Novellen⸗Zeitung.
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ALBIIMI.
Emma Uiendorf.
Blumenwelt.
Maiglöckchen, biſt Du ſchon erwacht Aus Wintertraum und Winternacht? Du ziehſt ſo ſchnell Dein Röckchen an, So ſchnell wie es kein Andres kann, Und nun im weißen Unſchuldskleid Verkündeſt jubelnd weit und breit: „Der Meiſter Frühling kommt!“ Du liebliche Verkünderin,
Wenn ich auf richt’gem Wege bin, So heißt was Dich ſo emſig trieb: „Mein junges Herz hat gar zu lieb „Den Meiſter Frühling dort!“ Sei Du nur froh, ſei Du nur froh! Dem Frühling geht es eben ſo: Wärſt Du nicht da, er käme nicht; Er ſucht Dein liebes Angeſicht, D'rum kommt er jedes Jahr.
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* Was doch, ſeitdem der Morgen tagt, Der Quell dem blauen Blümchen ſagt? Es horcht ganz freundlich immer zu; Ich glaube gar, er nennt es„Du ⸗ Und plaudert ſchon von fünft’gen Zeiten Und wie er will ſein Haus bereiten. Du biſt wohl treu, Du reines Kind,
Ach, Du weißt nicht wie Männer ſind! Dir iſt die Welt noch kaum bekannt. Biſt Du Vergißmeinnicht genannt, Weil Du im kleinen Blumenherzen Die Ahnung haſt von Liebesſchmerzen?
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Goldkäferchen wird ſich zu Tode härmen, Und Unrecht hat der Schmetterling zu ſchwärmen— Ihr beide dient der Roſe kaum zum Spiel. Sie liebt— und wie! Voll glühendem Entzücken Seh ich ans Herz ſie ihren Liebling drücken: Es iſt der Thau, der friſch vom Himmel fiel!
* X
* Ich hörte ſchon ſo manches Wort, Du, Veilchen, ſei'ſt verliebt Ganz dicht in jenen Schatten dort, Der oft Dir Kühlung gibt? „Er iſt mein Freund, das glaube gern, Doch der Geliebte nicht: Das iſt der Morgen⸗Abendſtern, Der alle Sprachen ſpricht. Ich weiß nur wenig von der Welt Und ſonſt auch nicht viel mehr: Doch wenn mein Stern ſo recht gefällt— Ach ja, das freut mich ſehr! Wann ſingend er durch Wolken bricht Und jedes Herz verſteht, Mich grüßt mit ſeinem hellſten Licht Eh er von hinnen geht: Da werd’ ich ſtolz— ganz heimlich zwar— Und flüſt're unbewußt: Dein bin ich! Dein für immerdar!— Er hat es längſt gewußt.“
Liebesgabe.
Märchen. Mitgetheilt von Emma Niendorf.
Waldſchule.
Mitten im Walde, auf kleinem Fleck Leben viel Blumen im kühlen Verſteck, Lachen froh, wenn die Sonne ſcheint, Weinen mit, wenn der Himmel weint, Spielen zuſammen und haben ſich gern, Beten gar innig und loben den Herrn. Seht die Gentianen, die dunkelb lauen, Denen man alles möcht' anvertrauen! Gänſeblümlein, die Hirtenmagd,. Die Jedem freundlich„Guten Morgen!“ ſagt. Augentroſt, jenes gute Kind,
Das nur auf Liebe und Hülfe ſinnt.
Sein Spielkamerad, die Erika,
Iſt auch mit ihrem Kleidchen da
Von rothem Zeug und nettem Schnitt, b Hilft tüchtig beim Weinen und Lachen mit.
Auch Erdbeerblüthe, im Hemdchen fein, Sieht gar verſtändig und ſchalkhaft drein; Hält viel auf ſich und hat hohe Verwandte: Ananas heißt ihre vornehme Tante.
Die blauen Glocken, die lieben, die ſchönen, Wie müſſen die berrlich im Mondſchein tönen! Und Frauenſchühlein— ſo denk' ich mir— Führet die Wirtbſchaft im Hauſe hier. Schlüſſelblum' iſt Beſchließerin 1
Und Mariengläschen die Kellnerin. 1
Da kommen die Mücken, Käfer und Bienen, Laſſen ſich gern von den Blumen bedienen, Schwärmen davon und vergeſſen den Dank Für den erfriſchenden Morgentrank.
Und der Guckuck auf ſeinem Aſt
Schreit ſein„Guck, Guck, Guck!“ ohne Raſt. Möchte ſchon lange beſtellet ſein Als ein ſehr hoch gelahrt Schulmeiſterlein, Denkt:„Mit den Vögeln iſt es nicht viel, Lernen faſt alles nur ſo im Spiel
Bei ihren Eltern im kleinen Neſt,
Bleiben nicht ſitzen in der Schule feſt; Hat jeder ſein eigen Alphabet,
Daß einem Hören und Sehen vergeht.. Aber den Blumen, die immer ſchweigen, Könnte man Vieles lehren und zeigen; Schienen mir immer gar aufmerkſam,
Wann ich ſonſt auf die Wieſe kam,
Lernen vielleicht noch herrlich ſingen:
Muß ihnen mein„A B C“ beibringen!⸗
Und ſo ſchreit er den langen Tag,
Daß es die Blumen verdrießen mag;
Treibt es fort mit Beharrlichkeit
Die ſchöne prächtige Frühlingszeit.
Nun, Kinderchen, geht in den Wald hinaus Und fraget ſelber die Blümlein aus,
Ob ſie vom Guckuck erlernet haben
Einen von ſeinen Guckuckbuchſtaben.
Darmſtadt, C. W. Leske's Separat⸗Conto. 1858.
[IV. Jahrg
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