Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
202
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202 Novelſen⸗Zeitung. lIV. Jahrg.

ſeiner Donnerſtimme.Reden Sie! Woher kam das Ge⸗ um das Bild wieder aufzurichten und es dann wieder auf räuſch? die Erde fallen zu laſſen, damit Ew. Majeſtät alsdann er⸗ Der Caſtellan richtete ſein Haupt langſam empor und meſſen können, ob es daſſelbe Geräuſch iſt. ſtarrte den Kaiſer mit entſetzten Blicken an.Majeſtät,Ach, Sie haben wenig Reſpect vor Ihrem wandelnden ſagte er feierlich,die weiße Frau hat es verſchuldet. Bilde, rief der Kaiſer lächelnd.Sie wollen es miß- Napoleon zuckte leicht zuſammen, und ſeine Stirn ver- brauchen, um damit Experimente zu machen. Wir wollen finſterte ſich.Hat man mir aber nicht geſagt, daß das annehmen, daß das Fallen des Bildes allein die Urſache alberne Geſpenſt niemals hier ſein Weſen treibe? fragte des Geräuſches geweſen. Jetzt, da es einmal liegt, wird er.Habe ich nicht befohlen, daß man mir ſolche Zimmer es wohl ſtill liegen und uns nicht mehr ſtören, es müßte

gebe, die niemals von dieſem Spuk berührt worden? denn ſein, daß Ihr Bild vielleicht einſchliefe und im Schlaf Majeſtät, dies ſind die Zimmer, die bisher ganz rein ſchnarchte. Wie iſt es damit?

und unangetaſtet geweſen ſind, rief Schluter.Noch nie⸗Majeſtät, ſagte Schluter feierlich,die weiße Frau

mals hat die weiße Frau hierher ihre Schritte gelenkt, und ſchläft niemals!

noch heute Nachmittag ſtand das Bild ganz ruhig drüben Der Kaiſer warf ihm einen raſchen, forſchenden Blick

auf dem andern Flügel des Schloſſes. Ich kann das mit zu und wandte ſich dann ab, um, die Hände auf dem einem heiligen Eide beſchwören. Rücken gefaltet, langſam auf und ab zu gehen. Auf ein⸗ Was für ein Bild? fragte Napoleon ungeduldig. mal blieb er vor dem Caſtellan ſtehen.Was iſt es mit Das Bild der weißen Frau! ſagte Schluter feier- dieſer weißen Frau? fragte er haſtig.Wer war ſie und lich.Ich habe es heut noch drüben im Cabinet geſehen, was erzählt man von ihr? die Thüren waren ſämmtlich verſchloſſen, und jetzt findeAch, Sire, das iſt eine ſehr lange und traurige Ge⸗ ich dieſes große, rieſenhafte Bild auf einmal hier oben in ſchichte, welche die Ahnen der Markgrafen von Branden⸗ der Kammer, grade über dieſem Gemach hier auf der Erde burg betrifft, ſeufzte Schluter. liegen, wie wenn es im Wandeln über irgend einen Gegen⸗Sie kennen die Geſchichte? ſtand geſtolpert und hingeſchlagen iſt. Es iſt das erſteJa wohl, Majeſtät, ich kenne ſie. Mal, daß die weiße Frau auf dieſem Flügel des SchloſſesSo erzählen Sie einmal, aber raſch und ſich zeigt, ihr Bild iſt von drüben hierher gekommen, Gott allein weiß, wie es geſchehen. Sonſt bedurfte es ſechs Männer, um das rieſengroße Bild mit ſeinem ungeheuren Holzrahmen nur von einem in das andere Zimmer zu bringen, und jetzt iſt es auf einmal hier, als wär' es durch die Luft herüber geflogen! Und es liegt auf dem Boden,Ew. Majeſtät, ſagte Schluter zögernd,ich verſtehe als wär' es vom Blitz niedergeſchleudert. mich nicht darauf mit ſchönen Worten zu erzählen, und Ew. Und Sie meinen, daß das Fallen des Bildes das Majeſtät mülſſen gnädigſt verzeihen, wenn ich's ſchlecht Geräuſch hervorgebracht habe? fragte Napoleon. mache. Ich bin davon überzeugt. Wenn Ew. Majeſtät be⸗Wer war die weiße Frau? fragte Napoleon fehlen, hole ich einige Mannſchaft, und wir gehen hinauf, duldig.

befahl Napoleon, indem er ſich auf den Lehnſtuhl Neden dem Kamine warf und Rouſtan mit einem haſtigen Wink ſeiner Hand und dem Wort:Feuer! bedeutete, neues Holz in die Flammen des Kamins zu werfen.

Erzählen Sie! befahl Napoleon noch einmal.

zuſammengebracht zu ſehen, ſo daß die Grundlage zur Kirche be⸗ Die Bajaderen werden ausſchließlich in den Tempeln der reils gelegt ſein wird, wenn der Miſſionär daſelbſt ankommt. In verſchiedenen Hindugötter beſchäftigt und theils bei öffentlichen Oſſamare hat man ſich ebenfalls einen Bauplatz für eine Kirche Feſten, theils bei dem Gottesdienſte, theils zu verſchiedenen Ar⸗ geſichert und in Quithala hat man am Ufer des Fluſſes in einer beiten verwendet. 1 Vorſtadt der Stadt eine Factorei errichtet, die man mit Wohn⸗ Ihren Stand erlangen ſie entweder dadurch, daß ihre Eltern häuſern für die Familien der Kaufleute umgeben wird. C. ſie demſelben weihen und zu dieſem Zwecke in die Tempel bringen, wenn ſie noch ganz kleine Kinder ſind, oder indem die Prieſter ſie 5 als ſolche zu dem Dienſte kaufen. Jdis ſind alle Töchter en Ba⸗ .: jaderen verpflichtet dem Stande ihrer Mutter zu folgen; aber zu⸗ Die Bajaderen. baees werich Zahl der vorhandenen Kinder nichl hin, und in Es iſt bei uns der Glaube ziemlich allgemein verbreitet, daß einem ſolchen Falle, doch auch nur in einem ſolchen, werden kleine die Bajaderen(wie man ſie bei uns fälſchlich nennt) eine Claſſe Mädchen für den Tempeldienſt gekauft. 1 verworfener, ſittenloſer Frauenzimmer ſei, und dennoch iſt dies Dieſe Kinder werden in den Tempeln mit einer Sorgfalt er⸗ keineswegs der Fall, wenigſtens ganz gewiß nicht in dem Sinne, zogen, deren ſich das weibliche Geſchlecht bei den Hindus in keiner den wir mit dieſer Bezeichnung verbinden. andern Claſſe rühmen darf; denn außer dem Tanz und dem Ge⸗ Was zunächſt den Namen betrifft, ſo ſtammt dieſer, wie wir ſange, den nächſten Eigenſchaften, die zu ihrem Berufe erforderlich ihn gewohnt ſind und gebrauchen, von dem portugieſiſchen Worte ſind, werden ſie auch im Leſen und Schreiben unterrichtet und Balladeira(Tänzerin), während der eigentliche, d. h. der nationale ſtehen durch dieſe Künſte in der Bildung weit über der größern Name Devedassi(Liebling der Gottheit) iſt. Menge der Hinduweiber aller Claſſen. 11 Der verächtliche Nebenbegriff, den man bei uns mit dem Ihr öffentliches Erſcheinen hat durchaus nichts Anſtößiges, Worte Bajadere verbindet, rührt größtentheils von einer Ver⸗ ſelbſt nicht in den Augen eines Europäers, der mit den Volksſikten wechſelung mit einer andern Claſſe der Tempeldienerinnen her, nur einigermaßen vertraut iſt; und wenn ſie auch bei allen reli⸗ den Almahs nämlich, oder den Mädchen von Nautch, welche giöſen Feſten, die im Orient ohne Tänze nicht denkbar ſind, ſich ſelbſt bei den Religionsgenoſſen minder geachtet ſind. nach unſeren Begriffen ziemlich frei benehmen, ſo iſt das eben Die Bajaderen bilden bei den Hindus eine eigene Claſſe der ein Maßſtab, den man durchaus nicht anlegen darf, da ſie die menſchlichen Geſellſchaft(Kaſte), bei der freilich das Eigenthüm⸗ Schicklichkeit nach den Begriffen ihres Voltes keineswegs ver⸗ liche herrſcht, daß dieſe Claſſe nur aus weiblichen Individuen be⸗ letzen und unter ihrer Nation, ihren Religionsgenoſſen, weit eher ſteht. Uebrigens ſtehen die Bajaderen unter beſondern Geſetzen in hoher Achtung ſtehen, als daß ſie mit geringſchätzenden Blicken und unter dem beſondern Schutze der Regierung. betrachtet würden. 3 a.

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