1. Jahrg Nr. 4.]
die Menge verſteinert ſchien. Airche herbei, und als er Fiordaliſe mit dem Piſtol in der Hand daſtehn ſah, rief er entſetzt:„Unſelige, was haſt Du gethan!“
„Verdammt mich nicht,“ ſagte ſie ruhig. uon und gelobte bei Heiligen, er ſolle nie eine Andere beſitzen. Seine Treue⸗ ſhwüre hat der Wind verweht, ich habe meinen Eid gehal⸗ n. Wer kann ſagen, daß ich ein Unrecht beging, und wer ſätte anders gehandelt, der ſo glühend liebte wie ich?“
Die meiſten Umſtehenden empfanden eine lebhafte Sym⸗ aathie für das Mädchen; ſie fanden die blutige That ge⸗ echtfertigt durch das ihr widerfahrene Unrecht, und Viele ſefen:„Evviva, es lebe Dein Geſchlecht.“ Nur die Ver⸗ nandten und Freunde der Braut ſchwiegen düſter, und der Prieſter beſchäftigte ſich theilnehmend mit der jungen Witwe, die ohnmächtig geworden war.
Fiordaliſe wurde verhaftet, und Alle beklagten ſie des⸗ halb, während der armen Marietta eine viel lauere Theil⸗ nahme gezollt ward. Pietro bemitleidete Niemand; Män⸗ ner und Frauen, und beſonders die Mädchen, fanden ſein Schickſal durchaus gerecht, und Viele rühmten Fiordaliſens Muth.„Wie Pietro müßten alle Eidbrüchigen ſterben!“ ſieß es nach corſiſchem Gefühl, und„Blut iſt die einzige benugthuung für einen Schimpf.“
Angelo, der junge Hirt, vernahm endlich auch die Ge⸗ ſhichte, welche ſich wie ein Lauffeuer verbreitete; er kam, ſuchte Fiordaliſe im Gefängniß auf und machte ihr Vor⸗ vürfe, daß ſie ihm nicht einen Wink gegeben und die Rache uberlaſſen habe.
„Ich liebte
Dritte folge.
der gebenedeiten Jungfrau und allen Blu Adett ſt 1 mußte. Uebrigens iſt ein Verbrechen, das ein Weib aus
den.
Der Pfarrer eilte aus der eines Dritten überflüſſig. Dennoch danke ich Dir herzlich
für Deinen guten Willen.“
Der Pater hielt es für ſeine Pflicht, der jungen Mör⸗ derin ins Gewiſſen zu reden. Sie war aber ſo vollkom⸗ men ruhig und hielt ihre That für ſo natürlich, wie der Bluträcher ſeine Vendetta, daß der Geiſtliche verſtummen
änkter Liebe verübte, wohl ſelten ſtreng beurtheilt wor⸗
Auch ereignete ſich bald etwas, das dem Prieſter die That ſeiner Verwandten als eine Fügung des Himmels erſcheinen ließ.
Man hatte ſich nämlich ſchon früher im Stillen ge⸗ wundert, woher Pietro das Geld zu dem Kauf des Hau⸗ ſes genommen hatte. Während des Begräbniſſes kam durch den Ort ein Bürger aus Corte, welcher einige Zeit in feindlicher Gefangenſchaft geweſen war. Er betrachtete den Getödteten und erklärte, daß er ihn in Calvi geſehn, wo er den Genueſen Nachrichten von den Bewegungen der corſiſchen Truppen überbracht habe. Jetzt war der Grund von Pietro's Wohlhabenheit nicht mehr dunkel und ſein Name der Gegenſtand allgemeinen Abſcheu's. Fiordaliſe wurde dafür geprieſen, daß ſie Corſica von einem Verrä⸗ ther befreit habe, und der Richter nahm daraus Veranlaſ⸗ ſung ihr die Strafzeit zu erlaſſen und ſie in Freiheit zu ſetzen.
Fiordaliſe war dieſe Entdeckung unlieb.„Es heißt
gekr
nun, mein Arm ſei ein Werkzeug der gerechten Strafe Got⸗ tes geweſen,“ ſagte ſie zu dem Curate,„aber das freut mich wenig; ich war ja in meinem Recht, und jetzt habe ich noch den Schmerz, daß ich einen Elenden liebte, der des doppelten Treubruchs, an mir wie am Vaterlande, fähig war.“
heraus⸗
„Ich danke Dir!“ ſagte ſie freundlich.„Aber ich aaachte, meine Hand ſei ſtark genug, dazu und Du ſiehſt, aaß ich nicht irrte. Wozu ſeine Freunde mit dem beläſti⸗
ſen, was man ſelber abmachen kann? Es war das eine aache zwiſchen mir und Pietro— und die Einmiſchung
Pietro's Blut hatte die Liebe wie den Haß gegen ihn aus Fiordaliſens Herzen gewaſchen, und ihre ſtählernen Nerven waren von der gräßlichen Kataſtrophe erſchüttert, V aber nicht zerrüttet. Sie war wieder wie früher, ehe ſie
Zur Statiſtik.
Die Bevölkerung von Belgien.
der Vergötterung des oberflächlichen Kopfrechnertalents wagt faſt Keiner entgegenzutreten!
„Ach, Sie begreifen unſere Zeit nicht,“ ſchilt mich der„Bru⸗ der in Coſel⸗Oderbergern.“ ſ Küchſe, Moneten aufzählen können, wenn Sie das können, ſo ſind Sie was! Blicken Sie nur in die Zeitungen! Deren ganzes Geſchreibſel dreht ſich zum größten Theil um die Börſe. Sie
ſhun zwar ſo, als kümmerten ſie ſich um das, was ſie höhere In⸗
kgeſſen nennen, dabei aber beten ſie tagtäglich die Börſenberichte it einer Art Andacht her, als wäre es das Vaterunſer.“ „Meinetwegen, die Thatſachen ſprechen für Sie, ſorgen Sie
ho 5, 6 2 9— aber nur bei Zeiten dafür, daß dort oben über dem Sternenzelt
richt bald eine Börſe gebaut werde! Vielleicht ſieht man da Co⸗ ſl⸗Oderberger, junge Darmſtädter, Jaſſyer u. ſ. w. mit ganz andern Augen als hier unten an.“ 4 1.„Ach ſo, Sie ſind ein Schwärmer!— Uebrigens werden
Sie doch zugeben, daß dem Staate bei jetziger Geldnoth die Ver⸗ pflichtung obliegt, Hülfsmittel herbeizuſchaffen?“—
„Ich will mit einer Gegenfrage antworten, geehrter Herr: Wenn in irgend einer ſtaatlichen Branche ein oder zwei Drittel der Candidaten durchs Examen fielen und dieſe Candidaten gin⸗ gen den Staat mit der Forderung an, dem maſſenhaften Durch⸗ fall dadurch abzuhelfen, daß das Examenreglement gemildert werde — was würden Sie ſagen?“
„Faule Jungens!“—
Na dito— Händler mit Verſtand, faule Jungens! Re⸗ vanche für Pavia!“—
„Adieu!“—
„Adieu.“ E. M.
„Auf die volle Taſche ſchlagen,
Bekanntlich werden in Belgien ſtets genaue ſtatiſtiſche Anga⸗ ben über die Bevölkerungsverhältniſſe des Landes veröffentlicht. Wir glauben, daß vielen unſerer Leſer nachfolgende Angaben aus der am 31. December 1857 vorgenommenen Zählung über die Bervölkerung der verſchiedenen Provinzen des Landes nicht unin⸗ tereſſant erſcheinen werden.
Die zweite Colonne weiſt das Procent des ſeit der vorherge⸗ henden Zählung ſich ergebenden Bevoͤlkerungszuwachſes nach.
Zuwachsproc.
Antwerpen. 434,485+ 7 Brabant 748,840+ 8 ½ Weſtflandern 624,912— 212 Oſtflandern 776,960— 21½ Hennegau. 769,065+ 71 ⁄½ Lüttich. 503,662+ 11 Limburg 191,708+ 3 Luxemburg 193,753+ 4 Namur. 286,075.O+ 8 ½ das Königreich 4,529,460.+ 4
Das Reſultat eines Geſammtzuwachſes von 4 Procent inner⸗ halb einer Periode von zehn Jahren erſcheint um ſo ungünſtiger, als ſich für die Decennalperiode 1841 bis 1850 eine Vermehrung von 8 ⅜ Procent herausgeſtellt hatte. Von der Summe 4,529,460 kommen 3,348,090 oder 73 Procent auf die ländliche, 1,181,370 oder 27 Procent auf die ſtädtiſche Bevölkerung. Mit dem Stand


