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aing Nr. 4.]
Dritte
V loſer Kritiker auf die Beine gebracht werden. Die Mittel⸗ mäßigkeit hat immer den mildthätigen Trieb, ihres Glei⸗ chen nicht ſitzen zu laſſen. Ich rathe alſo Baudiſſin zu der kühnen Annahme, daß ſein Product ein Zeitereigniß iſt, deſſen ſich die Zeit bemächtigen wird, und es iſt Pflicht, ihm hierbei im Voraus durch paſſende Ueberſetzungen an die Hand zu gehn.
V Sie werden ſich, verehrter Freund, über meine ſonſt nicht gewöhnliche Einleitung wundern, da dieſelbe mit ſo b vollen Segeln daherfährt. Doch ſoll man die Worte nicht ängſtlich wägen, wo es ſich um einen ſittlichen Nutzen durch d. ddiie Literatur handelt. Es iſt das leider ein zu ſeltenes V Ereigniß, um es lau und als etwas Selbſtverſtändliches,
. deas es freilich ſein ſollte, zu begrüßen.
rfen A. Um einen ſolchen Nutzen handelt es ſich durch dies 8, bei Buuch. Es bringt nämlich, wovon wir nur zu ſehr eut⸗ wöhnt ſind, die Zuſtände, wie ſie ſind, und wenn ſie auch m Iu manchen Augen nackt erſcheinen, ſo darf nicht vergeſſen in drei V werden, daß die Göttin der Wahrheit ſelbſt ohne Gewand erdings b dargeſtellt wurde und doch noch nie der Moral ein Aerger⸗ t rſch niß gab, wohl aber der diplomatiſchen Prüderie, die Alles bis zur Unkenntlichkeit verſchleiern und fälſchen möchte. werde, Die Zuſtände in Amerika können weder einem wahr⸗ rerkſam haft gebildeten Menſchen, noch gar irgend einem Lande in prachen Europa gleichgültig ſein, und wenn man im angeerbten he war⸗ Indifferentismus ſo thut, als ſei es doch der Fall, ſo iſt en An⸗ dieſe Theilnahmloſigkeit zum Mindeſten eine Dummheit, ſchland wenn nicht eine Unſittlichkeit. Wenn man eine gewaltige ilegir⸗ Menſchenmaſſe, die zu einer Nation, zu einen Staat zu wer⸗ , und den im Begriff war, im Gährungsproceß der Auflöſung fin⸗ tte iſt det; wenn man ſieht, wie alle Knoſpenzertreten odervergiftet, Leih⸗ alle moraliſchen Bande zerriſſen, alle menſchlichen Rechts⸗ he ſich gefühle mit Füßen getreten und ſelbſt der letzte formelle rablen Anſtand und der in der diplomatiſchen Politik übliche beſon⸗ Schatten eines Gewiſſens gemobt, gefedert und gelyncht tlen wird: ſo muß man erſchrecken über die Möglichkeiten der
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nen zu müſſen, hat der Autor einen ſo einfachen als klugen
Verſöhnung des Graſſen eine humoriſtiſche Perſon ſein, deren Lebenscarrière die Eindrücke und Erfahrungen auf⸗
modernen, von Aufklärung und Civiliſation ſtrotzenden Gegenwart. Ehe ſich theoretiſch oder praktiſch Mittel zur Aenderung dieſer erſchütternden Erſcheinung erkennen laſſen, muß vor Allem Jeder den Drang nach Licht, nach Wahr⸗ heit, nach ungeſchminkter Darſtellung der Verhältuiſſe ha⸗ ben, und Männer, welche uns dieſe geben, gewähren ſchon viel.
Hoffentlich mehreun ſie ſich recht bald, damit man in allen europäiſchen Staaten einen vorurtheilsloſen Einblick in das private und öffentliche Treiben Amerika's erhalte. Die politiſchen Streitigkeiten ſelbſt ſind kein Geheimniß, wohl aber iſt es der Verkehr des Lebeus, wie er jetzt nach Hinwegräumung des letzten Scheines von Ordnung auftritt.
Der Verfaſſer hat zehn Jahre lang in Ameerrika gelebt und dort ſelbſt eine Zeitung herausgegeben. So lauge er aher dort war, wagte er, wie er in der Vorrede ſagt, nicht, die Wahrheit über amerikaniſche Zuſtände drucken zu laſſen, weil der Gebrauch der Preßfreiheit in jenem Lande gar leicht mit dem Tode beſtraft werden kann. Nachdem er die geſegneten Gefilde einer ſolchen öffentlichen Sicherheit nun für immer verlaſſen hat, hielt er es für Pflicht, zu ſagen, was er geſehn, erlebt und erfahren, und er verbürgt ſich mit ſeinem Namen für die Echtheit der geſchilderten Beiſpiele, die ohne Ausnahme Thatſachen ſind.
Um nicht in den Ton einer ermüdenden und wegen der Schrecklichkeit und Widerwärtigkeit des Stoffs angreifen⸗ den Abhandlung zu verfallen, um aber auch zur Vermei⸗ dung dieſer Monotonie keinen eigentlichen Roman erſin⸗
Ausweg gewählt. Er erzählt als ein Dritter ſeine eigenen Begegnungen und läßt ſeinen Helden zur Milderung und
reihet. So fehlt es dem Leſer niemals an Abwechſelung und Unterhaltung, und er wird durch keinerlei romantiſche Phan⸗
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ſcli⸗„ Zur Veredlung junger Mädchenherzen“ iſt dieſes Buch mit en bio⸗ pädagogiſch⸗mütterlichem Herzen erfunden, und es nimmt ein inſler⸗ kleiner Roman darin ſeinen friedlichen Verlauf und zeigt, wie en von ddie Tugend und Reſignation belohnt und die Untugend durch gautes Beiſpiel veredelt werden könnte.
lhaften V Wo es auf die guten Wirkungen der Moral abgeſehn iſt, muß Fliſſ mmaan dieſen das Vorrecht laſſen, und es pflegt dabei ſelten der e guten Natürlichkeit Rechnung getragen zu werden. O. B.
ini und V—
immer.. hiuma Miscellen. n. Sie friedrich Steinmann und Heine'’s Nachlaß. ber in V ſ Alfred Meißner, der im Feuilleton der Wiener„Preſſe“ 258 eine Nachleſe zu ſeinen„Erinnerungen an Heinrich Heine!“ e un⸗ liefert, theilt bei dieſer Gelegenheit Folgendes über das Ver⸗ en, 3 V hältniß Friedrich Steinmann's zu dem Dichter des„Buches der nuf Lieder“ mit:„Die neue Ausgabe der Heine'ſchen Werke lenkt die ütlich⸗ Aufmerkſamkeit wieder auf dieſen Dichter, und ich ſehe zu meiner größten Freude, wie die beiden erſt erſchienenen Bände der Streff⸗ V Reiſebilder“ mit dem gleichen alten Behagen geleſen werden. a leſen, Es war wirklich tiefſchmerzlich, wie jene Bände Steinmann'ſcher in Pe⸗ Publicationen, dieſes Muſeum mondkalbähnlicher Nachbildungen, ig fülj⸗ das Andenken an den Dichter zu entſtellen drohten. Ich ſtemmte Atth mich nach Kräften, und wo ich nur konnte, gegen die Annahme, niglih daß jene Dichtungen von Heine herrühren könnten, und meine 9.3. Argumentation war eine ſehr einfache. Ich ſagte: Heine hat
von jeher ſeine Papiere, beſonders ſeine Verſe, in Ehren ge⸗ fen von halten, und behielt Alles, was von ihm noch nicht gedruckt war, ————O—V——ę—ꝭ—Q—CO—O—
auch nur Einen Gläubigen zu finden.“ 6.
in Abſchrift bei ſich. Wie kommt es nun, daß ſich in Heine's wahrem Nachlaß, der bis zur Stunde unedirt bei ſeiner Wittwe in Paris liegt, kein einziges von jenen Gedichten findet, die in jenen beiden Steinmannſchen Bänden ſtehen? und umgekehrt: warum bringt uns Herr Steinmann, dem, wie er behauptet, Heine von Zeit zu Zeit, um ihm in ſeinem langweiligen Münſter eine Freude zu machen, Gedichte einſchickte, kein einziges von jenen Gedichten, die in ſeinem wahren Nachlaſſe vorhanden? So folgerte ich; freilich fehlte mir noch zu dieſer Argumentation der juridiſche Beweis: die Wittwe verhielt ſich gegen die ganze Sache apathiſch und gab keine Sylbe einer Erklärung von ſich. Erſt als mir von einer befreundeten Hand die Pagina der alten „Zeitung für die elegante Welt“, vom Jahre 1845, aufgeſchlagen wurde, wo Heine ſelbſt gegen Steinmann auftritt und erklärt, daß er ſeit achtzehn Jahren(alſo ſeit 1827) mit dieſem Herrn in gar keiner Verbindung geſtanden, der in ſeinem„Muſen⸗Al⸗ manach“ zwei Gedichte,„Heine in Paris“ ſignirt, bringt, von welchen das eine eine abhandengekommene Jugendverſelei, das andere ihm völlig unbekannt iſt— da, erſt da hatte ich factiſche Belege. Herr James von Bülow, der dieſen altverſchollenen Band bei einem Antiquar erſtand, um darin eine Autobiogravbie Richard Wagner's aufzuſtöbern, hat wirklich durch den Fund dieſes anticipirten Proteſtes— ich weiß keinen beſſeren Ausdruck — der literariſchen Welt einen Dienſt erwieſen. Herr Stein⸗ mann iſt ſeitdem moraliſch todt, und es dürfte ihm ſchwer wer⸗ den, unter Allen, welche ſich für die Angelegenheit intereſſiren,
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