Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
66
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Julius Becker.

Der zerſchnittene Ring.

Ich hab' in einem Schreine Gar manches theure Pfand,

Verwelkte Blumen und Steine Und Locken und ſeiden Band.

Was Freundſchaft mir und Liebe Vor langen Jahren gab,

Daß mir Erinn'rung bliebe, Ich drinnen verſchloſſen hab'.

Ich ſchau' mir oft die Pfänder,

Eins nach dem andern, an, Die Blumen, Steine und Bänder, Hab' meine Freude daran.

Doch eins nur ſtimmt mich trüber, Das mehr als Alles ſpricht; Die Augen gehen mir über,

Möcht' weinen und kann doch nicht.

Ein Ring von Liebchens Haaren Iſt jenes theure Pfand,

Das mich ſeit langen Jahren Zu treuer Liebe verband.

Die Jahre ſind verflogen Mit ihrer Blüthenſpur.

Sie hat mir Liebe gelogen, Gebrochen der Treue Schwur.

Sie bat, ich möcht' ihr ſenden Das Pfand ich gab ſie frei Und ſchnitt mit zitternden Händen Es ſchweigend mitten entzwei,

Und theilte unter Thränen Mit ihr den theuren Ring,

An dem mein Hoffen und Sehnen, Mein Leben und Lieben hing.

Wer fragt, was ich gelitten Im Leben liebeleer?

Das Ringlein bleibt zerſchnitten

Ich aber weine nicht mehr.

Frühlingslied im Winter.

Auf ſchneeverwehten Wegen Bei Nacht ein Wandrer zieht, Dem Winterſturm entgegen Singt er ein Frühlingslied.

Es weht in ſpitzen Flocken Der Schnee ihm ins Geſicht, Des Sängers Pulſe ſtocken, Doch ſeine Lieder nicht.

Gedichte von Julius Becker.

Aus ſeinem Nachlaß.

Uovellen 3 Zeitung.

Er ſingt pon Frühlingslüften, Von Morgenroth und Thau, Von ſüßen Blumendüften Und heiterm Himmelsblau.

Er ſingt von ſeinen Lieben Gar manch ein innig Lied,

Die treu daheim heblichen, Wohin ihn Sehnſucht zieht.

Und bei dem Klang der Lieder Vergißt er Sturm und Harm, Erſtarren auch die Glieder, Wird doch das Herz ihm warm!

Am Meer.

Des Nordens Stürme toben Entfeſſelt auf dem Meer,

Die Fluthen, wild gehoben, Sie toſen dumpf und ſchwer.

Doch ſtrahlt vom Himmel nieder Ins Meer das ewyge Licht,

Dann lächelt freundlich wieder Sein grollend Angeſicht.

Und unten tief, vor Wogen Geſchützt und Sturmeswuth,

Doch auch dem Licht entzogen, Gar manche Perle ruht.

Wie gleichſt du meinem Herzen, Du unergründlich Meer!

Wie gleichſt du meinen Schmerzen, Du Sturm von Norden her!

Als noch die Stürme ſchliefen, Wie war mein Herz ſo mild, In deſſen dunklen Tiefen Das lichte Leben quillt!

Nun, ſeit die Stürme brauſen, Wie wogt es hin und her! Nur Nacht und finſtres Grauſen

Erblick' ich rings umher.

O könnt' ich Eine finden, Die treu ſich weihte mir,

Die Nacht, ſie würde ſchwinden, Mein Herz, es ſpräch' zu ihr:

Du mit der Liebe Augen, Vertrauend ſchau hinein,

Kannſt muthig untertauchen, Die Perlen die ſind dein!

Verlag von L. Wiedemann in Leipzig.

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