— f ſes 19. 290 Novellen⸗Zeitung.(IV. Jahrg. ALBIII. 4 Wolfram von Eſchenbach. Parcival. Ihren Preis und ihre Ehre, Und wen ſie danach ſei bereit* (Einleitung.). Mit ihrer Lieb' und Würdigkeit, Daß ihre Keuſchheit, ihre Treue Will Zweifel nah dem Herzen bauen, Siß eh Keuichä So muß der Seele bangend grauen. Ich fleh' von Gott dem guten Weibe, Wenn unſtät ſchwankend her und hin Daß ſtets im rechten Maß ſie bleibe, Sich neigt des edlen Mannes Sinn, Scham iſt ein Schloß vor aller Sitte: So trägt er wechſelnd Schmach und Preis, Gnug, wenn ich das zum Heil ihr bitte. Gleich Elſternfarbe, ſchwarz und weiß. Die Falſche lohnt nur falſcher Preis; Und doch kann ihm noch werden Heil, Wie lange kann ein dünnes Eis Denn beide haben an ihm Theil, Vor Juliſonnengluth beſteh'n? Höll' und Himmel.— Welcher feſt So muß auch bald ihr Lob vergeh'n. Der Untreu ganz ſich überläßt,. Man rühmt manch Weib um Schönheit viel; Der hat das Schwarz, und iſt gewiß Doch iſt ihr Herz vom Widerſpiel, Die Farb ihm einſt der Finſterniß; Die lob' ich, wie mein Lob wohl paßt Der weißen hält ſich zugekehrt, Für den Saflor in Gold gefaßt. Wer Treu e fromm im Herzen nährt. Mit Unrecht Ihr des Leichtſings zeiht Einfält'gen Leuten iſt der Flug Den, der den edelen Rubin 1 Zu ſchnell und hoch von dieſem Spruch;— Ihm gleich' ich echten Frauenſinn— Sie können ihn nicht voll begreifen. Und alle ſeine Herrlichkeit 6 Recht wie ein aufgeſchreckter Haſe In ſchlechtem Meſſing läßt verwenden. 1lLicht w Wird er vorbei vor ihnen ſchweifen.— Thut ſie nach rechter Weiblichkeit, s Schral Wie gleichet doch dem Spiegelglaſe Darf nicht uns ihre Farbe blenden, dhde Das Traumgebilde eines Blinden! Noch ihres Herzens äußres Kleid.* beit, Geſichte laſſen beide finden, Wohnt ihr im Buſen wahrer Werth, Nwar n. Allein nicht Stätiges kann ſein So ſei ihr volles Lob beſchert. faſt g In ihrem trüben, eitlen Schein; Sollt' ich nun ſchildern Fraun und Männer die Uu Die Freude dran hat nicht Beſtand. So recht, wie ich's verſteh' als Kenner: Gnend Wer rauft mich auch in hohler Hand, Da würd' Euch Zeit und Weile lang. unend, Wo nie ein Haar erwuchs?— O ſeht, Folgt lieber meiner Sage Gang. und Wie der aufs Greifen ſich verſteht! Die meldet Euch von beidem, 1 heere Ruf' ich der Furcht ein Weh entgegen, Von Liebem und von Leidem, thtig 4 So ziemt das meinem Wohlerwägen: Und Freud’ und Angſt gehin auch dabei. etnen ni B Denn werd' ich Treue finden Wohlan, ruft Ibr, ſtatt meiner, Drei, liin f Da, wo ſie muß verſchwinden Die, jeder ſonders, heiß ſich mühten, E Wie Feuer in dem Bronnen Meine Kunſt zu überbieten: Zimm Und Thau vor der Sonnen?— Das wär' ein wunderſames Glück, eniem Nicht leicht iſt ein verſtänd'ger Mann, Wenn ſie es träfen mit Geſchick, jjunae Der nicht gern Kenntniß hätt' empfahn, Was ich allein Euch werde künden.. Unge Wohin denn zielen dieſe Lehren Sie würden ſaure Arbeit finden! welche Und wie ſie guten Rath gewähren, Eine Sag' ich Euch erneue, Antli Den ſicher nimmer ſie verſagen. Die erzählt von großer Treue, aufbl. Was zu fliehen, zu erjagen, ⸗ Von Weibes Recht und Weibes Ehr, es im 1 Zu meiden, wohin rückzukehren, Von Mannes Mannheit alſo hehr, leit o Und was zu läſtern und zu ehren: Die ſich vor keiner Härte bog. eit ol Wer all' das wobl bemeiſtern kann, Sein Herz ihn darin nie betrog, nuen An dem hat Weisheit wohlgethan, Daß er, ein Stahl, wo Streit er fand, dden 5 8 Der nicht verſitzt ſich, noch verläuft Den Preis auch nahm mit Siegerhand. Werxli 1 Und klar ſich auf ſich ſelber ſteift. Hochſinnig nach dem Höchſten greifend, u 3 Des falſchgeſinnten Freundes Muth, Jedoch in Weisheit langſam reifend dbeit Der iſt zum Höllenfeuer gut— Es gilt dem Helden dieſer Gruß— llikte Und hoher Würd’ein Hagelgraus. Er, Weibesaugen ein ſüßer Genuß, Patten 1 So kurzgeſchwänzt iſt ſeine Treu— Schuf Weibesherzen ſüße Noth, ai N⸗ Beim dritten Stich ſchon nimmt ſie ſcheu, Wie Schirm er ſtets dem Unglück bot. a Ser Drohn Bremſen ihr im Wald, Reißaus. In der Geſchichte ungeboren mdlic, Doch gehen nicht allein den Mann Doch iſt noch, den ich ſo zum Helden wile Dieſe mancherlei Lehren an: Dieſer Abenteu'r erkoren,. mage Den Frauun auch ſtell' ich hier ein Ziel. Von denen Wunders viel zu melden. aniunu Die meinen Rath ſich merken will, 1 ſteter V Die ſoll wiſſen, wohin ſie kehre„5 Wle. t Parcival. Rittergedicht von W. v. Eſchenbach. Aus dem Mittelhochdeutſchen zum erſten Male überſetzt von San Marte(Albert Schulz). dan Zweite verbeſſerte Auflage. Erſter Band. Leipzig, F. A. Brockhaus. 1858. 1
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