Die Weinleſe.
An Laura.
Komm, Laura, Du Liebe, Schöne! Die Schnitter ziehen ſchon auf das Feld— Schon wecken die Jubeltöne Das Morgenroth am Himmelszelt.
Bei der Arbeit ſieht die Sonne Den Winzer nebſt Haus und Nachbarſchaft— Es dürſtet ſeine Tonne Nach Traubenblut, nach Rebenſaft.
Am Weinſtock Thautropfen leuchten— Er ſcheint zu weinen, wie der Hirſch, Dem Thränen die Augen feuchten,
Hört er die Meute nahen zur Pirſch.
Die vollen Traubenbehälter Der Eſel keuchend heimwärts bringt— O ſeht, wie aus der Kelter Der Reichthum und die Freude ſpringt!
Doch Aufruhr bricht los im Laube, Tauſend Vögel zirpen und ſchrein: „Seht, o ſeht! Sie nehmen zum Raube, Was der Herrgott ſchuf für uns allein.
„Wovon ſoll'n wir uns nähren, Wir armen Wandersleute wir?— Geſtern ſtahl man uns die Aehren, Die Reben ſtiehlt man uns heute hier!
2 1
„So iſt es ſtets geweſen, Die Einen leben in Saus und Braus— Die Andern— ach ſie leſen Die Broſamen ſich vom Kehricht aus.
„Auf, Bettler! und an den Sünden * Der Reichen rächt mit den Waffen Euch— 4 Wir woll'n Eu'r Reich verkünden, Und Ihr laßt die Trauben uns im Geſträuch...“
Puff!— kracht's durch das Laub— die Gräſer, Sie ſchwanken vom Tritte des Jägers dort— Nun auf, Ihr Traubenleſer,
Seht, unſre Tribunen anenn
Welch ein Jubel ohne Gleichen! Laura, vom Kiſſen hebe Dein Haupt— Die Reben gehören den Reichen, Den Armen die Stöcke, wenn ſie entlaubt.
P. J. de Béranger's Letzte Lieder. Deutſch von Julius Rodenberg.
Novellen⸗Zeitung.
Nebſt einer Vorrede des Dichters.
[V. Jahrg.
ALBMIIM.
P. J. de Béranger.
Der Regen.
An einen Freund.
Nun, Freund, keine Promenade— Es plätſchert, gießt und träuft; Und in dem Regenbade Die Erde faſt erſäuft.
Wie die Auſter am Felſengraue Sich klammert, meerumſpült, So ſteb ich am Fenſter und ſchaue Den Strom, der durch's Thal ſich wühlt. . Unter unſern feuchten Mauern, Die die ſchwere Luft durchſtreift, Seh' ich den Schnupfen lauern Und das Rheuma, das heimlich ſchleicht.
Aus den regenſchweren Kaſtanien, Aus dem dunklen Hauſe davon 2 Flieg ich im Traume nach Spanien,
Und trockne mich in der Sonn’
Ihr Hallen, ihr duftdurchwehten, Du ſchattig Burggemach! Granaten ſind die Tapeten, Orangen bilden mein Dach!
⸗ ſeb ich, in Luſt verſunken, Wieddas Leben golden verrauſcht— Das Auge von Sonne trunken, Die Seele von Duft berauſcht!
Doch müde vom Fiſchen und Jagen Kehrt heim der Eskimo, Um die lange Nacht zu ertragen Unter'm Eisdach auf faulem Stroh.
Ihr Träume, die mich ermüden, Ade— Du mein Himmel, mein Glück! Zurück aus dem ſonnigen Süden In die Heimath— den Regen zurück!
Hier, wo im luſt'gen Gewimmel Die Jugend geſungen, gelacht; Wo der Geiſt geweſen ihr Himmel, Dem die Freundſchaft Opfer gebracht....
Freund! ſieh, die Wolken verwehen, Die Abendſonne glüht! Komm, laß uns ins Dorf und ſehen, Ob der Mandelbaum ſchon blüht!
Hannover, Carl Rümpler. 1858.
1
3
einem Graf der A 2
ddoc
hatte Platz ihrer mach allg wen fluüſt Gern wäre angeg beide ſetzte
kann
ate R


