Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
816
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in uns ſelbſt und an unſern Zuſtänden kann als eine mit gehn vom Anblicke Luthers, dieſes echt deutſchen Strei Er ve der ſittlichen Entwickelung des Menſchengeſchlechts fort⸗ für Licht und Gerechtigkeit, wenn er deſſen Züg⸗ musan btt ſchreitende Vervollkommnung nie als abgeſchloſſen gedacht Spiegel der Geſchichte näher und deutlicher erblickt. che iſte werden. Dieſe Vollendung iſt eine ruhige nach innen ge⸗ Es iſt eine nationale Geſtalt, die in ihrem Urtyvpu targ ſch! kehrte, mehr individuell als der Corporation zugehörig, und nicht zum zweiten Male wiederkehren kann, weil die Zeiteg de Dürs in ſolcher Geſtalt bedarf ſie keiner nach außen gekehrten nicht in einem Kreislauf gehen, ſondern in einer Spiralz das anſto aufbäumenden That, weil ſie endlich doch durch keinen linie emporſteigen. Drum möchte ich zur ganzen Natiot vr oll el tyranniſchen Damm eingeengt wird oder eingeengt werden reden können, um ihr die Betrachtung dieſes Geiſtesheldeſſinn tieſe könnte. Da alſo eine ſolche Handlung nicht von nöthen, ans Herz zu legen.* Donner kaun uns auch zu derſelben kein Luther fehlen. Nicht der vorſtehende Roman iſt es, noch ſeine Durdit Jedoch es iſt dies nur eine Verwechſelung der Begriffe. führung, welche mich ſo warm gemacht haben, die Lebenote Das große begonnene Werk, das reformatoriſche Proteſti⸗ kraft entſtammt lediglich dem gewaltigen Stoffe, Ind ren, geht fort und ſoll fortgehn. Das Proteſtiren gegen nähere, verweilende Schilderung die Seele dafür auf's Nann,)d alle heuchleriſche Frömmelei und Lüge des Herzens, gegen Neue erwachen läßt, zumal wenn man gerade heut zu Tage John üb alle feige Verleugnung des Geiſtes, des freien Gottesodems, dieſe Hiſtorie lieſt, wo von den Worten die Aeolsharft ten Kleid voor materieller Gewalt; das Proteſtiren gegen die moderne der Zeit in hundert Saiten anklingt, leiſe klagt, bis die ſihreiber Lockerung der Begriffe von Treue und Redlichkeit, gegen Töne ſtärker ſchwellen und es mahnend rauſcht. das Ca⸗ die lüſterne und feige Bewunderung fremder Reize und Fragen wir nach den Einzelheiten des Romans, ſo iſt ſiten die Größen und gegen die Geringſchätzuug eigener nationaler Vieles ſehr mangelhaft. Der Sty! erſcheint oft ſo ſchwach gegenſeit Kraft; das Proteſtiren gegen die ſpeculative Oberfläch⸗ und unvollkommen, daß man ſich wundern könnte, wennf ahräͤnenfe lichkeit des vielſeitigen eilfertigen Schaffens und gegen die uns durch die neue oberflächliche Styliſtik, welche jezt dung an unzüchtige Koketterie der Seelen mit ihrem falſchen Maß epidemirt, nicht dieſe Verwunderung beinahe abgewöhnt elisL und Gewicht im gegenſeitigen rein menſchlichen Verkehr; wäre. Die Compoſition verträgt keine ſcharfe Prüfung, die Em und das Proteſtiren endlich gegen jenen klingenden Dä⸗ da der Verfaſſer viele Perſonen in ihrer Modellirung zer⸗ konute. mon, welcher der Bosheit und dem Stumpfſinn ein Pa⸗ brochen, andere förmlich vergeſſen hat. Die Atmoſphäre3 tent der Geltung kauft und ſie beſchützt, wenn ſie die der Zeit und ihr geiſtiges und materielles Coſtüm haben Stinm Religionsbegriffe von Schonung, Würde und Gemeinſam⸗ keine detaillirte genrebildliche Wahrheit. Poetiſche Ge⸗, lieren keit verhöhnen! dankenmacht, Gluth des Gefühls, anheimelnde Wärme der kläͤren. Dieſes Proteſtantenwerk iſt noch nicht vollendet und es Empfindung, Leidenſchaft und feine pſychologiſche Ent⸗ Stadt! fordert nicht einen, ſondern viele Luther, nur anders ge⸗ wickelung der Charaktere würde man faſt ganz vergeblich8 artet, anders auftretend, wie jede Zeit ihre Geiſter nach ſuchen. niich au ihren Zwecken formirt. Vergeſſen wir aber nicht, daß durch dieſe Einſchräl derl Dieſe Zwecke ſind mühevoll und ſchwierig genug zu kungen dem Roman durchſchnittlich nur die außerordent⸗ d erreichen und iſt auch dabei kein Scheiterhaufen mehr zu Aichſten Seiten eines Dichterwerkes abgeſprochen worden 1 fürchten, ſo möchten doch die Meiſten zu ſchwach ſein, um ſind, und daß außer dieſen noch manches ſehr Tüchtige be⸗ als ih nicht vor der möglichen Begnadigung zum Hungertod zu ſtehen kann. Dies findet denn auch ſtatt, denn der Ver⸗ ſah. eerſchrecken. Hier iſt die Stärke und Ueberzeugungstreue faſſer hat im Allgemeinen die Geſchichte lebensvoll, treu, Luthers, ſein Glaube an die Wahrheit und höhere gött⸗ umſichtig aufgefaßt, vor Allen aber die Tragkraft des Ku liiche Miſſion der Welt und ſein Starrſinn im männlich leitenden Gedankens feſtgehalten. Dies ſichert der um⸗ al tugendhaften Feſthalten an ſeinem Ziele nothwendig. Wer fangreichen Arbeit von vier Bänden einen edlen Eindruch am Abz nicht nur eſſen, trinken und verdauen will, um endlich nach und eine ſittliche, erhebende Wirkung auf das Publicum, degang behaglichem Leben ebenſo nichtig und behaglich auf dem Niemand wird dieſen hiſtoriſchen Roman beginnengohne ihn wunnd Schutthaufen ſeines Jahrhunderts zu verweſen, ſondern zu beendigen; keiner aber wird ihn beendigen, ohne ein Bud 7 wer etwas in ſich fühlt von einer höheren Aufgabe und farbenhelles, geſtaltenreiches Gemälde der Reformationszeit ſis 4 ddieſem Drange folgen muß, für den wird auch Kraft aus⸗ vor ſich zu ſehn. Be p omm. V den 5 9 So eben erſchien und iſt durch alle Buchhandlungen gratis zu beziehen: Kig b n.. ruſt V Alphons Jürr's Scandinaviſcher Lagerkatalog. n Es umfaßt dieſes bis zur neueſten Zeit fortgeführte Verzeichniß in überſichtlicher Weiſe die vorzüglichſten Erſcheinungen der Altnordiſchen, Däniſchen, Finniſchen, Isländiſchen, Norwegiſchen und Schwedi⸗

IA ſchen Literatur und dürfte daſſelbe, ſo wie der weſentlich erleichterte Bezug dieſer Werke, in Folge des in Leipzig G dlte gegründeten, von mir neuerdings vielfach vergrößerten Depôts der Scandinaviſchen Literatur vorzugsweiſe zur Ehw 4 Kenntnißnahme und Verbreitung der uns ſo nahe verwandten nordiſchen Sprachen in weiteren Kreiſen beitragen. 8 V Alphons Dürr in Leipzig. b ſhen

V Ganet Engel

Redigirt unter Verantwortlichkeit von Alphons Dürr in Leipzig. Verlag von Alphons Hürr in Leipzig. Druck von Gieſucke& Devrient in Leivzig, di 6

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