Novellen⸗Zeitung.
ALBIIM.
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Adolf Stöber.
Findlingsblöcke auf dem Jura.
Auf Jurahöhn— welch ſeltner Fund! Granitblöck' hin und her verſtreut; Da doch des Jura's Felſengrund
Sonſt kein Granitgebilde beut... V
Als einſt aus unterird'ſcher Nacht Der Alpen Hochgebirg erſtand,
Da ſchleuderte vulcan'ſche Macht O Granitblöck' weit hinaus ins Land.
Von Gletſchern war das Thal noch voll, Und über die kryſtallne Bahn
Kam der Granitblock mit Geroll
Bis auf des Jura's Höhn hinan.
So hört' ich... Armes Findlingsloos! Der harte Vater ſtieß ihn aus;
Doch nahm ihn mild in ſeinen Schoß Des Jura's weites Findlingshaus.
So hat ein Weltgerichtsvulcan Auch Völkertrümmer einſt zerſprengt: Als Findling' irren ſie fortan, Aus ihrer Heimath längſt verdrängt.
Zigeuner, weit vom Gangesſtrand, Und Juden, fern von Kanaan, Ihr ſeht mich hier im Abendland Wie Findlingsblöcke traurig an!
Die Cascade des Nant d’'Arpenaz.
Wie ſtürzt mit Entrüſtung V Der ſchäumende Schwall Sich über die Brüſtung
Vom felſigen Wall! Wie bricht durch die Niſche
Der zürnende Born
Mit wildem Geziſche,
Mit ſprudelndem Zorn! V
Doch eilt ihn zu faſſen Die Reue ſogleich: Nun ſinkt er'gelaſſen, Beſänftigt und weich In ſtäubenden Güſſen, „Vielfarbig durchſprüht, Von feurigen Küſſen Der Sonne durchglüht. V
Wie ſchön, wenn ſich bindet
85 Ein brauſender Muth,
Sich ſelbſt überwindet
Nach zürnender Gluth!
Wie ſchön, wenn die Reue Beſänftigt, was gährt, Wenn Frieden aufs Neue
Das Antlitz verklärt!
Die Steinblöcke auf den Bauernhäuſern.
Wozu die Quaderblöcke dort,
Die auf den Halmengiebeln laſten?
Die flögen leicht in Trümmern fort, Wenn wilde Stürme ſie erfaßten:
Doch unterm Druck hält Dach und Haus In Sturm und Wetter ſtandhaft aus.
ſieh, das iſt der Trübſal Frucht:
Sie hält die Herzen aneinander;
Liegt auf dem Haus des Kreuzes Wucht, So reißt kein Sturm es auseinander. Ein Haus, das nie ein Druck beſchwert, Beim erſten Windſtoß leicht zerfährt.
Der Bärenzwinger zu Bern.
Hoch in Ehren ſtehn zu Bern Allezeit die Bären,
Die man pflegt wie große Herrn Fürſtlich zu ernähren.
Dicht am Stadtthor liegt der Bau, Ganz mit Stein geplattet,
Offen allem Volk zur Schau, Trefflich ausgeſtattet.
Täglich macht die Menge Halt Vor dem Bärengraben, Fragend, ob ſie Jung und Alt Wohl geruhet haben.
Doch die Herrn ſind ſchlecht erbaut Durch ſo viel Audienzen,
Lieber auf der Bärenhaut
Wollen ſie faullenzen
Oft, wenn ſie vom Schlaf erſtehn, Sind ſie guter Launen,
Laſſen ihre Künſte ſehn
Allem Volk zum Staunen.
Grafen ſind ſie wohl, ihr Schild Tragen viele Knappen. Allwärts prangt das Bärenbild Stolz im Berner Wappen.
Ihre Macht iſt ſo in Schwung, Daß zin ganze Schaaren, Wie durch Seelenwanderung, Bälſengeiſt gefahren.
„
1 Sizeh dich nur im Ländchen um, Wiſe mit Bärentatzen Diſe Parteien mit Gebrumm Auif einander platzen.
Neue Reiſebilder aus der Schweiz. Von Adolf Stöber. St. Gallen, Verlabg von Scheitlin& Zollikofer. 1857. 6
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