Erfüllt ein Volk die irdiſche Beſtimmung, Sich vorzubilden für die Ewigkeit;
Und wie gelangt' es würdiger zum Ziele,
Als in der Kirche treuen Mutterhänden u. ſ. w.
Clemens, der Prinz des Nordens, dagegen hatte unter An⸗
derem geſprochen: ——— Es ſorg' für Leib und Seele
Der Oberherr, als erſter Patriarch, Und gern vernimmt er für des Reiches Wohl Des Volkes Stimſe, wenn ſie wünſchend ſpricht— Denn zu regieren, nicht regiert zu werden, Geziemt von Gott beſtellter Obrigkeit. —— Doch wenn des Reiches, wenn die eigne Ehre Von fremder Macht verletzt wird, tritt er auf, Sein herrlich Kriegsheer ruft er dann zum Kampfe V Mit Gott für Kaiſer und für Vaterland.
Darauf ſpricht Emanuel, der Feldherr, im Auftrage der Herrin:
Das Ideal, das meine Fürſtin denkt, Es iſt ein Reich im ſchönſten, böchſten Sinne, Es ſtrebt, als Theil, den Zweck des Alls zu fördern. Der Zweck der Welt iſt, höchſte Geiſtesſteuer Dem Schöpfer zu entrichten; und der Schöpfer, Er zeigte ſelbſt zu ſolchem Ziel den Weg. Sein Weltgeſetz iſt Einheit in dem Vielen; Doch unter ihr und den Naturgeſetzen Darf frei das Leben millionenfach Sich ſelbſt entwickeln, ſei's im kleinſten Staub, Sei's in den geiſt'gen Ebenbildern Gottes, Der ganzen Schöpfung letztem, höchſtem Zweck. Wohlan, mein Idealreich folgt dem Vorbild— Kein andrer Weg führt zu demſelben Ziel. Denn bildet noch ſo tugendhaft die Seelen, Führt eure Geiſter in dä Wiſſens Tiefen, Wie immer nur das Noräaand ſich bemüht; Und nehmt ihr ſie im eigeſſten Erfaſſen, In Rath und That und jidem Thun und Laſſen In des Regierens ew'ge rmundſchaft, So zieht ihr keine Mündigen— ihr zieht Ein unnatürlich Volk, wohl fromm, wohl denkend, Doch frei nicht ſchaffend, noch ſich ſelber lenkend, Ja ſelbſt mit zweifelhaftem Werth der Tugend, Denn welche Tugend iſt die Folgſamkeit? Dagegen meiner Fürſtin ſchönes Reich,
V V
Die, weil ſie frei, nur um ſo treuer hängen An dem Geſetz, das ihnen Freiheit gab, Und die an Schöpferkraft und Geiſtesreife Herangeblüht zu einem Muſtervolk. Ein Muſtervolk— das iſt das Ideal, Zu dem nicht Südlands kühngeſinnter Ehrgeiz, Noch Nordlands Selbſtgenügſamkeit gelangt, Das Ideal, das auch den Nächſtenpflichten Genüge thut.— Wem Geiſtesmacht gegeben, Dem gab ſie Gott nicht für ihn ſelbſt allein, Er gab ſie für die Mitwelt auch; der Geiſt, Er ſtrebt aus Trieb und Pflichtgefühl ins Weite. Doch dieſe Pflicht zu üben braucht er Eines: Weltlicher Macht. 4 Entblößt von äußrer Macht Ein geiſtig großes Reich— und ſchaut den Goldſee, Den Fremde plündern; deſſen Schätze ſie Zu eignem Ruhme zu verwerthen trachten; Den, ausgebeutet, ſie zum Lohn verachten! Doch gebt ihm Macht— und ſchaut den See als Strom, Der weltbeglückend durch des Reiches Grenzen In hundert Armen ſeine Schätze rollt Und freien Triebs, ja mit Gewalt, ſein Gold Den Völkern weiht. Kein Mißverſtändniß fürcht' ich; Wohlthätig, heilig iſt der Grenze Recht— Ihr dankt die Welt der Vielheit reiches Leben. Und wenn des Südlands Ideal ſie bricht, Mein Idealreich kränkt, verletzt ſie nicht. Nur wenn der Mißbrauch ſie zum Damm verwandelt, Der, wo Natur des Stromes Bahn gegründet, Den Lauf ihm hemmt, die Adern unkerbindet, Dann mit dem Drang allmächtigen Naturtriebs Braucht es Gewalt.
Doch wollt darum nicht ſorgen! Des Fauſtrechts wüſte Zeit kehrt nicht zurück! In meines Reiches ſtarker Hand geborgen Ruht eines Welttheils ſichres Friedensglück Nicht mehr ein Spielball fremder Nationen— Mein Reich ſteht da ein Erden⸗Schiedsgericht, Um deſſen Banner in den fernſten Zonen Den Lorbeer Recht und Freiheitsliebe flicht! Zum Weltpaniere wird das ſchwarz⸗grün⸗rothe; Es kündet laut:„Die blinde Willkür fiel! Das Reich des Geiſtes führt als Hoffnungsbote Die Völker all' ans göttlich ſchöne Ziel!“—
Herr Guſtav von Meyern, der Verfaſſer dieſer Dich⸗
Es iſt ein Reich viel tauſendfachen Ringens,
Ein Reich des freiſten Bildens und Vollbringens, In dem von höhern Thronen Fürſt und Kaiſer Mit freud'gem Stolz auf Stämme niederſchau'n,
tung iſt, wie wir hören, Legationsſecretair in Dienſten Sr. Hoheit des Herzogs von Coburg⸗Gotha. V R. Giſeke.
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