Jahrgang 
01-26 (1858)
Seite
63
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Literariſche Beſprechungen.

Ludwig Holberg. Sein Leben und ſeine Schrif⸗ ten. Nebſt einer Auswahl ſeiner Komödien. Von Ro⸗ bert Prutz. Stuttgart und Augsburg, J. G. Cot⸗ taiſcher Verlag. 1857.(Schluß.)

Bekannt iſt, daß Holberg, ſo beliebt er bei ſeinem Volke zur Zeit ſeiner Blüthe war, im Alter ſich viel Uebles hat nachſagen laſſen, vorzüglich das, daß er den Geſin⸗ nungen ſeiner Jugend ſo ganz untreu geworden wäre. Man hat ihm beſonders daraus einen großen Vorwurf ge⸗ macht, daß er, der alle Vorurtheile und Standesvorrechte ſo verſpottet, zuletzt ſich habe adeln, in den Freiherrnſtand erheben laſſen und, mit Uebergehung ſeiner armen Ver⸗ wandten, ſein ganzes beträchtliches Vermögen der Ritter⸗ akademie zu Soröe vermacht habe. Seine Zeitgenoſſen fühlten ſich dadurch in einem ſolchen Grade verletzt, daß,

wie er in ſeiner Autobiographie ſelbſt ſagt, ſeine Schriften ſeit dieſer Zeit bei weitem nicht mehr den Beifall hatten wie vorher. Daran ſchloſſen ſich denn die ungünſt gſten Gerüchte, die über ſeine Lebensweiſe in den letzten Jahren im Gange waren und ihn als einen grämlichen, ungeſel⸗ ligen, abſtoßenden, hochmüthigen und eitlen Sonderling ſchilderten. Prutz gibt ſich Mühe, dieſe Vorwürfe theils von ihm abzuweiſen, theils ſie zu entſchuldigen. Beides jedoch, ſcheint uns, will ihm nicht ganz gelingen, und wozu auch das Eine wie das Andere? Im Grunde finden wir weder in Holberg's Schriften noch in ſeinem Leben, ſo weit beide uns hier vorliegen, einen idealiſtiſchen Zug, der ihn dazu hätte bewegen können die Früchte des Lebens, die ſeine Zeit darbot, bewunderte und beneidete, zu ver⸗ ſchmähen und in einem höheren, ſubjectiven Bewußtſein ſeinen Troſt und Lohn zu finden; wäre Holberg der Idea⸗ liſt geweſen, der ſich über ſeine Zeit und ſein Geſchlecht er⸗ hob, ſo hätte er Satiren geſchrieben, die ſeine Zeitgenoſſen gegeißelt, aber nicht ergötzt hätten; daß er aber ſelbſt über ſeine komiſche Kunſt ſagen fonnte, dazu gehöre außerna⸗ türlicher Luſtigkeit und guter Laune zunächſt das Talent, die Leute ſo zu verſpotten, daß ſie noch Gefallen daran finden, das war es, was ihn zu dem glücklichen und be⸗ liebten Humoriſten machte, zu dem Realiſten, der mit der Welt, die ihm entgegentrat und die er geſtaltete, ſich ho⸗ mogen und Eines Stoffes erkannte. Der moderne Menſch, der keine Vorurtheile zu haben meint, der ſich beſſer als die Welt, oder zu gut für ſie dünkt, iſt eigentlich erſt ſeit Rouſſeau erfunden worden; Holberg, der vor dieſem auf⸗ wuchs, kennt noch nicht den Zwieſpalt zwiſchen dem Indi⸗ viduum und der allgemeinen Cultur, zwiſchen der Geſin⸗ nung und dem wirklichen Leben; er iſt noch der naive Egoiſt unter den Egoiſten, und wenn wir eben als einen Vorzug ſeiner Jugend es hervorhoben, daß er in ihr ſeine

naturwuchſige Originalität frei und keck herauslebte, ſo wird ihm dieſelbe Eigenthümlichkeit im Alter wenigſtens als ein Recht zuerkannt werden müſſen. Warum will der Hiſtoriker ſeinen Helden durchaus als ideale Geſtalt hin⸗ ſtellen? Würde es nicht noch dankbarer ſein( und Prutz

Dritte Folge.

artige, naturwüchſig barocke Figur hinzuſtellen, wie er deren ſo viele mit ſolcher Meiſterſchaft und zugleich Lie⸗ benswürdigkeit zu zeichnen wußte? Es läge darin zu⸗ gleich ein Bewußtſein des tragiſchen Verhängniſſes, das auch der Menſchen Gemüth, Geiſt und Charakter am Ende doch der Nothwendigkeit einer gewiſſen natürlichen Ent⸗ wicklung unterwirft, der er nicht entgehen kann, ſo frei er ſich immer dünken mag! War es nicht vielleicht auch das mit der fortſchreitenden Zeit veränderte allgemeine Be⸗ wußtſein, was das folgerichtige Werden einer überlebten Eigenthümlichkeit der Mißdeutung unterwarf?

Außer den näheren Details dieſer Lebensbeſchreibung wird dem großen, Unterhaltung ſuchenden Publicum die Lecture der fernerhin von Prutz ausgewählten und über⸗ ſetzten ſechs Komödien gewiß Intereſſe und vielen Spaß gewähren. Wir empfehlen zunächſt das Urbild despo⸗ litiſchen Zinngießers, deſſen Bearbeitungen, namentlich die von Louis Schneider, noch heute auf der deutſchen Bühne nicht ganz verdrängt ſind.Jean de France hetzt die Lächerlichkeit eines Modegecken, der7 Wochen in Paris geweſen, ein wenig lange ab.Jeppe vom Berge dagegen iſt wieder urdrollig, das Vorbild zu Plötz' verwunſchenem Prinzen und Geibel'sMeiſter Andrea. Der elfte Juni hat eine gewiſſe Aehnlichkeit mit den Stoffen a la Robert Macaire, Robert und Bertram u. ſ. w., bietet aber in dieſer Bearbeitung eine Menge Pointen aus dem Börſenleben und Geldverkehr, die gerade heute wieder recht amuſant ſein dürften. Das fünfte Stück,Die Wochenſtube, iſt uns am liebenswürdigſten erſchienen und muß in ſeiner derben und doch decenten Haltung noch heute jeden Leſer erheitern; einer mildernden und moderniſiren⸗ den Bearbeitung aber iſt ſicher großes Theaterglück zu ver⸗ ſprechen. Endlich derUlyſſes von Ithaka iſt eine Par⸗ odie auf die damalige deutſche Bühne überhaupt und ihre ungeheuerlichen Staatsactionen und Zauberſtücke, wie ſie von fahrenden Komödianten bis nach Kopenhagen gebracht wurden. Der Kampf des Realismus und Idealismus, der auch heute bei uns entbrannt iſt, iſt es, der ſchon in dieſer Parodie einen Ausdruck findet.

Das nun, was uns dieſen über 600 Seiten ſtarken Band am meiſten werth macht, ſind die oben berührten ſpe⸗ ciellen äſthetiſchen und dramaturgiſchen Forſchungen und Anſchauungen, auf die wir hier indeß nicht gut näher ein⸗ gehen können, weil ſie ja doch nur für ein kleines Publieum beſtimmt ſind, und die der, für den ſie von Intereſſe ſind, ſchon im Prutz'ſchen Buche ſelbſt wird aufſuchen müſſen. Von allgemein literarhiſtoriſchem Inhalt ſind die Capitel: Beziehungen der däniſchen und der deutſchen Literatur; Geſchichte der däniſchen Literatur bis auf Holberg; Hol⸗ berg's wiſſenſchaftliche Schriften. Als ganz insbeſondere auf die Aeſthetik des Luſtſpiels ſich beziehend ſind wichtig die Kritik der Holberg'ſchen poetiſchen Werke im Allgemei⸗ nen, die Beobachtung ihrer Einwirkung auf die deutſche Bühne und vor Allem die Anmerkungen, die der Verfaſſer einem jeden der überſetzten Stücke beigefügt hat, unter de⸗ nen wir z. B. die feinen Bemerkungen zurWochenſtube hervorheben, die, den früheren Behauptungen Solger's gegenüber, nicht nur des Verfaſſers moraliſchen Sympa⸗

eben hatte ja doch den Humor und das Darſtellungstalent thien, ſondern auch ſeinem dramaturgiſchen Verſtändniß alle dazu), den greiſen Dichter zuletzt als eine ähnliche eigen⸗ Ehre machen.