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Künſtlert dand, fort⸗ bleibt am ehen dahin, im Flüſtern das Ideal
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Nr. 51.]
Literariſche Briefe von Otto Banck. Luther und ſeine Zeit. Culturhiſtoriſcher Roman von Theodor König. Leipzig, 1859. Otto Wigand.
„Endlich kommſt Du, lang Erſehnter! In Todes⸗ ſchatten harren wir Dein!“ Dieſe poetiſch gewaltigen Worte eines alten lateiniſchen Kirchenliedes fang mit ekſtatiſcher Aufregung ein Mönch, indem er ein Kreuz in die Höhe hielt und ſich an die Spitze des feierlichen Zuges drängte, der ſich um Luther gebildet hatte bei deſſen muthigem Einzuge in Worms.
Jene ergreifenden Verſe charakteriſiren mit einem Schlage die Stimmung einer ſo großartig bewegten Zeit. Gewitterſchwangere drückende Nacht lag auf den Gemüthern. der mit ſich ſelbſt ringenden Menſchheit. Sie lauſchte nach Blitz und Donner, als nach den ſichtbaren Zeichen und Winken Gottes uud harrte mit ängſtlichem Verlangen, daß ſich das Wetter in wohlthätiger Erſchütterung entlade, auf daß es von Neuem Tag und Licht werde und die alte ver⸗ dunkelte Sonne wiederum komme und in Klarheit leuchte wie von Anbeginn.
Sie abermals heraufzuführen am Horizont des Lebens, langte Luther alſo nach langer, gefahrvoller Reiſe, die nach alten hiſtoriſchen Erfahrungen von der ſittlichen Verſunken⸗ heit und Wortbrüchigkeit der machthabenden Gewalt eher wie ein Gang zum Schaffot erſchien, am 16. April zu Worms an, um für die Rettung des Glaubens in die Schranken zu treten.
Wie nun der Thürmer vom Dome in die Trompete
5, nef Alles auf die Straße, den Wittenberger Mönch zu ſehen. Unbeſchreiblich war der Zutauf der um ſeinen Wagen ſich drängenden Menſchen. Der Einzug des Kai⸗ ſers war nicht von einer ſo großen Menge beſchaut worden.
Er ſaß auf dem offenen Rollwagen, den ihm der Rath zu Wittenberg zur Reiſe gegeben, in ſeiner Auguſtinerkutte. Mit heiterem Lächeln begrüßte er die verwunderte, bewegte, gaffende Menge. Seine Züge ſpiegelten eine ruhige, feſte Zuverſicht ab.
Vor ihm her ritt der kaiſerliche Herold, den Wappen⸗ rock mit dem Reichsadler über dem Arm.
Langſam, ordnungsvoll und feierlich bewegte ſich der Zug bis zu der Herberge. Als der Wagen anhielt, erhob ſich Luther und ſprach leiſe:„Gott wird mit mir ſein!“ So ſtieg er aus.
An der Treppe des Gaſthofes begrüßte ihn ein Greis mit dünnem Silberhaar:„Willkommen, Du angenehmer Gaſt, auf welchen wir Kinder der Finſterniß ſo lange ſchon
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um war er in ſeinem Zimmer, ſo fanden ſich Fürſten unn„ndere hohe Standesperſonen bei ihm ein, bezeigten ihm ihre Theilnahme und Achtung, und Etliche holten ſich Raths von ihm. Man begegnete ihm mit all' der Ehr⸗ erbietung, die man denen zu erzeigen pflegt, welche den Be⸗ ruf und die Macht haben, die Meinungen der Menſchen zu berichtigen und aufzuklären.
Es war ſpät am Abendd, als er, nachdem ihn die zahl⸗ reichen Gäſte verlaſſen, vie nöthige Zeit und Ruhe gewann, ſich zu ſammeln. Dig Bruſt mit dem Gefühle von der Wich⸗
„
Dritte Folge.
tigkeit des Momentes erfüllt, kniete er nieder und betete. Sein Gebet wurde belauſcht, und wir führen hier nur eine Stelle an:„Ach Gott, o Du mein Gott! ſtehe mir bei wider aller Feinde Vernunft und Weisheit! Thue Du es, Du mußt es thun, Du allein! Iſt es doch nicht meine, ſon⸗ dern Deine Sache. Hab ich doch für meine Perſon allhier nichts zu ſchaffen und mit dieſen großen Herren in der Welt zu thun. Wollt ich doch wohl auch gute, geruhige Tage haben und unverworren ſein. Aber Dein iſt die Sache, Herr, die gerecht und ewig iſt! Stehe mir bei, Du treuer, ewiger Gott! Ich verlaſſe mich auf keinen Menſchen. Es iſt umſonſt und vergebens; es hinket Alles was Fleiſch iſt und nach Fleiſche ſchmeckt.“
Es iſt genug an dieſen Anführungen, um damit zu ſagen, was ich ſagen möchte. Es iſt vor Allem die be⸗ kannte, aber leider nur zu wenig beachtete Wahrheit, daß große Genien nicht ſowohl ihre Zeit erwecken und tragen, als von denſelben vielmehr erweckt und getragen werden, bis ſie bewußt und ſtark geworden ſind, um von den Schul⸗ tern der tragenden Menge herabzuſpringen, vorauszueilen und ſich leitend an die Spitze der Bewegung zu ſtellen.
So war es mit Luther.„Weß das Herz voll iſt, deß geht der Mund über.“ Das Herz der nach innen gekehr⸗ ten tiefſinnigen deutſchen Nation war voll, und er wurde der Mund, welcher zum Reden überging.
Aber ich möchte noch etwas Anderes mit der obigen Schilderung angedeutet haben: daß eine erhabene That nur gelingen kann, wenn das Höchſte eingeſetzt wird für das Höchſte. Das heißt mit andern Worten: bloß durch. den Geiſt, mag er auch noch fo glänzend ſein, kann der Sterbliche nichts Großes, Unvergängliches vollbringen. Erſt wenn ſich mit dieſem Geiſte die Selbſtverleugnung, die Charakterkraft und Wahrhaftigkeit des Gemüths ver⸗ bindet, werden Gewinne exreicht, die erhaben ſind und die Menſchheit ſegnen.
Auch dies fand bei Luther ſtatt und in einer ſo gran⸗ dioſen Weiſe, daß man die kindliche Lauterkeit ſeiner Seele, die männliche Stärke ſeines Willens und die Begeiſterung ſeines Strebens ſo lange wird anſtauen müſſen, als über⸗ haupt denkende Menſchen auf Erden leben und ſich um die Geſchichte des Weltganges bekümmern. Kraft ging von ſeiner Zeit aus und ſtählte ſein Herz, und Kraft ſtrömte von ihm auf das Bewußtſein ſeiner Zeit befruchtend hin⸗ über. Es iſt eine immerwährende magnetiſche Wechſel⸗ wirkung, ohne die das Leben in beiden Theilen abſterben würde,
Wer die Geſchichte der Reformation lieſt, wird gerade durch die Enthüllung jener merkwürdigen Periode am beſten einſehen lernen, wie lange vor dem Erſcheinen am Tageslicht der Samen ſchon in dem dunkeln Boden liegt, wie lange vorher er keimt und Wurzeln ſchlägt, ehe ſich der Schößling herauswagt und zum markigen Eichbaum emporwächſt, in deſſen mächtigen Aeſten die Stürme ver⸗ geblich toſen.
Man hat oft geſagt, unſere Gegenwart verlange keinen Luther, denn ſie könne keinen gebrauchen.
Dieſer Satz iſt nur bedingungsweiſe wahr.
Wohl leben wir, und dies iſt ein Triumph der geiſti⸗ gen Selbſtſtändigkeit, in einer Zeit fortwährender Refor⸗ mation, denn das Werk der Reinigung und Verbeſſerung
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