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riemen von dem Schloß an der Kammerthür der hte und trat ohne Morgengruß hinein.
Marianne ſaß völlig angekleidet auf dem Schemel neben ihrem Bett. Sie ſah bleicher aus als gewöhnlich, und angegriffen, wie nach einer in Saus und Braus durch⸗ ſchwärmten Nacht. Beim Erblicken des Vaters ſtand ſie auf, aber ein Morgengruß kaum auch nicht über ihre Lip⸗ pen. Sie mochte ahnen, daß er unerwidert bleiben würde, denn ſie wußte ja, daß der Vater ſie nicht als Freund, ſondern als Richter beſuche.
„Du haſt Beſuch gehabt Nächten*),“ ſprach Martin Ul⸗ rich,„und wenn ich mein väterliches Recht gebrauche und Dich als ungehorſame Tochter mit Karbatſchenhieben aus dem Hauſe jage, wer kann mir's wehren?“
Marianne ſah den zürnenden Vater feſt an, aber ſie ſprach nicht.
„Iſt Dir die Zunge verlahmt von ſeinem Geſchlecke?“ fuhr er fort.„Antworte, oder—“
„Immer ſchlagt mich, Vater, ich kann und werd' Euch nicht hindern,“ erwiderte jetzt Marianne,„wenn ich aber Unrecht gethan haben ſollte, ſo ſeid Ihr daran ſchuld.“
„Ich, Du— Du!—— Weil ich Dich wahren will vor Schande und Elend?“
„'s iſt keine Schande und keine Sünde einen Liebſten zu haben.“
„Du freches Weibsbild!“
„Schimpft mich wie Ihr wollt, Vater! Wenn ich doch einmal unglücklich werden ſoll, ſo iſt heute gerade ſo viel Zeit dazu wie morgen oder in ein paar Wochen.“ V
„Ich will Dein Beſtes, Mädel!“ ſprach Martin milder.
Marianne ſchüttelte den Kopf.
hat, Vater, wollt Ihr nur mein Unglück.“
*) In vergangener Nacht.
Novellen⸗
„Den Buben? Den Jungen, der mir zum Knechte zu ſchlecht wäre?“ tobte der ergrimmte Bauer.„Ehe ich zu⸗ gebe, daß der Junge Dein Mann wird, eher ſoll doch die Sonne—“
„Verſündigt Euch nicht, Vater!“ fiel Marianne dem Jähzornigen ins Wort.„Ich hab' mich nicht geweigert zu thun, was Ihr verlangtet. Den Chriſtfried aber lieb' ich, und das könnt Ihr mir nicht verwehren. Ich meid' ihn oder ſuche ihn nicht, ſeit Ihr die ſchwere Hand darauf gelegt habt, aber wenn er mich ſucht, ſoll ich davon laufen, als fürchte ich mich vor ihm? Ich kann's nicht, Vater, und wenn's mein Leben koſtet!“
„Alſo Du geſtehſt, daß er Nächten im Hauſe war?“ fragte Martin etwas weniger heftig.
„Ich kann's und mag's nicht leugnen.“
„Wie kam der— der Unhold ins Haus?“
„Fragt ihn ſelber, ich weiß es nicht.“
„Haſt ihn nicht erwartet?“
„Ich vermuthete, daß er kommen würde.“
„Und machteſt ihm die Thüre ſogar ſperrangelweit auf, damit die Schande ſtolzirend ihren Einzug halten konnte in mein unbeſcholtenes Haus?“
„Als er mich verließ, habe ich ihm das Geleit gegeben, den Weg ins Haus fand er ſelber.“
„Du machſt mir Schande, Marianne,“ ſprach Martin Ulrich traurig.„Du bringſt mich vor der Zeit in die Grube, wenn Du nicht von dem Jungen läßt!“
„Ich muß ihn lieben, Vater, oder ich ſterbe!“
„O wär' ich doch ſchon todt und begraben! Daß ich das an meiner eigenen Tochter, an meinem einzigen Kinde erleben muß!“
Marianne ergriff des Vaters Hand.
M 4 77 1 „Wenn Ihr mir nehmt, was Gott ſelber mir gegeben„Vater, ſprach ſie,„bedenkt einmal recht, ob Euer
Jammern auch Grund hat! Chriſtfried England iſt ein Burſche, dem alle Leute gut ſind; er iſt ein einziges Kind wie ich, und wenn Ihr Eure Einwilligung gäbt, daß wir
„Sie ſaß allein auf der Eſtrade und ſang, indem ſie ſich mit der Guitarre begleitete. Sie beantwortete meinen Gruß durch eine leichte Neigung des Kopfes und ließ mich knieend und im Fluge die kleine, zarte Hand küſſen, die über die Saiten des In⸗ ſtrumentes irrte. Ich betrachtete ſie mit eben ſo großer Bewunde⸗ rung wie am vorhergehenden Tage, aber es miſchte ſich in dieſes Ge⸗ fühl eine unwillkürliche Regung eines geheimnißvollen Schreckens; denn ich fühlte, daß ich ſie betrog— und fühlte zugleich auch, daß ſie dies wußte.— Dann klang die Melodie, welche ſie ſang Fauch ſo traurig wie ein Grablied; ihre Stimme wurde zuweilen matt und dann wieder laut und volltönend; krankhafte Bläſſe färbte ihr Geſicht, und aus der fieberhaften Aufregung ihrer Hände und ihres ganzen Körpers errieth ich den Einfluß einer heftigen Lei⸗ denſchaft.—
„Ci, Seüora, woher heute dieſes Fieber und dieſe Traurig⸗ keite fragte ich ſie, als ſie die Guitarre zu ihren Füßen nieder⸗
egte.
„Weil ich Sie erwartete, Herr Franzoſe.“
„Welche Unbefangenheit!“ dachte ich.„Das iſt die ungezwun⸗ gene Sprache des Herzens!“ 2
„Jetzt bin ich bei Ihnen,“ fügte ich hinzu.„Ach, weshalb kann ich nicht immer bei Ihnen bleiben! Sie laſſen mich mein Vaterland vergeſſen!“
„Die Talcahuanerin heftete auf mein Geſicht einen langen Blick, und ich konnte mich nicht erwehren, unter demſelben zu ſer⸗ röthen. Dann zogen ſich plötzlich ihre Lippen zuſammen; ihr Mund verzerrte ſich zu einem ſpöttiſchen Lächeln, und mit ſchſar⸗ fem, trockenem Ausdrucke fragte ſie:)
„Wo iſt meine Roſe?“
„Mit dem Tone der Zuverſicht und Wahrheit, den jeder ge⸗ wandte Lügner ſeinen Worten zu geben weiß, rief ich aus;
„Ihre Roſe? Sie fragen mich, wo Ihre Roſe iſt?— An Bord meines Schiffes; in einem ſeidenen Säckchen hängt ſie über dem Kopfende meines Lagers, damit ich die Blicke darauf richten
kann, ehe ich einſchlafe und Sie mir dann in meinen Träumen erſcheinen; damit meine Augen bei dem Erwachen wieder darauf fallen und Sie mein erſter Gedanke für den Tag ſind.— Ich trage Ihre Roſe nicht mehr in dem Knopfloche meines Rockes, weil ich fürchtete, der Wind möchte ſie mir entführen—. Ach, Senorat Senora! Können Sie mich fragen, wo Ihre Roſe iſt?“
„Und indem ich ſo ſprach, ergriff ich eine ihrer Hände und
preßte ſie an meine Lippen. 2 3 „Ich danke! Ich danke!“ flüſterte ſie.„Ich weiß, daß die Franzoſen nie vergeſſen—“— „Und mit einem einzigen Satze ſprang ſie auf und fragte mich, V ob ich Durſt habe, ob ich etwas trinken wolle? „Dieſe plötzliche Frage verwirrte mich im erſten Augenbie ſo, daß ich ſtumm blieb. Aber ſie ſtand da vor mir, die Zauberh
V hoch aufgerichtet, eine Flaſche in der einen, ein Glas in der ande Hand, und unwillkürlich ſagte ich: „Schenken Sie ein!“ in der
„Sie füllte das Glas mit Moſto, dieſem Bordeauxwein da Cordilleren, und ich leerte es mit einem Zuge, indem ich unſer Liebe ein Hihafafeiſches Po ausbrachte.
„Noch eines!“ ſagte ſie. 1. be⸗
„O nein!“ Artägneſe ich.„Wollen Sie, daß ich mich be rauſche, ſo ſei es durch Ihre Blicke!“
(IV. Jahrg.
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Rt.:
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unst den? ſelbſt murr ſein das wie ſcha Euch barf an
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