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lovellen-Zeitung.
Salon und Circus.
Novelle
von
Sophie Verena.
Der neue Circus ſtrahlte in einem Flammenmeere. Tauſende von Zuſchauern drängten ſich hinzu und fanden Einlaß, und eben ſo viele mußten von dannen ziehen mit der Vertröſtung, an einem anderen Abende den Wunder⸗ tempel ſich erſchließen zu ſehen. An einem anderen Abende! — War da aber zugleich das Benefiz für die ſchöne, die gefeierte, die weltberühmte Florita? Konnte man da hof⸗ fen die ausgezeichnete Künſtlerin in den verſchiedenen Rol⸗
len als Reitende und Tanzende zu ſehen? War es nicht
heut zum erſten Male, daß ſie, um die ſich ſeit Wochen alles Reden und Denken einer gewiſſen Claſſe der Bevölkerung der Hauptſtadt drehte, daß ſie, die bis zur Verwegenheit kühne Amazone, aun als Syphilde ſich in den luftigen Schwingungen des Tanzes produciren wollte? Hatten die jungen und alten Herren, unter denen Florita eine Menge von Bewunderern zählte, nicht der Für und Wider ſo viele — ob ſie in dieſer neuen Geſtalt ebenſo entzückend und un— erreichbar ſein würde als in der frühern?
Mit welcher Spannung ſah man dem Abende entgegen, wie hingen jetzt Aller Blicke voll Erwartung an dem Ein⸗ gange, durch den ſie endlich, endlich mit einem kühnen und vollendet ausgeführten Satze daherſprengte und inmitten des lichtſtrahlenden Circus hoch zu Roſſe hielt!— Es war ein ſchönes, ein königliches Weib, dieſe Florita; Grazie und Anſtand in jeder ihrer Bewegungen. Wie ſie auf dem prächtigen Pferde ſaß, gegell deſſen helle Farbe ſich das dunkle Reitcoſtüm um ſo vortheilhafter abhob— wie das edle Thier, als wiſſe es, welche ſchöne Bürde es trage, ſtolz das Haupt emporhielt und trotz ſeiner Ungeduld davonzu⸗ Frgen, von der kleinen und doch ſo kräftigen Hand ſeiner geeiſterin gebändigt, regungslos ſtill da ſtand— wie dieſe „dlich die Hand an die kleine polniſche Mütze legte und St einem Gemiſch von Hoheit und Herablaſſung, Trotz Hd Freundlichkeit grüßte und die flammenden Augen mit
nem ſchnellen, ſuchenden Blick über die ihr zujauchzende tzerſammlung gleiten ließ— das war ein herrlicher An⸗ ſlick!— Und als ſie dann, von den ſchneeigen, duftigen fßewändern wie von leichten Wolken umgeben, den Roſen⸗
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ranz tief in die dunklen, wallenden Locken gedrückt, auf gem Rücken des dahineilenden Pferdes kunſtvolle Stel⸗ ungen und Tänze ausführte, welche ſchon auf ſicherem, ihrer ſüdlich⸗leidenſchaftlichen Bruſt wachrief. O, wie es
feſtem Boden Bewunderung erregt haben würden, da kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Es lag eine Grazie in ihren Bewegungen, ein hinreißender Zauber in ihren aus⸗ drucksvollen Geberden; ihr ſchönes Antlitz leuchtete bald kindlich bittend aus dem Faltenwurf des rothen Shawls hervor, mit dem ſie die reizendſten Stellungen ausführte, dann wieder ſchauten die dunklen Augenſterne ſo unwider⸗ ſtehlich coquett aus der Umhüllung heraus, und endlich ſchwang ſie das flatternde Gewebe wie eine Siegesfahne um ihr edles Haupt, und um die Miene, mit der ſie darein blickte, ſo ſtolz und ſiegesbewußt, faſt erhaben, möchte manche Königin ſie beneidet haben.—
Jetzt war nur eine Stimme unter den Männern, und das ſind doch wohl die einzigen competenten Richter in ſo wichtigen Dingen: Florita war noch hinreißender als Tänzerin denn als Reiterin, und wer dem Zauber ihres Liebreizes widerſtand, den ſie am heutigen Abende mit einer verſchwenderiſchen Fülle ausſtreute, der mußte ein Herz von Granit, oder beſſer gar kein Herz und weder Geſchmack noch Ton haben.„Florita, Florita über Alles!“ ſo lau⸗ tete das Loſungswort an dieſem Abende, ſelbſt bei den Kälteſten! 4
Und Einer widerſtand doch!— Florita ſah es, daß er en allgemeinen Enthuſiasmus nicht theilte; derſelbe kalte, gleichgültige Ausdruck, der ſie beleidigte, empörte, ver⸗ wundete, traf ſie immer von Neuem,— ſo oft ſie nach dem Ob auch ihre wunderſamen Augen
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jungen Mann blickte. leuchtender ſtrahlten und das ſüßeſte Lächeln um ihren Mund ſpielte, wenn das edle Roß ſie in die Gegend trug, in der er ſtill und ernſt an einer Säule lehnte, ihn be⸗ rührte es nicht; er regte nicht die Lippen, in den Beifalls⸗ ſturm einzuſtimmen; aus ſeiner Hand kam keine der Blu⸗ men, die ihr in ſolcher Fülle zuflogen.— Angefeuert, auf⸗ geſtachelt, ſeine Aufmerkſamkeit und Bewunderung um je⸗ den Preis zu erwecken, war Florita bemüht, ihre Vorzüge in das hellſte Licht zu ſtellen. Die Kühnheit und Verwe⸗ genheit ihrer Sprünge, die Anmuth ihrer Schwingungen übertraf alles bisher Geſehene, aber gerade bei einer Stel— lung, welche von der Menge mit einem nicht endenden Ju⸗ bel belohnt wurde, hatte es ſogar verächtlich um ſeine Lippe gezuckt und das ſtolze Auge blitzte zornig.—
Es gelang ihr nicht ihn zu feſſeln, ob ſie demüthig weiblich, kühn und verwegen, herausfordernd coquett war — es gelang ihr nicht. Von den Tauſenden, die ihr zu⸗ jauchzten und deren Bewunderung ſie faſt gleichgültig ließ, war er der Einzige, nach dem ſie fragte, und er beachtete ſie nicht, und geſchah es, ſo war es in einer Weiſe, die ſie empörte und die Dämonen des Zornes, des Haſſes in


