Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
658
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Briefe von Heinrich Stieglitz an ſeine Braut.

Novellen⸗Zeitung.

ALBIIIM. Heinrich Stieglit.

gefundene Heimath.

Mich ruft es oft von hinnen

Ins unbekannte Land,

Mich locken ferne Meere,

Mir winkt manch grüner Strand.

Der heiße Durſt nach Thaten Vermehrt des Herzens Drang, Hell ſchmettern die Drommeten, Laut tönt der Schlachtgeſang.

Wie dann ſich nach dem Herzen Das Blut zuſammendrängt! Die Kette möcht' ich ſprengen, Die meinen Lauf beengt.

Doch blick' ich nun der Holden Ins milde Angeſicht,

Da ſtillt ſich all mein Sehnen, Mag von der Stelle nicht.

Aus der Ferne.

Trennte dich auch weite Ferne, Dennoch, Theure, wärſt du da; So ſind uns des Himmels Sterne Ewig fern, doch ewig nah.

Jede Blume, jede Blüthe Zaubert mir dein Bild hervor; Deine Anmuth, deine Güte Singt der Nachtigallen Chor.

Strahlt mit höherm Glanz die Sonne, Denk ich deiner Augen Schein;

Weckt das Frübroth neue Wonne, Deine Seel' iſt's, klar und rein.

Doch was ſind der Sänger Töne, Was der Blumen bunte Zier, Was des Frühlings ganze Schöne Gegen einen Blick von dir?

An Charlotte.

Iſt es Frühling, iſt es Sommer,

Iſt es Herbſt? wir fragen's nicht; Iſt es doch ein ew'ger Frübling, Den uns Liebestreu' verſpricht!

Ja, wir haben uns empfunden, Ja, wir haben uns erkannt! Und was Liebe treu verbunden, Iſt ſich ewig anverwandt.

Leipzig, F.

V

Darum mögen Stunden rollen, Mögen Jahre wechſelnd fliehn, Dir, du Einzige, ergeben,

Wird mir ew'ge Jugend blühn.

Und im Lieben und im Leben,

Und im Wollen und im Thun Werd' ich ſtets nach treuem Wirken Dir am treuen Buſen ruhn.

Werdin Liebe dich umfangend Eine Welt die meine nennen, Und in deiner Seele Tiefen Ein unendlich Glück erkennen.

Und was ich in meinem Geiſte Je geahnet, je gedacht,

Wird an deiner holden Seite Feſt mit ſtiller Kraft vollbracht.

Die Welt des Liebenden.

Wenn des Tags verworr'ne Stimmen ſchweigen

Und ich wandle ſtill beglückt allein, Wo die Weiden über'n Bach ſich neigen, Fühl' ich mich ſo reich, ſo voll und dein.

O! auch ſie wohl fühlet ſich die Meine!

[V. Jahrg.

Flüſtert's dann mir aus den Blüthenzweigen,

Und mich grüßt dein Bild, du einzig Eine.

Und ich denke ſchon der ſchönen Zeiten, Wo vereint durchs freundlich ſtille Thal

Wir am grünen Rand des Baches ſchreiten,

Und mir blühen Freuden ohne Zahl.

Aber wenn beim ſtillen Lampenſcheine Ich dir in das treue Auge blicke,

Was fehlt dann zu deines Jünglings Glücke?

Das Hüttchen.

Dort in der blauen Ferne

So ſtill das Hüttchen ſteht, Dort weil ich gar ſo gerne, Vom Morgenhauch umweht.

Wo die Akazie nickend

Die Laube überdacht,

Und Frühlingsliebe blickend Der Kelch der Roſe lacht, D

Dort immerdar zu weilen In ihrer Augen Schein, Würd' alle Schmerzen heilen Und alle Sehnſuchtspein.

In einer Auswahl aus dem Nachlaſſe des Dichters herausgegeben von Louis Curtze.

A. Brockhaus. 1859.

*

Erſter Theil.

. Nr.

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