116 Novellen⸗Zeitung.
Hügel mit der ausgeſchachteten Erde aufgeführt worden, und auf der entgegengeſetzten Seite bildete er bei ſeinem Austritt einen kleinen Waſſerfall über ein maskirtes Wehr; hier war im dichten Gebüſch unter einer alten Buche ein verſtecktes Träumerplätzchen angelegt.
„Dies iſt wunderhübſch!“ rief Helene.
„Dies iſt eine Rieſenarbeit,“ ſagte Reginald.„Es iſt doch gerade zu unmöglich, daß Du ſie in dieſem Früh⸗ jahr ausgeführt haſt.“
„Du haſt Recht,“ ſagte Arthur.„Ich habe ſchon im vergangenen Herbſt, als ich auf Urlaub hier war und wenig zu dreſchen aber viel hungrige Leute fand, das Ganze ausſchachten und die Erde dort drüben zu jenem Hügel auffahren laſſen; denn dies konnte auch in meiner Abwe⸗ ſenheit fortgeſetzt und vollendet werden. Jetzt habe ich ihm nur die äußere Form, den Rahmen gegeben. Es hat viel Mühe und Arbeit gekoſtet, das iſt richtig, doch nicht wahr, es iſt auch derſelben werth geworden?“
Alle ſtimmten bei.
„Und was mich eigentlich am meiſten freut,“ fügte Arthur hinzu,„iſt, daß es auch Allen ſo völlig verſchwie⸗ gen blieb.“
„Ein wenig muß ich Dich doch enttäuſchen,“ ſagte Re⸗ ginald,„ganz verſchwiegen blieb es nicht, und ſoll ich Dir ſagen, wie die öffentliche Meinung Dein Werk beurtheilt?“
„Nun?“ fragte Arthur geſpannt.
„Du hätteſt ein großes Loch für die Weihnachtskarpfen graben laſſen.“
Die Damen lachten und Arthur mit ihnen:„Meinen ſchönen See ein großes Loch zu nennen! Wer iſt dieſer malitiöſe Menſch geweſen? Ich bitte Dich, lieber Regi⸗ nald, ſage es mir, er muß geſtraft werden für ſeine böſe Zunge.“
„Nein, theurer Freund,“ entgegnete Dieſer,„ich werde mich wohl davor hüten; denn es war nur Beſchränktheit,
[IV. Jahrg.
aber keine Bosheit, die ihn dieſen Ausſpruch thun ließ; doch ich freue mich immer, wenn ich in der kleinen Welt die große ſich ſpiegeln ſehe.“
„Ich dächte, wir ſähen uns die Herrlichkeiten in der Nähe an,“ fiel Helene ein.„Hier liegt der kleine, be⸗ kränzte Kahn, wer hilft mir einſteigen?“ 4
Man wird ohne Mühe glauben, daß Reginald ſich dieſe ihm ſüße Hülfsleiſtung nicht entgehen ließ; Tante Boddel aber war nicht zur Mitfahrt zu bewegen, ſie meinte, ſie wolle auf die Rückkehr der Schiffenden warten, und ging am Ufer auf und nieder. Wie eine Henne, die ihre Ent⸗ lein ſchwimmen ſieht, ohne an die Kunſtfertigkeit derſelben zu glauben, rief ſie den Davonfahrenden noch unzählige Ermahnungen und Warnungen nach, ſo lange ſie hoffen durfte, daß ihre ſchwache Stimme das Ohr derſelben er⸗ reichte. Unſere Kahngeſellſchaft lachte darüber, wie junge Leute im Gefühl ihrer Kraft gewöhnlich thun den Beſorg⸗ niſſen des Alters gegenüber. Alle Drei waren thätig: Arthur ſaß an der Spitze und bewegte mit ſeinem geſun⸗ den Arm das Ruder zwiſchen zwei Pflöcken; Helene ver⸗ ſuchte vom Mittelſitz aus das Gleiche auf der andern Kahnſeite zu thun, und Reginald ſtand hinten und regierte und beförderte mit gutgeführtem Ruder des Kahnes Lauf. Unter vielen Scherzen, die beſonders Helenens ungewöhn⸗ licher, faſt affectirt forcirter Thätigkeit galten, kamen ſie am grünen Hügel an, und Reginald trieb den Kahn ziemlich ſcharf ans flache Ufer, um das Aus⸗ und Einſteigen für Helene zu erleichtern. Es ging auch auf das Beſte von Statten. Man beſtieg den Hügel und ſah von ihm über die bewegten Baumwipfel wie über einen See von grü⸗ nen Wellen hinüber zu den blauen Bergen, die von der Morgenſonne angeſtrahlt ihre Umriſſe und Höhen aufs Deutlichſte hervortreten ließen, während die beſchatteten Thäler wie tiefe ſchwarze Abgründe erſchienen.
„So iſt es auch mit den Menſchen, welche die Sonne des Ruhmes, der Liebe, des Glücks beſtrahlt,“ ſagte Re⸗
Feuilleton.
— e—
Alrich von Hutten's erſte Flucht. Nach David Stra uß*).
Von einem harten, verſchloſſenen Vater und einer geliebten zartweiblichen Mutter, einer Ottilie von Eberſtein, auf Steckel⸗ berg in Franken 1488 geboren, ward Hutten als ſchwächlicher Knabe, obwohl er der Erſtgeborne war, zum Dienſte der Kirche beſtimmt und vom elften bis ſechzehnten oder ſiebzehnten Jahre im nahen Fulda unter mönchiſchen Einflüſſen erzogen, that ſich jedoch durch wiſſenſchaftlichen Eifer ſo hervor, daß der große preu⸗ ßiſche Staatsmann Ritter Eitelwolf vom Stein bei einem Beſuch in Fulda ihn herauserkannte und dem zum Profeß drängenden Abte zurief:„Ein ſolches Talent wollteſt du zu Grunde richten?“ Mit Hilfe des Freundes Crotus Rubianus entfloh Hutten der Mönchszelle, noch ehe er durch Profeß verbunden, angezogen von dem Lichte auf den Univerſitäten Köln und Erfurt, außer denen er nuch die von Joachim 1. 1506 neugeſtiftete zu Frankfurt a. d. O. beſuchte.
Gleichſam vorbildlich ſteht in dem Jugendleben verſchiede⸗
*) Ulrich von Hutten. Zwei Bände. Leipzig, F. A. Brockhaus. 1858.
ner zur freien Entwickelung und zur Befreiung Anderer berufenen Menſchen eine ſolche Flucht. Der Bruch beengender Verhältniſſe ſpannt und ſteigert die inwohnende Kraft; ein ſtarker Wille nimmt das Schickſal in die eigene Hand; die Feſſel wird geſprengt, und damit hat der Charakter und das fernere Leben ſein bleibendes Gepräge erhalten. So bei Schiller, ſo bei Hutten, verwandten Seelen, nicht allein durch dieſen Zug. Wenn wir nur für Hut⸗ tens Flucht auch die Aufzeichnungen eines Streicher hätten.
Was von poetiſchen Verſuchen aus ſeiner Jugend auf uns gekommen iſt, zeigt im lateiniſchen Ausdruck und Versbau eine hone Fertigkeit. Härten, Ungeſchicklichkeiten fehlen nicht, aber ſie kommen gegen den Wohllaut und Fluß des Ganzen kaum in Betracht.——— Der Gedankengang entwickelt ſich ſchicklich, obwohl ohne ſtrenge Dispoſition. Was die Geſinnung betrifft, ſo zeigen ſich warmes Gefühl für Freundſchaft, Liebe zur Wiſſen⸗ ſchaft und eine ernſte, ſittliche Lebensanſicht. Aber das eigen⸗ thümliche Gepräge von Hutten’s Geiſte trägt noch keines dieſer Gedichte..
Nach allen Seiten hatte der Jün ling ſeine Lehrjahre wohl benutzt; um aber zum Manne, zum Meiſter heranzureifen, hatte er u die Wanderjahre anzutreten, mußte der Widerſtand des Le⸗
—;
— Nr. 8.]
ginald.„ Beſchauene als ſie wi Man zum Waf der gegel wacht bem reitſchaſt glitt der der gewal
der bei Al nicht ind Wankinde derbank ni genblick de ſhon über auf, endet dete bei de
Bei R
für den tie
hllung d
lene wank geworden die ganz
ttung ei
frug: w
da felte gaborlen,
In die
erkandt, x de Kw hoffen he Helene, erwachte mmehr als ihres En bens die ſein bringe
unden
S, S — ZF S


