Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
224
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meiſt weniger, als ſie verdienen, geſchätzt und die unterhal⸗ tungsbedürftige Menge fällt der Routine ungebildeter Fai⸗ ſeurs nicht ſelten anheim. Auch Herr v. Sternberg, wenn er ſein Talent von der Mitwelt mehr geachtet geſehen hätte, hätte daſſelbe ſelbſt mehr zu achten vielleicht Gelegenheit genommen. Es gibt wenig Leute, die ſo wie er gegen⸗ wärtig faſt in jeder Zeile amuſant zu ſchreiben wiſſen, und unterhaltend, feſſelnd und zum Theil prächtig ergötzend ſind auch ſeine vorliegendenErinnerungsblätter. Dieſer dritte Band fährt fort uns die Portraits zu geben, die vor 1848 in den literariſchen und politiſchen Salons von Ber⸗ lin glänzten. Abgeſehen von ſeinen Beurtheilungen, wie ſind des Verfaſſers Zeichnungen ſo ſcharf und zum Theil wieder ſo fein markirt! Welche ſichere Charakteriſtik, welche präciſe Beobachtung, welche Kenntniß der größeren Welt, welcher Blick für das Eigenthümliche und Komiſche! In ſchnell wechſelnden Bildern werden der Fürſt Pückler, Varnhagen v. Enſe, Laube, Holtei, Meierbeer, Tieck, Witt⸗ genſtein, Stollberg, Eichhorn u. ſ. w. und die hervorra⸗

genden Perſönlichkeiten des damaligen Hofes an uns vor⸗

übergeführt. Vor kleinen Bosheiten ſchreckt der Darſtel⸗ ler nicht zurück, auch Indiseretionen, obgleich er einen langen Verdammungs⸗Paſſus über dergleichen einſchiebt,

ſind bei ihm nicht unerhört: gibt er doch den höchſten Per⸗ ſonen es zu verſtehen, ſie hätten durch ihr Benehmen gegen Autoren davor ſich zu wahren oder anderen Falls ſich deren zu verſehen! Am ſpaßhafteſten bei allem dem iſt es, bei Herrn v. Sternberg das übrigens allerliebſt erfundene und erzählte MärchenKönig Chamäleon zu finden, das mit der Moral ſchließt: Ueb' immer Treu und Redlichkeit Bis an Dein kühles Grab, Und weiche keinen Finger breit VonDeiner Farbe ab!

So gern wir im Uebrigen dem Amuſement ſolcher Lectüre uns hingeben, ſo können wir doch dabei eines un⸗ heimlichen Gefühles vor der Macht eines ſolchenreinſten Talentes uns nicht erwehren. Dieſer Autor gerade zeigt immer noch ein wenig Schelmerei und hat ſeine Farbe zu oft gewechſelt, als daß ſeine Be⸗ und Verurtheilungen einen maßgebenden Eindruck machen könnten. Denken wir uns aber eine ſolche Begabung mit der Larve einer ernſte⸗ ren Geſinnung und eines gehäſſigeren Fanatismus, ver⸗ bunden mit einer conſequenteren Intrigue, welche Ver⸗ wüſtungen könnte ſie in der öffentlichen Meinung an⸗ ſtiften! R. Giſeke.

Allgemeine Uerlag von f. A. Brockhaus in Leipzig.

Karl Gutzkow's b Unterhaltungen am hünslichen Merd.

In den fünf Jahren ihres Beſtehens hat ſich dieſe Wochen⸗ V ſchrift unter Gutzkow's Leitung zu einer der gediegenſten, inter⸗ eſſanteſten und geleſenſten Zeitſchriften Deutſchlands entwickelt: ſie iſt ein Lieblingsbuch des ganzen gebildeten Publicums Deutſch⸗ lands geworden und hat ſich in Tauſenden von Familien feſt ein⸗ gebürgert. Seit dem vierten Bande(dem erſten der Neuen Folge) erſcheint das Blatt in größerem Format und eleganterer Aus⸗ ſtattung. In dieſer ſeiner neuen Geſtalt hat daſſelbe zu ſeinen bisherigen zahlreichen Leſern viele neue Freunde gewonnen.

Wöchentlich erſcheint eine Nummer, doch findet auch eine Aus⸗ gabe in Monatsheften ſtatt. Der Preis beträgt vierteljährlich 20 Ngr. Unterzeichnungen auf das neue Quartal werden von allen Buchhandlungen und Poſtämtern angenommen. Probe⸗ nummern und Monatshefte ſind durch alle Buchhandlungen zur Anſicht zu erhalten.

Im Verlage von Heinrich Matthes in Leipzig erſchienen:

Richard Wagner,

r Anzeiger.

Dr. Richard Pohl,

Inigehe Bwsge

für

Muſiker und Muſikfreunde.

Eine populäre Darſtellung der Akuſtik als Naturwiſſen⸗ 12

ſchaft in Beziehung zur Tonkunſt.

1. Bdchn. 8. Elegant broſchirt 20 Ngr.

Dr. F. P. Graf Laurencin,

Zur Geſchichte der Kirchenmuſik bei den Italienern und Deutſchen.

8. Eleg. broſch. 16 Ngr. Der Herr Verfaſſer übergibt in dieſen wenigen Bogen die Frucht jahrelanger tiefer Studien der Oeffentlichkeit. Er hat zur

Betrachtung ſeines Gegenſtandes einen ganz andern Standpunkt als den, auf dem alle bisberigen Beurtbeiler der kirchl. Tonmuſe

(IV. Jahrg.

2.

)

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3 w l i B r i l f 0. V fußten, gewählt. Auf höchſt ſinnige Weiſe hat er in Anbetracht

Gr. 8. Elegant geh. 10 Ngr.

I. An den Redacteur der Neuen Zeitſchrift für Muſik.

II. An Franz Lißt.

Redigirt unter Venantwortlichkeit von Alphons Dürr in Leipzig. Verlag

des Zweckes der Kirchenmuſik das größte Gewicht auf den zum Ausdruck kommenden religiöſen Sinn des Componiſten gelegt und

beurtbeilt ſo, immer die Wirkung der Muſik bei dem Kirchenbeſu⸗ ſcher im Auge, den Werth der Kunſtſchöpfungen. Das Werk iſt demnach nicht nur für den Muſiker von Fach und den Verehrer der Kirchenmuſik, ſondern für jeden Theologen, dem an Hebung der kirchlichen Feier gelegen, von höchſter Bedeutung.

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ettres.

von Alphons Hürr in Leipzig. Druck von Gieſecke& Dev geipzig⸗

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