Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
79
Einzelbild herunterladen

V. Jahrg. Nr. 5.]

zu den Neben⸗ em ſchlangen⸗ Meilen unter⸗ d zwiſchen dem ſtl Linge(von uptſächlich he⸗ eſi einnüͤndet, Livingſton den Abſicht, dieſen die Nachbar⸗ e Freunde, die welche der ge⸗ zttigten Unter⸗ ihn nämlich: uns nicht ta⸗ ageſundes, un⸗ reiſen? Um r Doctor ihnen aſſen, das ſie, at überſenden ndsleute vod⸗ wat, wie man gebuchs, und es n guten Ramen es für den an nämlich in rgab Sekeletu es an Herm hat ſich keine n. Die Be⸗ ſo ſehr durch durch Ole Gi⸗ Hvorgenomwen

dasWas wild rei werden könn⸗

Dritte

Literariſche Beſprechungen.

Graf Mirabeau. Von Theodor Mundt. Vier Theile. Berlin, Verlag von Otto Janke. 1858.

Das iſt nun bald ein Vierteljahrhundert her, als Theo⸗ dor Mundt unter der Aegide des weiland jungen Deutſch⸗ land ſeineMadonna ſchrieb. Wie hat ſich die Zeit, ihr Geſchmack und ihre Literatur ſeitdem verändert! Wir ſehen ſo gern auf jene Vergangenheit als auf eine Zeit der Fri⸗ volität und mancipirten Verworfenheit zurück und halten uns dagegen für eine Gegenwart der ſoliden Reaction, der ſittlichen Reſtauration, werden aber doch beſcheidentlich ein⸗ geſtehen müſſen, daß jene Jahre um die Dreiſtigkeit einer rückſichtsloſen Offenheit, um die eingeſtandene Ehrlichkeit eines kecken Triebes und um den Humor endlich, der eine geiſtreiche Weltanſchauung bis zur amuſanteſten Tollheit auf die Spitze zu treiben geſtattete, nicht wenig zu benei⸗ den ſind. Dürfen wir ſagen, daß wir für die großen Thor⸗ heiten uns große Weisheit, für die liebenswürdigen La⸗ ſter uns ehrfurchtgebietende Tugenden angeſchafft hätten? Während man damals doch noch die Originalität beſaß, excentriſch ſein zu können, laſſen wir uns heutzutage die Abnormitäten der franzöſiſchen Literatur auftiſchen, neh⸗ men die anatomiſch zergliederten Herzensangelegenheiten der Camelias⸗Damen unter die Loupe des Opernguckers, laſſen uns alle ſocialen Virtuoſitäten der Demi⸗monde bis ins kleinſte Detail vor den Lampen ausſtellen, folgen mit fiebernder Spannung den letzten Gefühlszuckungen einer gealterten Maitreſſe, die durch den Anblick ihres er⸗ wachſenen Sohnes mit Schreck daran erinnert wird, daß es hohe Zeit für ſie iſt aus dem Zeitalter des angenehmen Lebens in das des ehrwürdigen überzutreten, und ſind feſt überzeugt, daß wir von alle dem nur Kenntniß nehmen, um durch ſolche Abſchreckungsmittel innerlich ſittlich zu erſtar⸗ ken und aus dem Gefühl unſerer eignen höheren Würde den Vollgenuß moraliſchen Selbſtbewußtſeins zu ſchöpfen, ziemlich ebenſo wie die anerkennungswerth Wißbegierigen, die auf der Leipziger Meſſe nur um der Belehrung willen die anatomiſchen Muſeen beſuchen!

Wer, wie Theodor Mundt, ſolche Komödie des öffent⸗ lichen Lebens ſo recht nahe zu betrachten Gelegenheit hat, weil er ſtets hinter den Couliſſen ſich bewegt, oder gar ſelbſt auf der Bühne eine Rolle ſpielt, wird man es dem verden⸗ ſen, wenn er Vieles im menſchlichen Leben komiſch findet? Und Theodor Mundt hat viel Sinn für das Komiſche, und doch auch dabei den Takt des Künſtlers, der äußerlich ernſt bleibt, auch wenn die Situation, in der er mitwirkt, noch ſo ſpaßhaft iſt. Wir glauben, auch wenn er es öffentlich nicht zeigte, Theodor Mundt lachte innerlich, als er ſeine nodernen Lebenswirren, ſeine Madonna, ſeinen Zodiakus ſchrieb; er lachte offenbar bei ſeinem Mendoza, demVa⸗

ter der Schelme, er lachte ſicherlich auch bei ſeinem Mac⸗ chiavelli, bei ſeinen Matadoren, hat er nicht auch in ſich gelacht, als er der Gegenwart die Vorgeſchichte der fran⸗ zöſiſchen Revolution und ihren Helden Mirabeau jetzt ſchilderte? Ein vielſagendes Lächeln!

Das junge Deutſchland machte ſeiner Zeit Epoche auch zurch die Keckheit, mit der es bei ſeinem erſten Auftreten

folge. 79

gleich die Grenzen der Stylarten überſchritt und die von der claſſiſchen Schule auseinander gehaltenen Kunſtgat⸗ tungen vermiſchte. Laube, Gutzkow, Kühne haben längſt dieſe Caprice verlaſſen und ſich der ſtrengen Technik des realen Drama's und Romanes bemächtigt. Mundt iſt auch da, wo er formell in der Haltung des Romanes aufzu⸗ treten ſchien, der Zwitterſtellung ſeiner erſten Tendenz⸗ ſchriften, zum Theil wenigſtens, treu geblieben, und wäh⸗ rend im Thomas Münzer Geſchichtſchreibung und Roman⸗ inhalt nicht immer völlig vermittelt ſind, ſo begegnen ſich im Mendoza wie in den Matadoren Romaninhalt und abs⸗ tracte Tendenz nicht ohne Differenzen. Das vorliegende BuchGraf Mirabeau ſchließt ſich in ſeiner Geſtalt von Mundt's früheren Sachen am meiſten noch dem Thomas Münzer an; es iſt nicht Roman genannt, iſt aber dennoch den hiſtoriſchen Romanen einzureihen, und zwar hält es unter denſelben eine Richtung ein, die an ſich reiner und correcter als die des Münzer iſt. Die in dieſem Buche ſich ſtets in den Vordergrund drängenden modernen Ten⸗ denzen fallen hier ganz weg, und wenn dagegen auch wie⸗ derum die romanhafte Fabel, die ſpannenden Situationen und die plaſtiſche Geſtaltung der Figuren zurücktreten, ſo gewährt dafür der geſammte Inhalt den Eindruck echt hi⸗ ſtoriſcher Treue, die ſich in zahlloſen memoirenhaften Ein⸗ zelheiten ausſpricht und zuletzt zu einem großartigen ge⸗ ſchichtlichen Gemälde ſich abſchließt. Der Verfaſſer ent⸗ faltet dabei wenig von dem Talente des Romanes, das der ältere Dumas bei Behandlung derſelben Zeit offenbart hat, aber er weiſt dafür auch keine Spur von der Romantik des Unſinns auf, mit der dieſes franzöſiſche Talent einmal un⸗ zertrennlich erſcheint. Schon die verſchiedene Wahl der Helden iſt für die verſchiedene Auffaſſung Dumas' und Mundt's charakteriſtiſch. Der Erſtere macht Caglioſtro zur Hauptfigur, den Gaunermatador, die Kehrſeite einer genialen Zeit: der Andere erwählt ſich den wirklichen Hel⸗ den ihrer Epoche machenden Intentionen, das Genie der parlamentaren Reform.

So weit wir momentan in dem Stoffe orientirt ſind, verfolgt Mundt das Leben ſeines Helden(das bekanntlich ein Danziger Gelehrter, Herr Leewitz, vor einigen Jahren zum Gegenſtande einer geiſtvollen und eingehenden For⸗ ſchung gemacht hat) mit hiſtoriſcher Gewiſſenhaftigkeit. Das Liebesverhältniß mit Henriette von Haren gibt zu⸗ nächſt den romanhaften Faden, an den, in ausführlichſter Behandlung, die Schilderung hiſtoriſcher Perſönlichkeiten und Situationen angereiht iſt. Wir lernen zunächſt bei Madame Helvetius in Auteuil die encyklopädiſtiſche Philo⸗ ſophenſchule und ihr intimes Leben näher kennen, auf das die Leſer durch Brachvogel's rhapſodiſche Behandlung im Narciß ſicher neugierig gemacht ſein werden. In den fol⸗ genden Capiteln iſt die erſte Aufführung von Beaumarchais' Hochzeit des Figaro vor dem Hofe eingeſchoben, wobei die Situation der zuſchauenden Geſellſchaft, die ſich ſelbſt ver⸗ höhnt ſah und doch dazu lachen mußte, ſehr glücklich aus gebeutet iſt. Wir können bei dieſer Gelegenheit nicht um⸗ hin, den Freunden geiſtreicher Lectüre Beaumarchais' Ori⸗ ginal dieſes Stückes(auch von Auguſt Lewald überſetzt) zu empfehlen, da die jetzt faſt allein bekannte Bearbeitung als Operntert nicht im entfernteſten ein Bild ſeines ur⸗ ſprünglichen ſo gewagten, aber auch ſo graziöſen Inhaltes