Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
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. Jahrg. 8

ſtarren For⸗ V der erkennt, à denn, der im Zeitraum ncht der Liebe ebeugt, dann erſt, erſt vor angeſchrieen,

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Reginald blieb alſo zu Clärchens ſichtbarer Zufrieden⸗ heit, und dieſe rief das erſte Mal an dieſem Morgen wie⸗ der heiter:Nun komm, jetzt werde ich Dir den Waſſerfall und das Plätzchen unter der Linde zeigen. Niemals iſt es ſo ſchön auf dem Waſſer als am frühen Morgen.

Die Baronin hatte nichts dagegen einzuwenden, und ſie fuhren alſo auf dem See, über die kleinen in der Mor⸗ genſonne blitzenden Wellen, unter den alten Bäumen und

neben den jungen Büſchen hin, die noch mit den ſtrahlen-

den Thautropfen geſchmückt waren. Ueber den bewegten See und aus den ſchaukelnden Zweigen kamen friſche Mor⸗ genlüftchen(von denen der Schleſier recht boshaft ſagt: jetzt ſtehen die Grafen auf) und trugen die ſchmelzenden Liebeslieder der Nachtigall von einem Ufer zum andern.

Beide legten die Ruder nieder und ließen den Kahn von den Wellen ihrem Ziele zutreiben.

Erinnerſt Du Dich noch der ſchönen Maitage in

Wahlſtatt, liebes Clärchen? begann nach ziemlich langer Pauſe Reginald.

Wie ſollte ich nicht? erwiderte Clärchen.Ich rechne dieſe Tage zu meinen liebſten Jugenderinnerungen.

Was haſt Du denn mit meinen Briefen gemacht?

Ich beſitze ſie noch, und leſe ſie noch oft, und freue mich jedesmal über ſie. Und was iſt aus den meinen ge⸗ worden?

Ich habe ſie alle verbrannt, liebes Clärchen. brenne die meinen doch auch.

Nein, das thue ich nicht, und Du verlangſt es bloß, weil Du Dich jetzt ſchämſt, daß Dir die meinen ſo gleich⸗ gültig geweſen ſind.

Ver⸗

Da irreſt Du ſehr, denn ich erinnere mich noch genau⸗

auf alle; den erſten ſchriebſt Du mir zu Weihnachten, als Du mir die rothe Börſe ſchickteſt; dieſe beſitze ich übrigens noch.

Das iſt wirklich ſehr anerkennenswerth und ſehr wun⸗

derbar! warf Clärchen ſpöttiſch ein.

Dritte Folge.

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Aber ſie iſt ſehr ſchmuzig und ganz zerriſſen, und ich habe ſie ſchon ſehr oft verbrennen wollen, doch ich konnte mich nicht dazu entſchließen.

Da möcht' ich Dir wohl zum Lohn dafür eine neue häkeln?

Ja wohl, das wäre gütig und großmüthig von Dir.

Vielleicht thue ich es. Doch nun ſage, wann haſt Du mir Deinen erſten Brief geſchrieben?

Zu Neujahr wahrſcheinlich, denn er enthielt meinen Dank für Dein Geſchenk und Deinen Brief.

Falſch, grundfalſch! ſiehſt Du, Du weißt nicht das Geringſte mehr.

Nun, wann habe ich Dir denn geſchrieben?

Schon im Herbſt in Wahlſtatt aus Deiner Cadetten⸗ ſtube ins Gaſthaus. Es iſt ein allerliebſter Brief, der hübſcheſte von allen, obgleich er auf einem ganz kleinen ſchmuzigen Stückchen Papier ſteht.

Weshalb ſchrieb ich Dir denn dieſes elegante Billet⸗ doux?

Spotte nur darüber! Es iſt mir doch lieber, als wenn Du mir heute eine Goldtafel mit Brillantenſchrift dafür ſchickteſt.

Wer weiß! Wer weiß! Wenn nur die Goldtafel recht breit und dick und die Brillanten recht groß und voll Feuer wären gälte es eine Wette, möchte ich nicht auf Dich ſetzen. Doch weshalb ſchrieb ich Dir denn über⸗

haupt?

Geſtehſt Du ein, daß Du Nichts mehr weißt? Erſt das Geſtändniß!

Ja, für dieſen Fall geſtehe ich meine Unwiſſenheit. Du ſchriebſt mir in dieſem Erſtlingswerk: Dein la⸗ teiniſcher Lehrer habe Dich verleumdet; aber wahrſcheinlich warſt Du faul oder ungezogen oder möglicher Weiſe auch zerſtreut geweſen.

Gewiß das Letztere, beſtimmt hatte ich nur an Dich gedacht.

Miseellen.

Der culturgeſchichtliche Verein in Weimar. Ddieſe in den weimariſchen Septembertagen geſtiftete Geſell⸗ ſchaft, mit officielem Namen, Verein für deutſche Culturgeſchichte, hat kürzlich(bei Bauer und Raſpe in Nürnberg) den erſtenBe⸗

richt des Centralausſchuſſes veröffentlicht, beſonders abgedruckt

aus derZeitſchrift für deutſche Culturgeſchichte, die bekanntlich von Dr. Joh. Müller und ſch Talte, den Curatoren des Ger⸗ maniſchen Muſeum in Nürnberg, herausgegeben wird. Dieſer Bericht enthält zunächſt nochmals den am 6. Sept. in Weimar erlaſſenenAufruf an die Freunde deutſcher Culturgeſchichte und erläßt alsdann an das Publicum die Aufforderung:.

a) zur Mittheilung ältzeker Familienpapiere je⸗ der Art(Hauschroniken, Tagebücher, Stammbücher, Briefwechſel, Haushallt⸗, Handwerker⸗ und andere Rech⸗ nungen, Hochzeits⸗ yend andere Gedichte u. dgl. mehr) als Materialien zur Keenntniß des Familienlebens und der Sitten einer ffrüheren Zeit ꝛc. ꝛc.

b) zu Mittheiluggen über das Vorhandenſein und den ungefähren Inh alt von Ortschroniken, als eines Mit⸗ tels zur Veranſ ſthaulichung der Entwickelung des Gemein⸗ delebens, der Güter⸗ und Perſonenverhältniſſe u. ſ. w.

Der Ausſchuß,

der des Vereins,

ſchen Cult de der vaterländi⸗

n Culturgeſſchichte, durch Aufſuchung und Zuſen⸗

dung derartigen öh erdurh an ihn eine der fühlbarſten

ein ee unſerer beuktigen Culturgeſchichtsforſchung ergänzen und en der wichtigſt en Zwecke derſelben fördern zu helfen.

ſowie alle Freun

ſo heißt es, erſucht daher alle Mitglie⸗

Dies iſt der praktiſche Geſichtspunkt des erwähnten Berich⸗ tes, der dem Publicum zur Berückſichtigung hiermit empfohlen ſei. Die weitere Aufzählung des bereits angeſammelten Mate⸗ rials mögen die Intereſſirten in der Brochüre ſelbſt nachleſen.

Der erſte, im September ausgegangene Aufruf hat bereits zur Folge gehabt die Bildung von Ortsvereinen zu Weimar, Nürnberg, Meiningen. Denſelben ſchließen ſich eine Anzahl Einzelſtehender Mitglieder an. Der unterzeichnete Central⸗ ausſchuß, in Weimar conſtituirt, beſteht aus Prof. Biedermann als Vorſtand, Dr. Schade als Schriftführer, Buchhändler Böhlau als Caſſirer, Staatsrath Bergfeld und Hofrath Schöll als mit⸗ berathenden und begutachtenden Mitgliedern. Z

daß man die Frauen in

J. J. Rouſſeau hat wohl gezeigt, 3 4 gegen die Männer

der Liebe mehr mißtrauiſch gegen ſich ſelbſt als machen ſollte.Man täuſcht ſich, ſagt er,in der Erziehung, die man den Frauen gibt, und man täuſcht ſie. Man will ihnen vor der Liebe dieſelbe Furcht einflößen wie vor Geſpenſtern; man ſchildert ihnen alle Männer als Ungeheuer von Treuloſigkeit. Zeigt ſich nun ein wohlgebildeter Mann, der zarte Geſinnungen äußert und ein beſcheidenes und ehrerbietiges Betragen annimmt, ſo wird das junge Mädchen immer glauben, daß man ſie getäuſcht hat, und die Rathgeber werden alles Anſehen bei ihr verlieren.

gutes über die Liebe*). V

*) Aus Le Bien qu'on a dit de l'Amour. Bruxelles 1857. Geipzig, A. Dürr.) 4

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