Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
823
Einzelbild herunterladen

ahrg.

I, eines an die n Tode

allit ge⸗

Sduard Bewußt⸗ emeinen. ein Weib nich nun t, die ich Glück die nn Undd Biemann, g eines Nich mit eich dem beiſpiel⸗ fe ich dem Ge⸗ ach, mir Kummer h halb aus h Man Er⸗

den jeden

, daß Man

B 1 belnde on den ſchämt in

b

del

nktiſten

4 s ihm ge⸗ z es ihm nur die Tam

nz junge

2 tbigſchen

Amſterdam, um Erkundigungen über meine Familie einzu⸗ dem ich in großer Armuth lebte.

ziehen und, wenn es ohne Gefahr für mich geſchehen könne,

denen eine Entſchädigung zu geben, die durch mich ver⸗ loren haben. Ich kam in dieſe Stadt, ſah das Bild, fand meine Tochter und Dich, bat auf der Promenade um ein Almoſen und händigte Dir bei dieſer Gelegenheit ein Briefchen ein, das dieſe Unterredung bewirkt hat. So wandele ich, ein Todter unter den Lebenden, in meiner Hei⸗ math. Jetzt berichte Du, Antonie.

Ich werde kurz ſein. Dein Tod machte großes Auf⸗ ſehen aber man glaubte daran. Ein gerichtlich be⸗ ſtätigtes Zeugniß durfte man nicht bezweifeln. Dreitauſend Thaler. Es war dies möglich, da ich Deinen Revers be ſaß, der mir unbeſchränkte Dispoſition darüber ſicherte. Dieſes Geld lieh ein gewiſſer Joſeph Dorner, ein reicher Mann, der es nicht verſchmähete, Geſchäfte dieſer Art zu machen. Als die Nachricht von Deinem Tode kam und auch Dein angebliches Teſtament, war die Police noch nicht wieder eingelöſ't. Wir wollten den Trauerfall ver⸗ ſchweigen und das Document einlöſen; leider war mein Vater außer Stande, das Geld zu ſchaffen die Behörde, die uns Deine Documente eingehändigt, machte Deinen Tod officiell bekannt und bemächtigte ſich der Hinterlaſſen⸗ ſchaft zu Gunſten der Gläubiger. Joſeph Dorner, der Beſitzer der Police, ließ ſich die Verſicherungsſumme aus⸗ zahlen. Unſere Lage war ſehr traurig, Niemand hatte Mitleiden mit uns, da man allgemein annahm, wir trü gen die Armuth nur zur Schau, um ein Vermögen zu retten. Ich erhob einen Proceß gegen Dorner, und for⸗ derte nach Abzug ſeines Darlehns die Verſicherungsſumme zurück, da ich das Papier nicht verkauft, ſondern nur ver

det hatte. Der Proceß dehnte ſich aus wie jeder Pro⸗

bei dem Summen auf dem Spiele' ſtehen. Die Trauerzeit war vorüber. Dorner näherte ſich mir und warb endlich um meine Hand, um dem verhängnißvollen Proceſſe ein Ende zu machen. Ich wies ihn zurück, trotz⸗

Er blieb beharrlich und wollte mir ſein ganzes Vermögen zu Füßen legen. Der Mann war mir in tiefſter Seele verhaßt. Der Rechtsan⸗ walt Emil Haiden, der meinen Proceß⸗führte, lernte mich kennen und ſchätzen. Da er vermögend war, bot er dem Vater ſeine Hülfe an, denn er zweifelte nicht an einem glücklichen Ausgange des Proceſſes. Der brave Mann ward unſere Vorſehung. Da ich ihn ſchätzte, erwarb er ſich bald meine Liebe, und er, der ſein ganzes Glück darin fand, hielt um mich an ich ward ſeine Frau mit dem redlichen, feſten Vorſatze, ihn nach Kräften glücklich zu machen.

Wie endete der Proceß? fragte Bernhard eifrig.

Ich mußte beſchwören, daß das Papier nur ver⸗ ſetzt war.

Das konnteſt Du, Antonie?

Mit gutem Gewiſſen.

Und dann?

Empfing mein Mann das Geld, das Dorner heraus⸗ zahlen mußte.

Gut, recht gut! murmelte Bernhard zufrieden.

Damit das Capital nicht todt liege, legte es mein Mann in Actien an. In wenig Jahren hatte es ſich ver⸗ doppelt und verdreifacht heute beſitzen wir ein Ver⸗ mögen von zweimalhunderttauſend Thaler. Und dies ver⸗ danke ich der treuen Sorge des Mannes, der Deine Stelle erſetzt. War mein Glück auch durch die Erinnerung an Dich getrübt, ſo lebte ich doch ruhig und ſorglos wie wird es von heute an werden? Bernhard, Du haſt Dich von mir getrennt, haſt Deine Herzensneigung zum Opfer gebracht, um mich und Dein Kind glücklich zu machen das iſt ein Heldenmuth, den ich Dir nie genug danken kann aber auch Emil hat Anſprüche an meine Liebe und Treue

Ich begreife Deine Lage, Antonie Dein Herz iſt getheilt

meinen Concerten eigentliche Tanzmuſik nicht mehr aufgeführt. Den Grund zu den Sinfonieconcerten hatte er ſchon durch die Einführung der einen und andern Sinfonie gelegt. In wenigen Jahren hat er ſich durch ſeine ausgewählten Concertſtücke einen bedeutenden Ruf, eine bedeutende Beliebtheit erworben. Aus⸗ wärts macht man ſich nur ſchwex einen rechten Begriff von dieſen Concerten, die ohne alle Reclame, ohne alle Oſtentation, nur durch die einfache Ankündigung in drei oder vier Zeitungen die Locale wöchentlich mehrmals oft zum Erdrücken füllen. In ihrer Art, was die Maſſe des Gebotnen quantitativ wie qualitativ, die Ausführung gemäß des Preiſes, die Billigkeit des Preiſes u. ſ. w. betrifft, werden ſie in keiner Stadt ſo veranſtaltet.

Alle Haydnſchen, Mozartſchen, Beethovenſchen(die neunte nicht ausgeſchloſſen) Sinfonien werden des Jahres über mehr als ein halb Dutzend mal aufgeführt. Man kann behaupten, durch Liebig werden die Berliner mit claſſiſcher Muſik großgefüttert.

Beſucher Liebigſcher Concerte könnte Beethovens neun

n nicht vollſtändig auswendig! welcher wiederholte nicht

n ae fort ſeine Beſuche, um ſie noch auswendiger zu lernen! Der Enthuſiasmus geht ſo weit, daß einzelne Herren ſchon vor den Schlußaccorden zu applaudiren beginnen. Sie ſcheuen ſich nicht, einen ſecundenlangen Soloapplaus auszuführen. Das Publicum hängt an dem einfachen, beſcheidnen Dirigenten mit einer Theilnahme, die man inniges Einverſtändniß nennen könnte. Und das Publicum unter ſich, das gleicht einer großen Familie. Vielleicht iſt es ein gewiſſer Inſtinct, der die Berliner maſſenweis und von Jahr zu Jahr maſſenweiſer dieſen Concerten zutreibt. Was man in Berlin nirgends ſo findet, den echten Ausdruck des bürgerlichen Gemein⸗ und Familienlebens, hier findet man ihn,

und das mit Ausſchluß des eigentlich Demi⸗mondehaften, müſſen wir hinzuſetzen. Wer Berlin kennt, weiß, was das ſagen will!

Wir gehen zu Liebig, das heißt: wir wollen uns eines gediegnen Genuſſes erfreuen, das beißt: wir langweilen uns nicht, weil wir uns durchaus nicht langweilen wollen.

Wir gehen zu Liebig, darin liegt das ſtolze Bewußt⸗ ſein, einen Nachmittag oder Abend in reinem, geiſtigem Wohlge⸗ fallen ſchwelgen zu können.

Ein Steptiker ſieht ſich die endloſe Zahl der kommenden jungen Damen, der Mütter und Tanten, Väter und Onkel an. Hm, Hm, brummt er achſelzuckend;dieſe voraufgeſchickten Tirailleurs, beſtimmt ſchon zwei Stunden vor Beginn des Con⸗ certs einen oder mehrere Tiſche mit Beſchlag zu belegen, dieſe Batterien von Kaffeetaſſen, nur des reinen, geiſtigen Wohlge⸗ fallens wegen!

Still, es flüſtern dort zwei Damen miteinander.

Wie geht es Euch denn? meint die Eine.

Nun, wir gehen zu Liebig, meint die Andere, in etwas blaſirtem Tone.

Aha, ruft der Skeptiker aus,jetzt bin ich auf der Fährte.

Nun, lieber Freund, wozu des unnützen Geſchreis? Ruhig hätten Sie nur die erſte beſte ehrbare Mutter fragen dürfen, warum ſie zu Liebig gehe.

Ich gehe zu Liebig, weil ich drei erwachſene Töchter habe, würde ſie Ihnen ohne Scheu antworten.

Alſo ſind wir in einem Heirathsbüreau!

Hony soit qui mal y pense.

E. M.⸗S.