Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
770
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0 Novellen⸗Zeitung.

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Das Harfenmädchen.

So ſchwarz und ſchaurig bricht herein die Nacht, Es ſtreicht ſo kalt der Nord die Haid' hernieder! Es iſt mein Tagewerk erſt yalb vollbracht,

Noch dürft ihr raſten nicht, ihr müden Glieder!

Dort blinkt ein Schimmer durch die Dunkelheit, Und dann und wann ertönt ein dumpfes Lärmen; Dort feiert man der Kirmeß luſt'ge Zeit Mit Spiel und Tanz, mit Trunk und wildem Schy

Da muß auch ich, gedrängt von bittrer Noth, Mich in die froherregte Menge wagen Und um das kärglich zugemeßne Brod Die müden Saiten meiner Harfe ſchlagen.

Da wird mich bald mit allem meinem Leid Das Luſtgeräuſch in ſeine Wogen raffen, Doch vorher kann ich noch in Einſamkeit

Der ſchweren Bruſt durch Thränen Lindrung ſchaffen.

O bittres Loos, das ich von Jugend auf Ertrug, ein Loos, die Todten zu beneiden! Mit Sorg' und Noth begann ich meinen Lauf, Und unter Noth und Sorge werd ich ſcheiden.

O harte Mutter, was gebarſt du mich? Was warſſt du mich in mitleidsloſem Triebe In dieſe Welt des Stolzes freventlich,

Die kein Erbarmen kennt und keine Liebe?

Doch ach, ſo arm und elend warſt auch du, So einſam und von aller Welt verlaſſen! Wie deine Tochter zogſt du ohne Ruh'

Mit deiner Harfe ſingend durch die Gaſſen.

Da flüſterte ein ſanftes Liebeswort, Du wardſt durchbebt von wunderſüßen Schmerzen, Es zog zur Sünde dich allmächtig fort, Und ich lag unter deinem bangen Herzen.

Und Keiner ſtand dir bei in deiner Pein, Du fandeſt Pfleg' in deinen Nöthen nimmer, Der menſchenleere, dunkle Wald allein, Vernahm dein leiſes, ängſtliches Gewimmer.

Du trugſt mich auf dem Rücken mit umber, Du ſäugteſt mich mit Milch und bittern Zähren; So lieb die Laſt und doch zugleich ſo ſchwer, Zwei Weſen nun von Bettelbrod zu nähren!

Ich wuchs heran, du ſtarbſt, die Harfe blieb Miy als alleinig Erbtheil überlaſſen; Sie iſt mir ſo verhaßt und doch ſo lieb,

ud mit ihr zieh' ich ſingend durch die Gaſſen.

ds t' binein zum glanzgeſchmückten Saal, G ſich in Luſt bewegt die bunte Menge,

Und Wäßrend mir im Buſen zuckt die Qual, Beginn' ich meine heitern Liedesklänge.

Gedichte von Friedrich Ruperti.

Friedrich Ruperti.

wärmen.

Zweite vermehrte Auflage.

Sie werfen mir gleichgültig hin das Geld, Es beben mir in tiefer Scham die Glieder,

Und manches Frauenaug' im Kreiſe fällt

So ſtreng und ſo verachtend auf mich nieder.

Als ſei ich eine ihresgleichen nicht, Als geh' ein Peſthauch aus von meinem Munde, So wenden ſie von mir das Angeſicht, Und einſam ſteh ich in der frohen Runde.

Es blickt auch wohl ein Aug' in frecher Luſt Mich an, und Goldesglanz ſoll mich verlocken, Doch dann erhebt der Stolz auch meine Bruſt, Und ſtumm verneinend ſchüttl' ich meine Locken.

Verſucht nur eure Künſte, wie ihr wollt, Und flüſtert ſüß, es wird euch nicht gelingen; Mich blendet nimmer euer blankes Gold, Ihr fangt mich nicht in eurer Worte Schlingen.

Hab' ich nicht ihn geſehn, o großer Gott, Den Einz'gen, welcher freundlich auf mich ſchaute, Und deſſen blaues Auge, frei von Spott, Bei meinem Leid in ſanfter Rührung thaute?

Ach, er vergaß wohl lange, lange ſchon Die arme Harfnerin und ihre Schmerzen, Doch hör' ich ſtets noch ſeiner Stimme Ton, Und ſeine Züge leben mir im Herzen.

Ich trage durch die Welt mit mir dein Bil Und blicken ſtolz die Menſchen auf mich nied So lächelt es mir zu ſo ſuͤß und mild,

Und Ruh' und Troſt fühl' ich im Buſen wieder.

So ſchwarz und ſchaurig bricht herein die Nacht, Es ſtreicht ſo kalt der Nord die Haid' hernieder! Es iſt mein Tagewerk erſt halb vollbracht,

Noch dürft ihr raſten nicht, ihr müden Glieder!

Der Schiffsjunge.

Es wiegt der Korb am hohen Maſt Mich ſchaukelnd auf und nieder, Und wie der Nachtſturm wild mich faßt, Erzittern mir die Glieder.

Es ziehn die Wolken düſtergrau In ſchaurigem Gewimmel, Durch einen Riß nur glänzt ſo blau, So rein und klar der Himmel.

Da fühl' ich plötzlich leiſen Hauchs Schauer mein Herz durchbeben, Ach, deines treuen, blauen Aug's Denk' ich, mein ſüßes Leben!

Du ruhſt nun wohl und träumſt von mir; Leb' wohl! Mit wildem Grauen Brauſt wieder los der Sturm, und hier Iſt Arbeit an den Tauen.

Bremen, Verlag von A. D. Geisler. 1859.

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