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Novellen⸗Zeitung.
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ALBIII.
Julius Große.
Jenitſchek.
1.
Auf dem Berge die Birken, die ſäuſeln im Wind, Dort ſitzt in Thränen ſchön Aennchen mein Kind.
Klang im Wipfel ein Singen mit ſüßem Schall, Kam geflogen hernieder Frau Nachtigall.
Trug ein Brieflein im Schnabel, das Brieflein war leicht, Hat es Aennchen zu rechtem Händchen gereicht:
„Was ſitzt du in Thränen, Aennchen, mein Kind? Ich bring' dir ein fröhliches Briefchen geſchwind.
Eh' über den Bergen ſteht Mondenſchein, Iſt in deiner Kammer der Liebſte dein.
Er wird auf dich warten in Trauern bei Nacht, Er wird dreimal klopfen ans Fenſterlein ſacht.
Doch bis er wird klopfen, halt' es fein zu, Es klopft oft ein Andrer, der raubt dir die Ruh.
Und wenn du ihm aufmachſt, ſo braucht er Gewalt, Und eure Liebe, die ändert ſich bald.
Und ändert ſie erſt ſich, wie bald iſt ſie hin, Dein Liebſter verläßt dich und wandert nach Wien.“
2.
Biſt mir böſe, Liebſter, oder gut, Auf dem Markt nur grüß' mich mit dem Hut; Biſt mir gut, du Liebſter, oder böſ',
Nur grüße mich!
Wenn du mir begegneſt und mich grüßt, Niemand merkt, daß ich um dich gebüßt; Biſt mir böſe, Liebſter, oder gut,
Nur grüße mich!
Grün wird bald die Wieſe und der Wald,
„Du, mein Herz, verrath' es nicht ſo bald;
Dunkel wird der Wald und grün die Au, Nur verrath' es nicht!
Aber wenn du'’s ſagſt, ſag's für dich auch,
Daß ich dich geküßt am Roſenſtrauch;
Dunkel wird der Wald und grün die Au, Nur verrath' es nicht!—
Nach czechiſchen Volksliedern.
Gedichte von Julius Große.
Moraliba.
Deine Lippen ſind wie Roſen,
Und ihr Athem gleicht den Düften,
Braunes Mädchen, Moraliba,
Mit den tannenſchlanken Hüften,
Mit den Zöpfen, mit den loſen.
Deine Augen blauen nächtig; Aber ſeh' ich in ſie nieder, Wildes Mädchen, Moraliba,
Mit dem rothen ſammtnen Mieder, Märchenblumig, wüſtenprächtig:
Seh' ich wohl viel tauſend Sonnen, Tauſend Tage drinnen leuchten,
Süßes Mädchen, Moraliba,
Mit den Augen, mit den feuchten
Wonnetiefen Liebesbronnen.
Aus„Mimoſen“.
Je trüber die Wolken kommen, Je heller iſt's im Herzen hier; Denn deine ſchönen Augen Sie leuchten noch in mir.
Je lauter die Stürme brauſen,
Je gottvertrauter iſt mein Gemüth;
Denn deine ſüße Stimme
Wie ein Lied durch die Oede zieht.
Doch glänzt die reiche Erde
Im goldnen Mittagsſonnenſchein,
Dann dunkeln alle Schatten Der Sehnſucht mir herein.
Deviſe.
Sechs Dinge ſind mir köſtlich auf der Welt, Drum hab'’ich meinen Troſt auf ſie geſtellt: Ein reinlich Glas, ein ſonniges Gemüth, Drin hell der Wein und friſch die Jugend glüht; Ein feurig Roß und ein beſchwingtes Lied, Drauf königlich der Geiſt der Liebe zieht; Geſtirnt die Nacht und leuchtend auch den Gram, Daß Pfade findet, der ſo fernab kam; Ein blumig Grab, verſchwiegen auch den Mund, Die blühend nur thun ihr Geheimniß kund; Gedämpft den Schall, umſchattet auch das Licht, Wie es durch hohe Altarfenſter bricht; Doch frei das Feuer und den Sturm voll Macht, Blieb Aſche auch geknickter Wälder Pracht— Ob du geſtrebt, geliebt mit Luſt und Drang, Fragt einſt der Tod, doch fragt er nicht wie lang?—
Göttingen, Georg H. Wigand. 1857.
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ſtfahren, er Verh⸗ und ungen ſbten Mi reundes ſte Linys
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