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urtheilten Verbrecher vorzuſtellen; und da
Nr. 15.]
ein Blumenregen ſie überfluthete, da ſtreckte ſich auch!
Anna'’s Hand aus, der, die ihre Bewunderung erregt, den
Strauß weißer Roſen zuzuwerfen; aber Herrmann, der die
Abſicht zu ahnen ſchien, drückte den ausgeſtreckten Arm mit einer faſt heftigen Bewegung nieder. Erſtaunt über ſein Thun blickte Anna fragend empor, und er ſelbſt erſchreckt über eine Kühnheit, zu der ihm noch das Recht nicht zu— ſtand, antwortete dennoch mit feſter Stimme:„Ver⸗ zeihung, gnädige Gräfin, Ihre Blumen gehören nicht dorthin!“
Es lag in dem Ton der Stimme, in dem Blick des Auges etwas Gebietendes und doch Innig⸗Hingebendes, welches das junge Mädchen zittern und erröthen ließ; es machte zur Gewißheit, was ſchon ſeit einiger Zeit ſtill und tief als Ahnung in der reinen Seele ruhte; und während eine klare Thräne, eine Perle des Glückes, in ihr Auge trat und es in dem jungen Herzen ſang und jubelte wie
V tauſend neue, nie gehörte Stimmen— die zum Leben er⸗
wachen,— durchtobten die Furien der Eiferſucht, des Haſ⸗
ſſes im wilden Aufruhr Florita's Bruſt. Sie, gewiß ſie
allein im ganzen Hauſe hatte bemerkt, wie der Graf die iunge Dame an ihrer Abſicht verhindert— ſie hatte mit dem Scharfblick des liebenden Weibes Alles errathen, was zwiſchen den Beiden ſtill und ſchweigend aus einem Auge in das andere ſtrahlte.
Noch einmal ritt ſie durch den Circus, wie zufällig langſam an einer Stelle vorbei, noch einmal hingen ihre Augen mit durchbohrender Schärfe an dem Antlitz der jungen Dame, welche in dem Moment den niedergeſenkten Blick erhob. Eine dunkle Ahnung zuckte durch Florita's Seele— ſie mußte das Geſicht ſchon einmal geſehen haben,
V aber in anderer, viel anderer Umgebung. Ja, an dieſes engelſüße Lächeln, das um die feinen Lippen ſpielte, wäh⸗ rend die dunklen Augen noch feucht von Thränen glänzten, knüpfte ſich die Erinnerung, das Erkennen an.— In ihr, durch ſie, die er liebte, wollte ſie den Grafen treffen, bis
1 Dritte folge.
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ins Herz verwunden. Ihr war alle Liebe, welche ſte bis jetzt für ihn gehegt, in bitteren, tödtlichen Haß verwandelt; ihr ſüdlich flammendes Herz dürſtete nach Rache, und ſie hoffte das Werkzeug zu derſelben gefunden zu haben.
Es flirrte vor ihren Augen, ihre Sinne verwirrten ſich. Vorwärts trieb es ſie, keine Minute zu verlieren; das Heut gehörte ihr— ob auch das Morgen? Wenn ſich etwas Ungeahntes dazwiſchen drängte! Nur ſchnell an das Werk! — Florita ſprengte davon. Ihr Roß ſchien zurückzu⸗ beben vor dem Sprunge, den ſie ihm zumuthete, aber ſie zwang es dazu und flog hinaus mit einem Satze, der an Verwegenheit alles bisher Geſehene übertraf— entſetzt ſtarrte man ihr nach; in dem großen Raume herrſchte banges Schweigen, das in einen endloſen Jubelruf über⸗ ging, als die tollkühne Reiterin noch einmal freundlich grüßend ihr edles, aber todtenbleiches Antlitz der Ver⸗ ſammlung zeigte und ſo den Beweis gab, daß auch dieſes Wagniß gelungen.
Vor der Thür ihres Ankleidezimmers erwartete Baron Clairmont Florita, ſie zum Wagen zu geleiten und ihr da⸗ bei ſtets von neuem die Verſicherung ſeiner Liebe, ſeiner grenzenloſen Bewunderung zu wiederholen. Hatte ſie auch niemals mit beſonderem Intereſſe darauf gehört, ſo hatte ſie ihm dennoch nicht darin gewehrt, aber heut ſchien das Ge⸗ ſchwätz ſie in ihrem Ideengange zu ſtören, und ungeduldig gebot ſie ihm Schweigen. Mit ſchneidendem Hohne rief ſie bitter:
„Sie ſprechen von Liebe und mein Herz ſchreit nach Rache— Rache! Helfen Sie mir ein Mittel auffinden, un⸗ terſtützen Sie mich, wenn ich eines gefunden, den Stolz, den Hochmuth des Grafen Ohlen zu beugen, ihn auf eine eclatante Art zu demüthigen!— und dann— dann, wenn es gelungen, dann will ich auf Ihre Liebe hören— und ſie erwidern!“
Niemand kam ihm zu Hülfe, obgleich einige Beſucher des Muſe⸗ ums, die ſein Geſchrei hörten, ſich ihm näherten. 3„Was Teufel macht denn der Menſch da?“ fragte Einer von ihnen. „Ach,“ entgegnete ein Anderer, die gute Tuſſaud weiß nicht, was ſie Alles zur Befriedigung ihres Publicums erſinnen ſoll, und ſo wird ſie denn gewiß Jemand gemiethet haben, um den ver⸗ theilten man in London nicht gutlllotinirt, hat ſie die Wahrheit ſo weit getrieben, zu dieſer Rolle einen Franzoſen zu wählen.“
„Zu Hülfe! Zu Hülfe!“ ſchrie der Pariſer.
„Sehr gut, ſehr gut, junger Mann,“ riefen die Engländer. „Vortrefflich geſpielt; bravo!“
„Was gibt es denn?“ fragten andere Beſucher und dräng⸗ ten ſich in Menge herbei. „Der junge Menſch ſpielt da eine Rolle, und zwar mit aus⸗ gezeichneter Wahrheit!“.
„Meine Herren, um des Himmels Willen,“ flehte der Pari⸗ ſer, deſſin Stimme matt wurde,„befreien Sie mich! Aber geben Sie wohl Acht, daß Sie ſich nicht in der Feder irren.— Zu Hülfe! Zu Hülfe!“
„Bravo! Bravo!“ ten laut in die Hände.
Endlich zog der Lärm einen der Aufſeher herbei; er drängte ſich durch die Menge, gelangte bis zu dem Gefangenen und fragte, was für einen Scherz man hier treibe.
Bei dem erſten Worte erkannte der Leidende, daß ihm ein
Helfer gekommen ſei. Er ſuchte ſich mit ſeinem wenigen Engliſch dem Aufſeher verſtändlich zu machen, und dies gelang ihm auch
wiederholten die Engländer und klatſch⸗
in der That, worauf der Engländer ſeinen Landsleuten den Zu⸗ ſammenhang begreiflich machte; aber ſie wollten die Freilaſſung nicht zugeben. Der Gefangene ſeinerſeits aber verlangte laut⸗ ſchreiend augenblickliche Erlöſung.
„Mein Herr,“ ſagte darauf der Beamte,„einer unſerer Be⸗ ſucher holt ſeine Frau, die bei der Wiege des Königs von Rom zurückgeblieben iſt. Haben Sie die Gefälligkeit, ſich nur noch bis zur Ankunft dieſer Dame zu gedulden. Einige Secunden länger können Ihnen ja nichts ausmachen!“
„Aber ich will nicht eine Secunde länger bleiben,“ ſchrie der Pariſer wüthend.
„Wo iſt er? Wo iſt er?“ rief eine Damenſtimme.
„Dal⸗ entgegnete der gefällige Gemahl.
„Zu Hülfe! Ich erſticke!— Ich— kann— nicht mehr!— Zu Hülfe e Siſ
2 Der Unglückliche war ohnmächtig geworden, und die Um⸗ ſtehenden erkannten, daß der Scherz nicht weiter getrieben werden dürfte. So wurde er denn befreik und nicht ohne Mühe in das Leben zurückgerufen. a.
Zur Länder⸗ und Völkerkunde.
Die Poeſie der Steppe. In Mittelaſien, zwiſchen Rußland und China, nach S vorrückend bis zum 42. Grad geographiſcher Breite, dehnt,
weites Land aus, gewöhnlich bekannt unter dem Namen Tatarei.“
Zwei Gebirgsketten, öſtlich der Altaj, weſtlich de


