Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
704
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des zum heutigen? Was hatte der Adel für ſeltſame Pri⸗ vilegien? Wie reiſte man und wie beförderte man Briefe in Deutſchland?

Auf alle ſolche Fragen weiß das große Publicum, ich meine das gebildete große Publicum, nur ſehr dürftige Antworten. Und dennoch muß man wieder fragen: welcher lebendige Geiſt würde ſich für ſolche Dinge nicht mehr oder minder intereſſiren?

Deshalb muß man es allen wackeren Forſchern und

Gelehrten Dank wiſſen, zur Bereicherung dieſer Allgemcin-

Intelligenz Weſentliches beigetragen zu haben, und ich erin⸗ nere nur an Guſtav Klemm's treffliches Sammelwerk über die Culturgeſchichte der ganzen Erde.

Ich zweifle nicht, daß es in den künftigen Decennien zahlre che illuſtrirte Schriften geben wird, welche uns in

einzeln i Abſchnitten eine Detailkenntniß über die hervor⸗

ragendſten Völker und Zeiten darbieten werden.

Was uns Riehl im vorſtehenden Werke:Culturſtudien aus drei Jahrhunderten gegeben hat, iſt weniger materiell ſammelnden, als reflectirenden und raiſonnirenden Gehaltes.

Die vorzügliche kritiſche und aufräumende Geiſtes⸗ ſchärfe und vikante Darſtellungsgabe Riehl's iſt bereits aus ſeinen andern Schriften bekannt und zur allgemeinſten Anerkennung gelangt. Er iſt ein kenntnißreicher, nach Gründlichkeit trachtender, pointirter Kopf, dem Witz, tref⸗ fende Vergleiche und Friſche der Schilderung zu Gebote ſtehn. Ein eiſerner, bewundernswerther Fleiß hat ſeit langen Jahren ſeine Studien unterſtützt und die Reſultate verdsppelt; dies Letztere iſt beachtenswerth und charakteri⸗ ſirt ihn als raſtloſen Arbeiter im Weinberge der Intelligenz.

Was erin dieſem ziemlich ſtarken Werke gibt, gehört mit Recht den Ihterſununaen verſchiedenſter Art aus dem

ſiebzehnten, achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert an

und iſt, in ſeinen einzelnen Theilen ſelbſtſtändig und ſich 1 Afin 3 g

mehr nur zufällig ergänzend, leicht und gefällig an ein-

ander gereiht. Cswird ſowohl die Gelehrten verſchiedener Fächer durch Specialitäten und beachtenswerthe Lichtpunkte als die gebildeten Laien feſſeln, denn Riehl iſt fern davon, trocken und einſeitig gelehrt zu ſchreiben.

Beſonders iſt es die hiſtoriſche und äſthetiſche Betrach⸗

Novellen⸗Zeitung.

tung der Muſik, in welcher dieſer Autor Weſentliches ge⸗ leiſtet hat, und ſo nimmt denn auch eine Betrachtung mu⸗ ſikaliſcher Zuſtände und Verhältniſſe, wie ſie in den ge⸗ nannten drei Jahrhunderten ſtattfanden, eine hervor⸗ ragende Stelle in ſeinem Buche ein. Wir werden unſern Leſern daraus einen zuſammengezogenen Abſchnitt mitthei⸗ len, da das Werk einestheils Manchen zu umfangreich ſein könnte, Manchem aber auch vielleicht ſeinem Titel zufolge zu gelehrt erſcheinen könnte, ein Vorurtheil, welches durch eine Probe am beſten widerlegt wird. Was der Autor überdas muſikaliſche Ohr ſagt, iſt größtentheils etwas noch Ungeſagtes und von größter Wichtigkeit für alle Mu⸗ ſiker und Muſikfreunde, um ſich über charakteriſtiſche Ge⸗ ſammtheiten klar zu werden.

Auch über die ſo ſehr verſchiedene Auffaſſung der Landſchaft und Landſchaftsmalerei in gegenwärtiger und vergangener Zeit bringt Riehl intereſſante Blicke, ſo wie über alte Malerbücher, über Kampf des Rococo mit dem V Zopf und über Geldpreiſe und Sitte in Bezug auf Nord⸗ und Süddeutſchland.

Den Schluß des Werkes bilden Briefe über muſika⸗

liſche Erziehung. Der Verfaſſer hat dieſelben an einen Staatsmann gerichtet und ſchon dadurch einen Accent dar⸗ auf gelegt, daß man die richtige Geſchmacksbildung als eine Bildung der Sitte und Sittlichkeit überhaupt zu einem Gegenſtand der öffentlichen Verwaltung oder wenig⸗ ſtens Leitung machen ſollte. Die alten Griechen waren uns in dieſer Beziehung um ein halbes Jahrtauſend voraus, denn ſie betrachteten die ganze Erziehung der Jugend als eine öffentliche Angelegenheit, die es zwar noch immer iſt, aber den modernen Völkern ging der ethiſch⸗äſthetiſche Be⸗ griff verloren, den die Alten mit dem WorteMuſik im Allgemeinen bezeichneten. Der Geſchmack war ihnen Aus fluß der Geſammtbildung und Sittlichkeit. Das Werk ſei ſchließlich allen gebildeten Leſern beſtens empfohlen, und möge es zugleich eine paſſende Anregung für andere nicht bloß mit Kenntniſſen, ſondern auch mit dem, was höher und ſeltner daſteht, mit Geiſt ausgerüſtete Gelehrte werden, um das Feld der Culturgeſchichte nach allen Seiten hin fruchtbar zu bebauen.

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