Jahrgang 
28-52 (1859)
Seite
575
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Dritte

Literariſche Briefe

von

Otto Banck.

Friedrich der Erſte und die Quitzow's. Hiſto⸗ iiſche Bilder von Adolph Streckfuß. Berlin, Sprin⸗ ger. 1859.

Sie ſind ein ſo warmer Freund der ausführlich erzäh⸗ ſenden und biographiſchen Specialgeſchichten, daß ich Ihre Theilnahme für das oben angeführte Werk ſehr wohl be⸗

gründet finde, ſo wie denn auch das ganze gebildete Publi⸗

zum Deutſchlands ſich über ſolche Aufhellungen der Ge⸗ ſchichte erfreuen wird.

Die Anfänge eines Volkslebens und eines Staates und die höchſte Entwickelung deſſelben, dieſe beiden Punkte ſind es ſtets, welche den Betrachtenden dereinſt am weiſten intereſſiren. Ueber die Glanzperiode Preußens werden natürlich erſt künftige Jahrhunderte die Acten ge⸗ ſchloſſen finden; die erſte Entwickelung aber bietet ſich dem Auge in dieſem Buche populär und lehrreich unterhaltend genug dar.

Es gab eine Zeit in unſerer Literatur, wo die Ritter⸗ geſchichten und muthigen Kämpfe ſolcher Herren von Eulenhorſt,Unkenſtein oderHundeluft bei Zerbſt nicht bloß die deutſchen Putzmachermamſells überſchwemm⸗ ten und intereſſirten, ſondern wo beinahe die geſammte baterländiſche Leſewelt durch ſolche Lectüre gefeſſelt wurde, da ſich in ihr das Stofflich⸗romantiſche, Hautſchaudernde mit einer Glorification der rohen, männlichen Kraft und verwegenen Tapferkeit verband. Ich meine nicht bloß jene abenteuerlichen materiellen Erzähler, welche ihre Bücher ſchmackhaft zu machen ſuchten durch einen Titel, wie etwa folgender:Mönch, Nonne und Wildſchütz oder:Kampf und Brautnacht in der Sakriſtei, erzählt von einem bei⸗ geſetzten Scheintodten als Augenzeugen; nein, ganz ta⸗ lentvolle Schriftſteller hatten ſich oft unbewußt die Auf⸗ gabe geſtellt, das Mittelalter und ſein Fauſtrecht auf Koſten

unſerer Tage und ihrer ſegensreichen Ordnung zu verherr⸗

ſichen, indem ſie dieſelbe mit ihren vielen Geſetzen und Formalitäten philiſtrös fanden und darin einen Schutz der kleinlichen Schwäche ſahen, während ſie im Mittelalter das Regiment der Tyrannei ihren Helden zu Lieb ver⸗ tuſchten und enthuſiaſtiſch aufathmeten bei dem Hochgefühl,

Folge.

nitz mit ſeinen beiden Lieblingsknechten, demrothen Knochenhauer Balthaſar und Jobſtdem Bauerwürger, hervorgeritten, hätten ſie ausgeraubt, hohnlachend gemiß⸗ handelt und ſchließlich ſo lange in einen Rattenkeller auf SchloßTrotzenburg geworfen, bis ihr Herr Verleger das Löſegeld geſandt!

Dieſe Literaturepoche liegt weit hinter uns zurück, und man hat eingeſehen, daß viele dieſer ſtarken, ſchloßgeſeſſe⸗ nen Leutchen des Mittelalters gegenwärtig, um ſich durch⸗ zuſchlagen, entweder etwas lernen oder für die Kraft ihrer Muskeln eine Anſtellung als Markthelfer auf den Pack⸗ höfen ſuchen müßten, wofern nicht noch aus alten Zeiten her eroberte Länder oder Raubgüter zu Capital und Zins geſchlagen werden könnten.

In der nächſtfolgenden Zeit, die jetzt wieder um beinahe ein Jahrzehnt vorüber iſt, wandte man ſich ganz vom Mittelalter und von aller Romantik ab und huldigte nur dem Modernen, dem Spiegelbilde der Gegenwart, den Lei⸗ den und Freuden des bürgerlichen Lebens. Selbſt was der Hiſtorie entnommen wurde, lag ſelten über das ſieb⸗ zehnte Jahrhundert hinaus, am liebſten recht nahe bei uns. Dieſes Streben, den vollen gegenwärtigen Pulsſchlag und Lebensathem mitten auf dem Markte des Daſeins darzuſtel⸗ len, wird immer die höchſte Aufgabe der Literatur bleiben, und iſt es auch heute noch. Wenn die Poeten und Auto⸗ ren eine Schilderung ihrer eigenen Tage ſchreiben, ſo wird es am beſten ein Charakterbild aller Zeiten geben. Oft aber wurde dies verſäumt, zumal als die Schriftſtellerei ſelbſt noch in der Kindheit lag und noch keine beſtimmten Kunſtformen, namentlich noch keine novelliſtiſchen, entwickelt hatte.

Die Novellen⸗- und Romanliteratur der Gegenwart neigt ſich heute wieder mehr ſtofflichen, romantiſchen Vor⸗ würfen zu, wenigſtens erſcheint es für den erſten Augen⸗ blick ſo. Es liegt aber nur darin, weil unſere Literatur des Epos in proſaiſcher, nämlich unrhythmiſcher Form eine allgemeinere, eine allſeitigere geworden iſt. Wir ha⸗ ben die Poeſie der Realität, d. h. den aus der Wirklichkeit hervorgezogenen geiſtigen Extract liebgewonnen und als etwas Wahrhaftiges, auf Wiſſen, Forſchung, Erfahrung und Betrachtung Beruhendes ehren lernen, und ſo ſchauet unſere Zeit nicht nur um ſich, um beobachtend im Spiegel der Kunſt aufzubauen, was mit uns lebt, ſondern wir wen⸗ den uns auch mehr, als die nächſte Vergangenheit that, an die Hiſtorie, um aus den Fundgruben der Geſchichte her⸗

daß in ſolchen goldenen Zeiten der Wille und die Kraft

des Mannes doch noch etwas werth geweſen ſei! Daß mit

dieſer Kraft nicht der edle Wille, ſondern gewöhnlich nur die brutale Willkür verbunden war, verſchmerzten ſolche Autoren leicht, denn ſie ſaßen hinter ihrem grünen Arbeits⸗ tiſche ſehr ſicher gegen todte Raubritter, vandaliſche Fürſten

der Vergangenheit, ſo wie man etwa im Binnenlande ſich

gar bequem für die Gefahren der Seeſtürme begeiſtern fann, aber ſchon bei einer bloß bewegten Ueberfahrt von Hamburg nach Helgoland bedeutend abgekühlt wird und ſuit maskirter Bangigkeit und Melancholie im Magen den Capitain fragt: ob denn die See häufig ſo aufgeregt vväre? Was würden erſt ſolche romantiſche Schrift⸗ ſteller geſagt haben, hätten ſie friedlich auf einer mittel⸗ alterlichen Heerſtraße wandern können, und plötzlich wäre binter einem idylliſchen Erlenbuſch der Freiherr von Ron⸗

aus den Geiſt der früheren Menſchheit und ihrer Welt⸗ verhältniſſe neu lebendig zu machen und als Spiegelbild V für die Gegenwart hinzuſtellen. Dieſes Trachten iſt mehr und mehr in allen neuern Productionen ſichtbar, auch das Drama iſt dabei mitwir⸗ kend, und ich finde in dieſer geſunden, rein menſchlich⸗ philoſophiſchen Richtung, welche nicht mit rein illuſoriſchen Poeſien in der Luft ſchwebt, ſondern auf den feſten Urgrund des Geſchehenen fußt, die ſicherſte Bürgſchaft für eine kom⸗ mende Blüthezeit des deutſchen Romans. Und dieſer Ro⸗ man wird dereinſt der gewichtigſte in der Weltliteratur werden, und nicht etwa, weil wir ein Volk der ſinnenden, thatenloſen Contemplation ſind, ſondern weil wir unſerer ganzen Individualität nach die ſtärkſte Begabung im Ly⸗ riſchen und Epiſchen haben, und für dieſe letztere Dich⸗