Noveſlen⸗Zeitung.
ALBL
Julius Sturm.
Sei hochbeſeligt oder leide.
Dem fürſtl. Brautpaare, Durchlaucht Erbprinz Heinrich XIV. von Reuß
und Hoheit Prinzeß Agnes von Wuürtemberg.
Sei hochbeſeligt oder leide;
Das Herz bedarf ein zweites Herz. Getheilte Freud' iſt doppelt Freude, Getheilter Schmerz iſt halber Schmerz.
Gib dich der Freude ganz zu eigen,
Wenn dich umwogt ihr goldner Strahl; Doch zag' auch nicht, wenn du mußt neigen Dein Haupt dem Schmerz im Thränenthal; Den Kern des Lebens bilden beide:
Sei hochbeſeligt oder leide.
Doch ſoll der Strom des Lebens fließen Für dich in ſeiner vollen Macht,
Mußt du der Liebe dich erſchließen, Denn was die Stunde dir gebracht
An hoher Wonne, tiefem Schmerz: Das Herz bedarf ein zweites Herz.
Nur durch die Liebe wird das Leben Verklärt zur reinſten Harmonie,
Und willſt du ihr dich nicht ergeben, Fühlſt du die höchſte Wonne nie
Und fragſt nur, was das Wort bedeute: Getheilte Freud' iſt doppelt Freude.
Und in dem Schmerz wirſt du verzagen, Wenn du nur bauſt auf deine Macht; Doch hilft dir ihn die Liebe tragen,
Die mit dir betet, weint und wacht, Trägt leicht die ſchwerſte Laſt dein Herz: Getheilter Schmerz iſt halber Schmerz.
O Heil Euch Beiden! daß zum Herzen Das Herz, von Gott geführt, ſich fand. Die Liebe hat für Euch den Schmerzen⸗ Den gift'gen Stachel ſanft entwandt, Und doppelt fühlt Ihr nun hienieden Die Freuden, die Euch Gott beſchieden.
Doch daß dies Glück nie von Euch ſcheide, Bedürft Ihr noch ein andres Herz: Drum eilt auf Glaubens Flügeln Beide, Vereint in Liebe, himmelwärts;
Denn droben ſchlägt das Herz für Cuch, Dem doch kein Herz auf Erden gleich.
Savonarola's letzte Worte.
Ich hör' euch nach des Kampfes Ende fragen, Der Scheiterhaufen iſt's, der mich bedroht; Doch wenn die Flamme praſſelnd um mich loht, Ihr, meine Freunde, ſollt nicht um mich klagen.
Neue fromme Lieder und Gedichte von Julius Sturm.
Mit Feuer wird getaufet, wen entbot
Der Herr, ſein heilig Banner vorzutragen; Doch wird ein treuer Jünger nicht verzagen, Er folgt dem Meiſter freudig in den Tod.
Denn ſterben, Brüder, heißt nicht unterliegen, Und ſiegreich werd' ich meinen Kampf beſtehn, Mag meine Aſche auch ein Sturm verwehn.
Im Tod des Jüngers wird der Meiſter ſiegen, Und wenn der ſchwache Leib zuſammenbricht, Flammt um ſo freier nur des Geiſtes Licht.
Den Bibelleſern.
Willſt du im Buch der Bücher leſen Und ſuchſt darin
Verborgnen Sinn
Mit eitel aufgeblähtem Weſen: So leg' es lieber wieder hin.
Denn Alles, was drin ſteht geſchrieben, Iſt offenbar
Und ſonnenklar
Und lehrt dich weiter nichts als lieben, Nur lieben, lieben immerdar.
Ein Lutherwort.
Der Luther ſprach:„Matthia, ſeid
Doch nicht ſo traurig, bannt das Leid! Gott will, wir ſollen fröhlich ſein, Drum greift friſch in die Taſten ein Und ſingt: Herr Gott, dich loben wir. Dies Mittel lehrte David mir,
Der, war das Herz ihm ſchwer und bang, Den Pſalter zu der Harfe ſang.. Ich hab's erprobt, denn Sorg' und Pein Gab mir der Teufel oftmals ein;
Doch merkt' ich bald, er grollt und flieht, Singt man ihm friſch ein frommes Lied. Wenn ſolch ein Lied zum Himmel ſteigt, Hat ſich in Gnaden Gott geneigt
Und ſcheuchet von der Seele weit
All' eitle Sorg' und Traurigkeit.“
So merkt denn, was der Luther ſprach, Und ſeid ihr traurig, thut darnach Und ſingt euch frei von Sorg' und Pein; Denn Chriſten ſollen fröhlich ſein,
Damit die Welt an ihnen ſchaut, Daß glücklich iſt, wer Gott vertraut!
Leipzig, F. A. Brockhaus. 1858.


