Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
738
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Novellen⸗Zeitung.

ALBIII.

Auguſt Silberſtein.

Das geiſterheer.

Um Mitternacht,

Wenn Niemand wacht,

Beginnt ein Rauſchen, Regen und Ringen, Gräber zerberſten, Särge zerſpringen, Und aus der Erde dunkelm Schooß

Da hebet und ringet rieſig groß Barbaroſſa's Heer ſich los!

Ein Geiſterheer,

Mit roſt'ger Wehr,

Mit Moos in Haar und Bart und Brauen; Es dröhnt ſein Tritt, es loht ſein Schauen; Die Kämpen ſind's, die Recht und Fug Erhoben gegen Lug und Trug,

Und die der Kampf erſchlug!

Sie rücken an,

So Mann für Mann,

Es drängen ſich die düſtern Horden Aus Süden, Weſten, Oſten, Norden, Vom Morgenland, von deutſcher Erd', Von Südlands Gau, vom Römerheerd,

Von üb'rall wo Kampf gewährt.

Miz düſterm Sinn

Sougoht's dahin,

Um nach der Wolken hohen Altären

Allnächtlich neu den Schwur zu ſchwören: Wann immer Deutſchland, vom Recht belebt, Zum Schutze der Gauen und Stämme ſich hebt, Und wacker im Kampfe ſtrebt

Wir treten ein

In ſeine Reih'n,

Mit unſichtbaren Geiſterhänden,

So wollen wir die Schlachten wenden, Daß, wer der Heimath Waffen tragt, Und kühn ein wackres Kampfen wagt, So dreifach die Dreifachen ſchlagt!

Am Wolkenfirn

Zuckt auf ein Geſtirn,

Und zeigt mit ſeinem Schein, dem hellen, Die nächt'gen Vaterlandsgeſellen.

Doch wie im Thurm Schlag Eins ſich hebt, Die Stunde dumpf hernieder bebt,

Das Heer zerſtiebt, verſchwebt!

Schill ſches Rampflied. 1809. Wachruf. Allarm, Allarm, Gewehr in Arm,

Den Säbel in die Fauſt Und Sturm, nur Sturm gebrauſt!

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Jetzt gilt es dem Tyrannen,

Jetzt gilt's die Schmach zu bannen, Heran, heran zur Seite,

Was ſtreiten kann, das ſtreite, Befreiung iſt die Beute!

Allarm, Allarm, Gewehr in Arm, Den Säbel in die Fauſt. Und Sturm, nur Sturm gebrauſt! Ihr Männer und ihr Greiſe, Nach echter Streiter Weiſe, Mit Büchs und Schwert den treuen, Mit Pulver und mit Bleien, Das Land, das Land befreien!

Allarm, Allarm,

Gewehr in Arm,

Den Säbel in die Fauſt

Und Sturm, nur Sturm gebrauſt! Nicht zögern mehr und dulden, Der Zahltag iſt für Schulden, Nur Vorwärts, Kameraden, Marſch, marſch den Weg, den graden, Hoch auf die Palliſaden!

Allarm, Allarm,

Gewehr in Arm,

Den Säbel in die Fauſt

Und Sturm, nur Sturm gebrauſt! Ha, endlich wird's entſchieden, Kein Wörtlein mehr vom Frieden, Genug iſt's nun des Herben, Zu End' mit Friedenswerben, Nur ſiegen oder ſterben!

Allarm, Allarm,

Gewehr in Arm,

Den Säbel in die Fauſt

Und Sturm, nur Sturm gebrauſt! Die Fahne weithin wallet, Das Kriegsgeſchrei erſchallet, Nur nach, nur nach zum Kriegen, Nur nach, nur nach zum Siegen, Deutſchland wird nicht erliegen!

Allarm, Allarm,

Gewehr in Arm,

Den Säbel in die Fauſt

Und Sturm, nur Sturm gebrauſt! Schon donnern die Kanonen, Schon fliegen die Schwadronen Ha, hört ihr Siegsgeſchreie? So herrlich erſteht aufs Neue Das deutſche Land, das freie!

Trutz Nachtigal. Lieder aus deutſchem Walde von Auguſt Silberſtein. Zweite Auflage, Leipzig, Hermann Fries. 1859.

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