verſchiedenen Stellen des Himmels erkennt, wo der Blick zwiſchen den Schaaren der Sonnen unſeres Weltgebäudes hindurchzudringen vermag, und deren jedes mächtigere Fernrohr immer neue gleichſam„auflöſt“ in zahlloſe leuch⸗ tende Sonnenpünktchen, aber zugleich immer neue, der Auf⸗ löſung ſpottende entdeckt, ſind nichts Anderes als ſolche leuchtende Weltgebäude, Milchſtraßen für ſich. Die Ge⸗ ſtalt mancher derſelben zeigt unverkennbar, daß auch ſie nach den Geſetzen der Schwere und des Umſchwunges ge⸗ bildet ſind, wie unſer Weltgebäude der großen Milchſtraße, und wer könnte zweifeln, daß auch alle dieſe umwirbelnden Weltgebäude von Milchſtraßen um einen gemeinſamen Mittelpunkt kreiſen?— Doch wohin irrt unſer Gedanke und ſucht „zum Geſtade
Seiner Welt ſich die Pfade,
Segelt hin, wo kein Hauch mehr weht
Und der Markſtein der Schöpfung ſteht?—
Steh! Du ſegelſt umſonſt— vor die Unendlichkeit!
Steh! Du ſegelſt umſonſt, Pilger, auch hinter Dir!
Senke nieder, Adlergedank, dein Gefieder!
Kühne Seglerin, Phantaſie,
Wirf ein muthloſes Anker hie!“
Meſſen können wir den Weltraum nicht, auch denken und uns vorſtellen können wir ihn nicht, weder als be⸗ grenzt, noch als unbegrenzt— nur innerhalb des Raumes gelten unſere Vorſtellungen; der Raum ſelbſt kann keine Grenzen haben. Aber innerhalb dieſes Raumes ſchwebt die gewordene Welt, mitten inne zwiſchen der werdenden und der vergehenden.
Kant wies bereits nach, wie— wenn wir einen An⸗ fang des Werdens ſetzen— um den Mittelpunkt der Welt zuerſt die Ordnung und Gliederung eines Weltgebäudes ſich ausbilden mußte, und wie dieſe Ordnung und Gliede⸗ rung dann von Weltgebäude zu Weltgebäude unaufhalt⸗ ſam in alle Fernen hinaus fortſchreiten mußte. Aber der kühne Denker, der alles Sein eingeſchloſſen ſah zwiſchen
Roveſfen⸗ Zeitung.
Werden und Vergehen, er konnte auch vor dem Gedanken nicht zurückſcheuen, daß, ehe die Weltordnung durch alle Fernen ſich vollende, bereits die Auflöſung und das Ver⸗ gehen vom Mittelpunkte aus beginne und von Schritt zu Schritt dem Werden folge.
Die Anſicht, daß die Wärmewirkung und der Glanz der Sonne von wirklichem Feuer herrühre und daß der „Feuerſtoff,“ den man damals noch zur Erklärung der Verbrennungserſcheinungen annahm, als ein ſehr leichter Stoff, wie man ihn ſich dachte, zuletzt im Weltkreiſe der Sonne der Anziehung der letzteren gefolgt ſei und ſo auf dieſem Mittelkörper unſerer Sternengruppe in überwiegen⸗ der Menge ſich angehäuft habe, leitete Kant zu dem Schluſſe, daß dieſe Anſammlung des Feuerſtoffes im Mit⸗ telpunkte jeder Sternengruppe, jeder Weltengruppe, ja des Weltalls, endlich zu einer ſolchen Gluth führen müſſe, daß durch dieſelbe die Zerſtreuung der zu Kugeln geballten Weltſtoffe von Neuem beginne. Auf die Anſammlung des Feuerſtdffes können wir heutigen Tages eine ſolche An⸗ ſchauung nicht mehr gründen. Aber die Erſcheinungen der Federkraft, mit welcher Körper die verdichtend auf ſie ein⸗ wirkende Kraft an ihrem mit der Verdichtung wachſenden Widerſtande gleichſam erlahmen machen und überwinden, um alsbald in ihren früheren Zuſtand zurückzukehren, laſ⸗ ſen uns eine Rückkehr aus der Verdichtung in den ur⸗ ſprünglichen Zuſtand der Zerſtreuung gleichwohl denkbar bleiben. So mag neue Auflöſung von dem allgemeinen Mittelpunkte aus dem Fortſchreiten der Ordnung und Bil⸗ dung zerſtörend wieder nachfolgen und im Wechſel zwiſchen der vollendeten Ordnung und der vollendeten Zerſtreuung der Herzſchlag gleichſam der Natur in alle Ewigkeiten fortſchlagen.
Direct. Sie ſprechen eintönig. Schauſp. Wie Gern. Direct. Sie ſchneiden Geſichter. Schauſp. Wie Döring. Direct. Sie ſind ſehr brünet. Schauſp. Wie Deſſoir. Direct. Sie haben eine ſteife Haltung. Schauſp. Wie Lidtke. Direct. Sie haben ſchlechte Beine. Schauſp. Wie Dawiſon. Direct. Aber Sie verbinden alle Fehler dieſer Künſtler mit einander. Schauſp. Das iſt es ja. Wenn Sie mich engagiren, brau— brauchen Sie keine Ga— Gaſtſpiele mehr.(Schalk.)
Im Joyer des Schauſpielhauſes.
A. Sie kennen den Namen des Verfaſſers von Herodes?
B. Gewiß— Lepel!
A. Haben Sie ſchon bemerkt,— man mag von vorn oder rückwärts zu buchſtabiren anfangen, kommt doch immer Lepel raus!
B. Sehr richtig— indeſſen er fängt groß an und hört klein auf, während er lieber klein anfangen und groß auf⸗ hören ſollte.(Schalk.)
Mannigfaltiges.
Jedes Volk hat ſeine eigene Trauerfarbe. Der Europäer be⸗ dient ſich der ſchwarzen; der Syrier der himmelblauen oder vio⸗ letten. Die Aegypter trauern dunkelgelb, die Aethiopier grau, die Japaneſen weiß. Jede dieſer Nationen folgt darin einem richtigen Gefühle. Die Syrier trauern himmelblau zum Andenken an den Ort, an welchen man die Geſtorbenen hinwünſcht. Die Aegypter ſind der Meinung, das Dunkelgelbe ſtelle das Ende des Lebens und aller irdiſchen Hoffnungen vor, weil die verwelkten Blätter auch gelb werden. In Aethiopien iſt die Trauer grau, weil die Muttererde grau iſt, in welche die Todten zurückkehren. Das Weiß der Japaneſen verſinnbildet die Reinheit des Lebens der Geſtor⸗ benen. Den Verluſt alles Lichtes, alles Lebens, aller Freude deu⸗ tet unſere ſchwarze Farbe an.
Nach den Unterſuchungen von Duvillard war die mittlere Lebensdauer in Frankreich vor 1790 nur 28 ¾ Jahre, während ſie ſich nach M. Léwy im Jahre 1850 auf 33 Jahre gehoben hat.— Von den 12,000— 13,000 Menſchen, die durchſchnittlich im Jahre in Berlin ſterben, erreichen nur ungefähr 1700 das 60. Jahr, und
von dieſen ſterben angeblich nur 500 an Altersſchwäche, alſo an
Entkräftung und gleichmäßigem Abnehmen der Lebensthätigken,
die zwei anderen Dritttheile erliegen namhaft gemachten Krank⸗
heiten.
(IV. Jahrg.
3
Jus


