nich, das getreue Werkzeug ſeiner Gedanken, vollſtändig
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Militärs, mit Ausnahme der Preußen, bemerkte, gab ſich in geringerm Grade bei den Staatsmännern der Coalition kund, trat aber ganz entſchieden bei einem derſelben zu Tage, nämlich bei Herrn von Metternich. Dieſer mit äußerſt klarem Blicke begabte Miniſter, der im Jahre 1813 eine ſeltene Vereinigung von Gewandtheit und Offenheit, von Entſchloſſenheit und Vorſicht gezeigt hatte, empfand einen Widerwillen, das Glück Oeſterreichs neuen Gefahren auszuſetzen, und war in dieſer wie in vielen andern Be⸗ ziehungen vollkommen im Einklange mit ſeinem Gebieter. Herr von Metternich und der Kaiſer Franz hatten ſich zum Kriege entſchloſſen, weil ihn Deutſchland mit lautem Ge⸗ ſchrei von ihnen verlangte, weil die Gelegenheit, die Situation Oeſterreichs wiederherzuſtellen und die Unab⸗ hängigkeit Deutſchlands zu retten, zu ſchön war, um ſie nicht zu ergreifen; aber nach Erreichung dieſes Zieles waren ſie nicht gewillt, ſich behufs einer Wiedereroberung der ganzen ehemaligen Größe Oeſterreichs der Gefahr auszu⸗ ſetzen, das bereits Wiedererlangte zu verlieren, und eben⸗ ſowenig der Gefahr, das ruſſiſche Uebergewicht in Europa, das preußiſche Uebergewicht in Deutſchland und das eng⸗ liſche Uebergewicht zur See über alle Maßen zu ſteigern. Verſichert, das Großherzogthum Warſchau nicht mehr an ſeinen nördlichen Grenzen zu haben, Alles zurückzunehmen, was man ihm zur Bildung dieſes Herzogthums in Polen geraubt hatte, die Inngrenze, Tyrol, Illyrien und irgend einen Theil Friauls wiederzugewinnen, auch den Rhein⸗ bund nicht mehr dulden zu müſſen, mußte ſich Oeſterreich für befriedigt halten und fühlte ſich in der That befriedigt. Der Kaiſer Franz, ſtandhaft im Mißgeſchick, gemäßigt im Glück, war ſtark dieſer Anſicht, die auch Herr von Metter⸗
theilte. Uebrigens fiel die Ehe Marie Louiſens, die einzig im Intereſſe des Kaiſerthums geſchloſſen worden war, neben jenen trefflichen Gründen wenig ins Gewicht. Wenn man aber den Rhein überſchritt, ſo erhob ſich plötzlich eine
Novellen⸗Zeitung.
[V. Jahrg.
Frage, die noch dem Geiſte Keines vorgeſchwebt hatte, den Geiſt einiger untröſtlichen Greiſe ausgenommen, deren Kummer ſich ſeit kurzem in lebhafte Hoffnung verwandelt hatte, nämlich die Frage der Entthronung Napoleon's
ſelbſt. Seiner unerträglichen Herrſchaft Widerſtand zu leiſten, womöglich ſeinen ausſchweifenden Ehrgeiz in
Schranken zu halten, dies war der nächſte Wunſch aller ſeiner Feinde geweſen; aber ihn vom Throne Frankreichs zu ſtürzen, war noch Niemand in den Sinn gekommen. Wenn man indeß einen Mann beſiegte, deſſen Rechte ins⸗ geſammt nur auf dem Siege beruhten, wenn man nach ſeiner Beſiegung in Rußland, in Polen und Deutſchland auch den Verſuch machte, ihn in Frankreich ſelbſt zu be⸗ ſiegen, und wenn dieſer Verſuch gelang, ſo konnte dies wohl auf den Gedanken führen, auch ſeine Perſon anzugreifen und ihm mit dem Degen eine mittels des Degens erworbene Krone zu nehmen. Dieſer bloße Gedanke erfüllte die Preußen mit Freude und bewegte das ſo friedliche und ge⸗ mäßigte Herz Friedrich Wilhelm's. Was Alexander an⸗ langt, der von Napoleon perſönlich gedemüthigt worden war, ſo hatte dieſer zwar nicht eine ſo glänzende Rache ge⸗ träumt; da die Umſtände ſie ihm jedoch darboten, ſträubte er ſich keineswegs dagegen und wünſchte gar nichts Beſſeres, als ſie vollſtändig zu genießen. Angenommen indeß, man erreichte das Ziel, was ſollte man dann mit dem erledigten Throne Frankreichs machen? Die Preußen kümmerten ſich darum wenig, wenn es ihnen nur gelungen war, denjenigen vom Gipfel der Größe zu ſtürzen, der ſie ſo oft unter die Füße getreten hatte, und Alexander fragte ebenfalls wenig danach, denn auch ihm genügte es, ſich für die Gering⸗ ſchätzung des übermüthigen Eroberers gerächt zu ſehen. Aber der Haß verblendete weder den Kaiſer Franz noch ſeinen Miniſter; Beide ließen ſich bloß vom Intereſſe Oeſterreichs leiten und ſie fragten ſich, was man nach Ueberſchreitung des Rheines drüben machen werde.
Vergnügen der Jugend mehr und mehr abgewöhnt, ja verleidet worden. Auch in Vorarlberg und im Bregenzer Wald eifern viele aus Tyrol dorthin verſetzte Geiſtliche gegen das Tanzen, und bald wird den armen Landleuten und Gebirgsbewohnern, die von ſo vielem Ernſte und Druck des Lebens geplagt ſind, nur noch das Trinken als Erſatz einer materiellen Anregung und Fröhlichkeit bleiben. Es iſt gerade, als ob man die Arbeitsthiere vor dem Regen ſchirmen will und ziebt ſie unter die Dachtraufe. Aber nicht nur das Tanzen, auch das noch viel harmloſere Singen, auch das Volkslied, wird durch eine gleiche Beeiferung unterdrückt, und bald werden wir in gewiſſen Gegenden durch dieſen Druck die
nationale Poeſie nur noch gedruckt haben, ſtatt daß ſie ſich heiter
und zwanglos von Mund zu Mund überliefern ſollte.„Böſe Menſchen haben keine Lieder.“ Es iſt nicht zu bezweifeln, daß die Regierung die Unzweckmäßigkeit ſolcher Beſtrebungen einſieht, doch Bigoterie und Fanatismus ſchlagen oft hinten aus gegen den Verſtand des Gouvernements.
Es würde ſehr willkommen ſein, wenn ein Büchelchen, wie das vorliegende, zu einer Anregung diente, um über den hiſto⸗ riſchen Verlauf des europäiſchen Tanzes überhaupt ein illuſtri⸗ rendes Werk zu ſchreiben, und zwar mit Hinzufügung von⸗ Abbildungen der verſchiedenen Tänze und Nationalcoſtume, natür⸗ lich mit Ausſchluß des Ballettanzes, der eine gekünſtelte barocke und geſchmackloſe Treibhauspflanze geworden iſt, in den mallen
O.
Fällen ohne Sinn und Menſchenverſtand. Nimm mich mit auf deinem Lebensweg. Von Th. Mito. Naumburg und Leipzig, Garcke 1859.
Der Verfaſſer nennt ſeine Broſchüre„eine Feſtgabe für!
Jungfrauen in Worten der Liebe und Vorbilder edler Frauen.“ Auch im Text ſelbſt iſt er mit der deutſchen Sprache nicht/ immer ſehr peinlich, was wir in derartigen Unternehmungen, die auf Belehrung ausgehn, beklagen müſſen. Ueberhaupt ſcheint uns das gutgemeinte und durchaus moraliſche Büchelchen ſeinem Zwecke nicht recht zu entſprechen, indem es nämlich, wie Inhalt und Ein⸗ leitung verkünden, für die herangewachſene Jugend beſtimmt iſt; für dieſe aber möchten die angeführten hiſtoriſchen Beiſpiele tugendhafter Weiblichkeit viel zu kurz und dürftig erzählt ſein, denn wenn man der Jugend Achtung vor der Handlungsweiſe braver Menſchen einflößen will, ſo iſt es nöthig, ihr Verhalten ziemlich ausführlich zu ſchildern. Fragmentariſche Andeutungen mit ſummariſchem Endurtheil genügen nur, wo man Kenntniß des Details vorausſetzen kann. Die Jugend iſt kein Freund von Skizzen, zumal wenn man dieſen die didaktiſche Abſichtlichkeit in trockener Syſtematik anmerkt.— Uebrigens iſt die Auswahl der geſchichtlichen Perſönlichkeiten ſehr günſtig getroffen. O. B.
Miscellen. Worte für Welt und Haus. Nur ein Menſch mit einem verdorbenen Magen ſpeiſt mit Grazie, einer mit geſundem ißt mit Hunger. Das größte Genie wird am wenigſten routinirt. Ihm iſt, als finge es bei jeder neuen Aufgabe in der Kunſt von vorn an. Nur mittelmäßige Talente werden die echten Routiniers. 5.
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