, Jung Stilling, Goethe, Georg Forſter, Klinger, Haller, Zim⸗ mermann, Merck, Johannes Müller, Schiller, Lavater, Kant und Iffland.

Für diejenigen, welche noch weiteres Intereſſe an dem berührten Stoff nehmen, bietet eine Quellenangabe leich⸗ ten Fingerzeig, und es iſt zu hoffen, daß nur Wenigen das hier angeſchlagene Thema gleichgültig ſein wird.

Natürlich war bei ſo reichem Material nicht der Raum geboten, auf alle perſönliche Beziehungen und menſchliche Verhältniſſe, die uns über die Vergangenheit jener Geſtal⸗ ten aufbewahrt ſind, genauer einzugehen; wohl aber fin⸗ den wir alles Weſentliche berührt und zwar nicht in einer trockenen, ſondern anſprechenden, wahrheitsgetreuen Schil⸗ die Leiſtungen und den

Es iſt Pflicht aller Gebildeten in der deutſchen Nation, warme Theilnahme für dergleichen Rückerinnerungen Beſtrebungen unſere Cultur

Wer dagegen gleichgültig bleibt, kränkt die Ehre ſeiner Nationalität, indem er ſeine Um etwas zu lernen und ſich zu für alle⸗ mal in der Literaturgeſchichte orientirt ſei, ſondern darauf,

eine

n einander ergäuzt; die Die Teubner'ſche Verlagshandlung

werthe Tendenz gezeigt zu haben.

Stimme über denſelben Gegenſtand

als man aus der Ferne hört und das Verſchiedene gegenſeitig vergleicht und durch Literaturgeſchichte wird nicht von rn vom Geſchmack der ganzen Na⸗

hat das Verdienſt,

bereits durch mannigfache hierhergehörige Werke einen gu⸗ e ten Fond geliefert und eine in dieſer Beziehung achtungs⸗

Leipzig. Druck von Gieſecht& Devrient in Leipzig.