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Der Stüdent von Wifltenberg.
Von Jakob Corvinus“).
Sin ſwebendez herze daz verſwank; Sin ſwimmende fröude ertrank;
Vor dem Fenſter der Studirſtube des Schulrectors und Scholarchen, Herrn Georg Rollenhagen, in der alten, be⸗ rühmten Stadt Magdeburg war der Frühling erſchienen, ſchöner und blüthenvoller als ihn das deutſche Land ſeit langer Zeit geſchaut hatte. Grüne Zweige ſchlugen an
ie Scheiben, Vögel ſangen in den Bäumen, ſchmeichelnd lockend, als wollten und müßten ſie Jemanden hinaus⸗ rufen in die luſtige, grünende, blühende Welt. Und doch war es gar ſtill und ruhig in dem kühlen, finſtern Rector⸗ hauſe. Nichts rührte ſich drinnen; kein Fußtritt, hein Stimme, kein Laut gab Kunde von dem Leben der Bewoh⸗ ner. Freilich, die Frau Rectorin Magdalena waͤr ab⸗ weſend und ſaß im Pfarrhauſe zu Oſterburg am Kindbett ihrer Stieftochter Dorothea, die, wie Jedermann weiß, den ehrwürdigen, achtbaren und wohlgelahrten Herrn Chri⸗
ſtophorum Straus, den Pfarrherrn, geehlicht hatte; weder
die Stimme der Frau Rectorin, noch das Klirren ihres Schlüſſelbundes, noch das Klappern ihrer Pantoffeln konnte alſo die Stille unterbrechen. Der Rector ſelbſt aber war mit den Söhnen und einer erleſenen Schülerſchaar ſchon hinausgezogen in den grünen Wald, auf des Frühlings Gebot, zur Käfer⸗ und Pflanzenjagd. Magd und Knecht hatten ebenfalls das Weite geſucht; wen oder was alſo wollten die blühenden Zweige, der Sonnenſchein, die Vög⸗ lein herauslocken aus dem alten, dunkeln Schulhauſe?..
Da lag ſchon wochenlang auf dem Schreibtiſche des Rectors Rollenhagen ein Bündel Papiere mit der Inſchrift darauf:
„An Meiſter Andreas Gehn, Buchdrucker allhier zu Magdeburg.“
*) Mit Erlaubniß der Verlagshandlung theilen wir aus des Verfaſſers letzt erſchienenem Werke„Halb Mähr, halb mehr“ obige Erzählung mit, indem dieſelbe gewiſſermaßen zur Ergän⸗ zung der in Nr. 26. der Novellen⸗Zeitung von Albert Traeger gelieferten ausführlichen literariſchen Beſprechung dient. Außer dieſer Erzählung enthält das Bändchen noch folgende mehr oder minder ausgeführte Skizzen⸗oder Bilder:„Der Weg zum Lachen“, „Weihnachksgeiſter“,„Lorenz Scheibenhart“,„Einer aus der Menge“, ſo wie zwei Gedichte:„Buch zu!“ und„Wunſch und Vorſatz“. D. Red.
Dritte folge.
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Das war das Manuſcript des Froſchmeuſeler, welches der alte Gelehrte am 21. März 1595,—„als am S. Benedictitag dies Jahr unſer Fröſch ihr erſtes Benedicamus anfingen“— beendet hatte, und welches hier auf den Druck wartete. Das war es, was der Frühling hinausrief in die Welt, allen fröhlichen Geſellen und from⸗ men Jungfrauen zu Luſt, Nutz und Ergötzen!.
Der Fink wiegte ſich auf ſchwankem Zweige nach dem Tacte ſeines wechſelvollen Geſanges; der Kuckuk aber, der ſubjectivſtenaller Vögel, vagabondirte im Holz umher und ließ bald lur bald da, bald nah bald fern, ſeine Stimme erſchallen, und gab einem jungen Mann und Dichter, welcher mit einem Büchlein voll weißen Papiers und einem Kreideſtift im Waldſchatten lag, ein gar böſes, böſes Bei⸗ ſpiel: denn Kuckuck, Kuckuk! kann wohl Jeder rufen; wäh⸗ rend der luſtig⸗wehmüthige Finkenſchlag wahrlich nicht ſo leicht nachzuahmen iſt! Nun, wir ſind im Jahr Eintauſend fünfhundert und fünf und neunzig nach der Geburt unſers Herrn Jeſus Chriſtus; da wußten die Leute noch, was ſie wollten, und ruhig können wir Herrn Jonas Rollenhagen, einen wackern Studenten der Medicin, ſeinen poetiſchen Feriengedanken überlaſſen. Lag doch der Dichtertrieb in der Familie, und gab es doch in der alten vortrefflichen Stadt Magdeburg eine gewiſſe Gaſſe, und in dieſer ein gewiſſes Fenſter, aus welchem zwei glänzende Augen gar verſchämt vorlugten hinter den Gelbveigelein, Baſilien und Roſen, jedesmal wenn Herr Jonas, pochenden Herzens, in ſeinem zierlichen Studentenkleid vorbeiſchritt.
Eia, reime, Jonas Rollenhagen, einſam im grünen Wald; ſchlage die Cither nächtlich vor ihrer Thür, ſammle die Geſellen zu einem wohlgeſetzten Ständchen, im Mon⸗ denſchein, ihr zu Ehren: die Liebe iſt ſchön im deutſchen,
treuen Vaterland; ſchöner als ſonſt auf Erden; was ſie
auch ſagen mögen vom luſtigen Frankreich, vom berühmten Italien, vom ſtolzen Hiſpanien!
Eine anmuthige Stelle hatte ſich der junge Student auserwählt unter den letzten Bäumen des Gehölzes, an welchem die große Heerſtraße nach der Stadt Magdeburg, deren Thürme in der Ferne ragten, vorbeiführte. Die fruchtbare, hie und da mit Gebüſch bewachſene, mit grünen Wieſen und Kornfeldern bedeckte Ebene flimmerte und ſchimmerte in der Frühlings⸗Nachmittagsſonne. Da und dort blitzte es auf wie geſchmolzenes Silber, das war der Spiegel der Elbe, auf welcher weiße Segel hinauf und hinab zogen. Die Sonne ſchien durch das junge Grün der Zweige, und das Volk der Waldſänger, Diſtelfink und Grasmück, Baumheckel und Baumkletterlein, Rothbrüſtlein und Zaunſchlüpferlein, Schwäderlein und Greinerlein be⸗ gann bereits wieder ſeinen Lobgeſang, welcher während der


