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Literariſche Brieſe
Otto Banck.
Der Kloſterhof. Roman von Otto Müller. Frankfurt a. M., 1859. Meidinger Sohn und Comp.
Wir haben ſchon mehrmals über die hoffnungsvolle Hebung des deutſchen Romans uns unterhalten und dabei ganz beſonders auf den erfreulichen Umſtand hingewieſen, daß man jetzt mehr als ſonſt zu hiſtoriſchen oder biogra⸗ phiſchen Stoffen greift, ſtatt immer das Familienleben in rein erfundenen Compoſitionen mit ſeinen kleinen und gro⸗ ßen Herzensangelegenheiten wiederzuſpiegeln. Während durch dieſes letztere Verfahren der Roman zwar ſcheinbar an Gemüthstiefe, inniger Gefühligkeit und Weichheit ge⸗ winnt, verliert er an Kern der Handlung, an markiger Stofflichkeit und realem Hintergrund der Wirklichkeit.
Walter Scott wußte dies ſehr wohl. Er gehörte zu denjenigen Geiſtern, welche nicht nur den engliſchen, nein, überhaupt den europäiſchen Roman ausbilden halfen, und er bediente ſich größtentheils immer der Anlehnung an hiſtoriſche Vorgänge oder Perſönlichkeiten. Man beachtet ſehr leicht die lange Reihe ſeiner Nachfolger und Jünger zu wenig, und doch zieht ſich dieſelbe über den ganzen Con⸗ tinent, ja ſogar bis nach Amerika hinüber.
Die deutſchen Schriftſteller haben weſentlich von ihm gelernt, auch die begabteſten mitgerechnet, denn es iſt ein ſchwachſinniges Vorurtheil, daß der Genius immer auch in ſo fern ſeibſtſtändig und original ſein müſſe, als er ſich an würdige Vorgänger nicht anlehnen dürfe. Als ob nur das Genie dazu verdammt ſein könnte, die menſchlichen Fehler und Irrthümer ſtets wieder von Adam anzufangen, um darüber ſich aufzuklären. Der Künſtler, und ganz vor⸗ züglich iſt der wahre Dichter ein ſolcher, hat wohl die Aufgabe, die Natur immer nach ihrem Urbilde zu ſchildern und nie aus zweiter Hand zu empfangen; Erfahrungen aber und Anſchauungen kann er von ſeinen Meiſtern bor⸗
Dritte
folge. 767 ſchnittlich das wirkliche menſchliche Leben an Intrigue iſt, und wie es bei alledem doch ſo bunt, ſo maleriſch aus⸗ giebig, ſo poetiſch, ja oft ſo abenteuerlich ſein kann. Es macht und treibt ſich Alles ſo ſtill und ruhig wie ganz von ſelbſt. Aber nur ſelten umgeben uns verborgene Fuß⸗ angeln und intriguante Netze und Vogelfallen, welche die Mitwelt heimlich für uns aufgeſtellt hat. Wir fangen uns ohne dergleichen hübſch allein an den harmloſeſten und unſchuldigſten Leimruthen, welche ganz offen vor unſern ſehenden Augen fingerdick beſchmiert worden. Wir er⸗ blicken den Käfig, finden ihn ſehr gefährlich und könnten ſehr gut aus dem Wege gehn; jedoch ſetzen wir uns beſtens hinein und geben endlich noch, um das Gitter zufallen zu laſſen, dem Vogelſteller ein Zeichen, dem es oft nicht ein⸗ mal darum zu thun, einen ſo gewöhnlichen Sperling zu erwiſchen.
Mit einem Wort, die Abwicklung unſeres Daſeins
mehr epiſch als dramatiſch. Es fehlt faſt ganz an draſtiſchen Pointirtheiten und äußeren Couliſſeneffecten. Um ſo tiefer und nachhaltiger aber ſind die inneren. Man könnte ſie die lyriſchen Spitzen vom Lebensepos nennen. Blicken wir dagegen in die Kunſtwelt, in die der Bühne und in die des Romans, ſo ſehen wir überall als Hebel der Bewegung faſt nichts weiter, als ein Intriguen⸗ ſpiel. Bei einer ſolchen Sucht nach dieſem in der That ſo pikanten als unnatürlichen Artikel kann es allerdings nicht fehlen, daß die meiſten Intriguen fad oder geſucht ſind, denn zur Befriedigung jeder Sucht muß man ſuchen. Viele Dramatiker haben dieſe Manierirtheit empfun⸗ den, und da ſie derſelben ausweichen wollten, ſich aber nicht leugnen läßt, daß die Bühne eine überraſchende Plötzlich⸗ keit der Uebergänge und kammradartiges Ineinander⸗ greifen von Urſach und Wirkung in der Aetion bedarf, ſo⸗ räumten ſie, wie unter andern auch der dichteriſch gewaltige Otto Ludwig, dem Zufall eine Rolle ein. Und doch wird es immer undramatiſch bleiben, den Zufall, dieſen gehar⸗ niſchten Strohmann, der nur dem Publieum ſichtbar iſt,
gen oder ſonſtwie in der Weltſpeculation gewinnen, und getroſt wie Mephiſtopheles ſagen:„Ich nahm es juſt wo ders her!“
Zu denjenigen Schriftſtellern, welchen eine geſchichtliche
undlage wichtig iſt, gehört Otto Müller. Er hat durch ſeine bekannten, vom ganzen deutſchen Publicum gern ge⸗ leſenen Werke bereits mehrfach bewieſen, daß er charakte⸗ riſtiſche Zeitverhältniſſe umſichtig aufzufaſſen und hiſtori⸗ ſche Geſtalten poetiſch zu beleben vermag.—
Wenn auch manchem Leſer von reinſter Geſchmacks⸗ bildung bei Müller’s Lebensbild über einen unſerer größ⸗ ten Lyriker und Sprachbildner, Auguſt Bürger, nicht recht wohl geworden iſt, ſo liegt dies weniger am Autor, der ſich nicht von der Wahrheit entfernen wollte, als an dem Stoff jener herzzerreißenden Tragoödie ſelbſt, deſſen ethi⸗ ſcher und äſthetiſcher Gehalt nicht immer ganz rein iſt und oft das Gefühl tief und nachdrücklich verletzt.
Ungemein frappant und realiſtiſch aber führt jederzeit ſeine handelnden Figuren vor, und ſeine componiren nähert ſich gerade um deswillen ſo ſehr derjeni⸗ gen, mit welcher das Schickſal ſelbſt componirt, weil ſie ſo gering an Intriguengehalt iſt.
Die meiſten Autoren glauben gar nicht, wie arm durch⸗
Müller Art zu
während er für alle Mitſpielende eine Tarnkappe trägt, ſo blindlings agitiren zu ſehn.
Mehr aber als auf den Bretern iſt es im Roman wohl⸗ gethan, in der Compoſition jenes intriguante Unweſen wegzulaſſen.
An dieſer Vereinfachung hat Otto Müller tüchtig mit arbeiten helfen. Er hat die edele Dreiſtigkeit, das irdiſche Leben auf der flachen Ebene des Alltäglichen aufzurollen.
Dieſe Seite iſt es weſentlich, welche mir an ſeinem neuen Roman„der Kloſterhof“ gefallen hat. Es liegt Männlichkeit in dem Muth, gewöhnliche, oft geſehene Ver⸗ hältniſſe und nicht bedeutende Perſönlichkeiten vorzuführen und durch die allmähliche Entfaltung ihrer Neigungen und Charaktere die geſunde Innigkeit des deutſchen Fawilien⸗ lebens als wünſchenswerthen, immer ſeltener werdenden Kernpunkt der Geſammtcultur und Intenſivität des Volkes zu ſchildern und hinzuſtellen.
An einem gewiſſen derben, hausbackenen Humor fehlt ſes dabei nicht, und die einzelnen Staffagen, Motive und Bindeglieder der Handlung ſind voll Lebenskraft und Treue. Der Dichter gibt Genrebilder, die Friſche und geſunde Farben haben.
mit all' ihren epiſodiſchen Zwiſchenfällen iſt in Natura viela
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