530 1 Novellen⸗Zeitung.
ALB.
Karl Sondershauſen.
Sie.
Sollt' ich die Geliebte ſuchen, Sucht' ich in der Wälder Nacht, Tief im Schatten hoher Buchen, Nicht bei Reichthum, Glanz und Pracht.
Fern von Städten, fern vom Hofe, Dort, wo ihr Geräuſch verdröhnt,
Nur des Finken ernſte Strophe Einſam noch in Wipfeln tönt.
Dort im grünen Dom von Zweigen, Wo die fromme Ahnung wohnt,
Tief in andachtvollem Schweigen Hoheit, Gottheit herrlich thront.
Wo von geiſtberührten Eichen Leiſe Sprache niederweht,
Unter lauſchenden Geſträuchen Nur des Bach's Geflüſter geht.
Tief und tiefer im Gehege,
An dem Hüttchen, weinumrankt, Bei dem kleinen Breterſtege,
Der in Förſters Gärtchen ſchwankt.
Wo Natur die Laube baute, Die von Abendgolde blinkt, Lauſcht' ich, ob nicht eine Laute Liebesgruß entgegen bringt.
Dort des Epheu traute Ranke Und der Flieder koſ't mit ihr. Ach, ihr zärtlicher Gedanke, Weilt der Schwärmer ſchon bei mir?
Lüftchen ſpielt mit ihren Locken, Auge glänzt wie Stern in Nacht.
Horch, die Feierabend⸗Glocken! Unſern Bund hat Gott gemacht.
Nehmt ihr Hütte, Stand und Namen, Wär' ihr Eden flach und wild:
Gebt mir nur im andern Rahmen, Himmliſche, kein ander Bild!
Das Puch der Bücher.
Kennſt du das Buch, das nie veraltet? Schon viel tauſend Jabr entfaltet
In der unſichtbaren Hand,
Bietet es in Hieroglyphen
Aller Weisheit tiefſte Tieſen
Allen Zeiten, jedem Land.
Leben hier in Schmerz und Freuden Heißt die Hieroglyphen deuten, Klügeln, aber nicht verſteh’n. Sterben iſt, dort weiter blättern In den ſinnig gold'nen Lettern, Was hier dunkel, hell dort ſeh'n.
gute Racht!
Pförtchen ſteht im Abendgolde, Ach, wie flimmerhell und ſchön!
Sind es Engel, die dich, Holde, Bei dem Scheidegruß umſteh'n?
All' die hellen Maienſtunden, Die dein Weggang mir nun raubt, Rings zu Glorie verbunden
827 Um dein ſchönes Lockenhaupt.
Gute Nacht, ja, muß ich ſagen, 4 Weil du, meine Sonne, ſink'ſt,
Gute Nacht, zu ſchönen Tagen, Wann du wieder Morgen bringſt.
Ihre Pagen.
Die ſchönſten— Pagen will ich ſagen— Dein Schleppkleid zwiefach heben, tragen.
Die ſind ſo zierlich, weich und fein!
Die glänzen hell von Gold und Stein,
Wie Sonne, wenn es taghell lacht,
Wie Mondſchein, wenn dein Kleid die Nacht. Laß rechts und links die Grazien es führen, Sie werden ſchöner nicht den Saum drapiren; Denn ihrer ſind ja drei nur eben,
Doch deiner Pagen fünf und fünfe heben.
Philoſophie für das Haus.
Luſtig, luſtig, lieben Leute! Ei, die Welt iſt doch gar ſchön! Schaut nur von der rechten Seite, Hell ins Dunkle müßt ihr ſeh'n.
Bergauf, ach! Nun ja, nur munter! Schwer und leicht, das iſt ihr Lauf.
Bergauf hier und dort bergunter, Eins ins Andre! Friſch hinauf!
Was ich brauche, muß mir werden, Was für Wirthſchaft wäre das? Leben ſollten wir auf Erden, Und wir wüßten nicht, von was?
Mehr Reſpect vor Gottes Walten! Gut iſt immer, was er thut.
Er verſteht es, laßt den Alten, Und es wird auch diesmal gut.
Nur die Hände reicht euch, Brüder!. Theilt dem Freunde, was gebricht!. Gott und Freund und Lieb' und Lieder, Mehr, mehr brauchen Menſchen nicht.
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* 38 Der Letzte aus Altweimar. Erinnerungen und Dichtungen von Karl Sondershauſen. Weimar, Commiſſion der Hof⸗Buchdruckerei. 1859.
Nr. 3
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