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Der Stunden gottesgruß.
Die Zeit, die große Herrſcherin auf Erden, Die mächtige, uralte Zauberin, War einſt gar müd' und matt von den Beſchwerden, Die ſie mit immer gleichem Mutterſinn Und gleicher Treue, ohne Rub'n und Raſten, Für all die Menſchen auf ſich nimmt und trägt, Die oft ſo achtlos und ſo leicht verpraßten, Was ſorglich ſie in ihren Schooß gelegt, Für die ſie gut zu machen und zu heilen, Stets nah zu ſein mit milder Liebesthat, Zu ſchützen, zu verſorgen, mitzutheilen Und beizuſtehen ſtrebt mit weiſem Rath! Sie weiß der Menſchen Thorheit auszugleichen, Weiß leicht zu machen auch den ſchwerſten Druck, Weiß jeder Wunde Balſam darzureichen, Und ſchafft aus Lebenslaſten Lebensſchmuck! Sie zeigt dem Menſchen, ſtill von dem zu laſſen, Was ihm einſt gab des Schickſals holde Gunſt, Sie mildert allen Zorn und alles Haſſen, Und lehret des Vergebens ſchwere Kunſt! Sie läßt auf Gräbern Gras und Blumen blühen, Stillt Klagen, trocknet Thränen, lindert Schmerz, Läßt wilder Leidenſchaften Brand verglüben, Und gießt der Ruhe mildes Licht ins Herz! Nimmt der Verzweiflung raſenden Megären Die Macht, die rings umher Verderben ſtreut, Gibt für die Zukunft weiſe, gold'ne Lehren, Und macht aus Gegenwart Vergangenheit! Erſcheint oft neu und jung, und iſt doch immer Die alte liebe Freundin, die ſo gern Vom Leben ſtreifen will den falſchen Schimmer, Um an das Licht zu zieh'n den echten Kern. Oft freilich muß der Menſch auch ihre Schwere Empfinden, doch wohl dem, der ſie verſteht, Wohl dem, dem ihre ew'ge Macht und Ehre Und ihr geheiligt Recht zu Herzen geht, Der von ihr lernt, der ihre Zeichen deutet, Der ihr Gebot mit ſtiller Ehrfurcht hört, Deß' Seele glüht und deſſen Herz ſich weitet, 1 Wenn gläubig er zu ihrer Fahne ſchwört! Der nicht mit blindem, unbedachtem Stürmen, Mit heißem, regelloſem Ungeſtüm 3 Hineinſtürzt in ihr wildes Wogenthürmen, Gedankenlos und blind vertrauend ihm; Doch der mit ernſter, andachtsvoller Stille, Mit weiſer, ruhiger Beſonnenheit, Mit Herzensgluth und mark'ger Geiſtesfülle Ihr ſeines Denkens Kraft und Stütze leiht. Denn nicht ein Herrſcher will die Zeit ja werden, Dem ſich der Menſchen Nacken blindlings beugt, Nicht ein Tyrann, vor deſſen Wuthgebehrden Vernunft und Ueberlegung machtlos ſchweigt, Nein, doch ein Genius, deſſen leiſes Schreiten, Deß' Flügelſchlag und deſſen milder Gruß Dem, der's vermag, zu ſchauen und zu deuten, Das Herz berührt gleich wie ein Himmelskuß! Ein Genius, den Gruft und Moder ſchrecket, Der Winterſchnee und Winterfroſt verſchmäht, Der Frühlingsblüthen rings umher erwecket Und uns mit Frühlingsahnungen umweht!
Der Stunden Gottesgruß. Eine Apotheoſe des Lebens. Den deutſchen Müttern geweiht von Franziska Gräfin Schwerin. Leipzig, Veit& Comp. 1859.
Franziska Gräſin Schmerin.
Der zu der Sonne ſeine Blicke lenket, Der nicht nur vorwärts, nein, auch aufwärts ſtrebt, Der leiſe flüſtert:„Menſchenkinder, denket!! „Denn wer gedacht, nur der hat auch gelebt!! „Erkennet mich! ich bin aus Gott geboren, „Ich bin durch Gott geheiligt und geweiht, „Für den, der ſeines Geiſtes Aug' und Ohren „Dem ernſten Walten meines Willens leiht! „Der ſich mir anſchließt, mir mit heil'ger Freude „Die Kraft des Kopfs, des Arms, des Herzens gibt, „Weil er auch unter meinem ſchlichten Kleide „Den ewegen Göttergeiſt erkennt und liebt!“ So ſpricht die Zeit und wirket ruhig weiter, Indeß der ſchwer ſie nennt und Jener leicht, Der als zu ernſt ſie ſchmäht, der als zu heiter, Der ſeufzet, weil ſie fliegt, der, weil ſie ſchleicht. Sie lächelt ſtill und ſendet ihre Boten, Die Stunden, ſorglich hin in alle Welt, Zu den Lebendigen und zu den Todten, Damit ſie thun, wozu ſie Gott beſtellt! Damit ſie ſchauen auf der Menſchen Treiben, Auf ihre Schwäche und auf ihre Kraft, Auf ihres Haſſes Schwinden oder Bleiben, Auf ihrer Liebe heil'gen Lebensſaft!* Auf ihres Fleißes, ihrer Trägheit Spuren, In dem, was ſie gewollt, gethan, gedacht, In dem, was einmal ſie zu Gottnaturen, Und einmal ſie zu Staubgebornen macht! Damit ſie ſchau'n, ob ſchlaff ſie oder tüchtig, Ob's treu ihr Herz mit Recht und Wahrheit meint, Und ob das Leben ihnen groß und wichtig, Und eines freud'gen Kampfes werth erſcheint! Ach, oder ob ſie müd' ſchon im Beginnen, Satt auf der Höhe, ſchlaff am Ziele ſind, Ob ihnen bleiern ſchwer die Tage rinnen, Für deren hohen Reiz ſie taub und blind! Das hat die Zeit den Stunden aufgetragen, Und wenn ſie einen Jahreslauf vollbracht, Dann müſſen ſie erzählen ihr und ſagen, Ob einen Fortſchritt wohl der Menſch gemacht. Und was ſie dann in dem Geſammtberichte Als wichtig und bedeutungsvoll erkannt, Zeigt ſie dem ernſten Genius— Geſchichte— Der es mit ſtarker, eiſenfeſter Hand. Dem großen Buch des Lebens einverleibet, 4 7 Deß' Tafeln er der fernſten Zukunft weih't, Weil jedes Zeichen, das ſein Griffel ſchreibet, Noch nach Jahrhunderten ſo ſteht, wie heu Zwar will ein kleiner Kobold ihn verführen, Wie auch die Menſchen er verſucht und lockt, Will liſtig in die Feder ihm dictiren— — Wenn lachend auf der Schulter er ihm hockt— Viel leichten Tand, viel ſeichtes, falſches Weſen, Das des Beſteh'ns und Bleibens nimmer werth, Damit die Nachwelt ſehen mag und leſen, Was Kobold„Zeitgeiſt“ ſchenket und beſcheert. Doch die Geſchichte läßt ſich nicht beſtechen, Ob Menſchenwitz auch Kleines„herrlich“ tauft, Und furchtbar wird ſie einſt an dem es rächen, Der blindlings dieſem Dämon ſich verkauft!
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