Jahrgang 
01-26 (1857)
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ige XIV- iſt den Dieſer rie Jer⸗ z6tt lachen

(GGenug⸗

Nr. 26.)

* gedicht von Cark grunert.

Vor einer Karruſfulltze

A (Auf Norderney 185.)

Dritte Folge.

Der Abend ſinkt; das Meer ruh aus, am Rande

Des Himmels zieht ein Schiff; das Glöcklein mahnet Zur Heimkehr, und ich ſuche mir im Czande Den ſchmalen Pfad, der ſich zum Do ſfe bahnet.

Da lacht vom Dünenfeld der kahlen Küſte Mir friſches Grün im Blüthenſchmuck outgegen Und lobt das karge Brod in dieſer Wüſte, Des armen Fiſchers ſpäten Ernteſegen.

Wie oöft bin ich an dir vorbeigegangen,

Du ſchlichte Blüthe, ohne dein zu achten; Nun ſteh' ich plötzlich überraſcht, befangen In ſtiller Rührung, um dich zu betrachten.

Es drängt mich, deinem keuſchen Blüthenmunde Mit meinen Lippen liebend zu begegnen,

Und aus dem Bronnen tief im Herzensgrunde Quillt dieſe Thräne, dankend dich zu ſegnen.

So mag wohl dort, wo durch das heil'ge Schweigen Der Mondesnacht des Ganges Wogen rauſchen, Der Hindu ſich zum Lotoskelche neigen,

Des Werdens ſtilles Wunder zu belauſchen.

So mögen Hirten, wenn ſie von den Seen Des kahlen Libanon zu Thale ziehen,

In Sarons Eb'ne plötzlich ſtille ſtehen Und ſich vor einer Roſe niederknieen.

In frommes Lila liebſt du dich zu kleiden, Du kleiner Stern. Wer dich zuerſt entdeckte, Er brauchte keinen Orden zu beneiden,

Wenn er als Zier an ſeine Bruſt dich ſteckte.

Du grüßteſt mit ſo frohen Kindesblicken

Die fremden Schiffer in der Heimath Buchten, Daß ſie, zufrieden nicht, dich abzuknicken, Nach deinem Herzen in der Erde ſuchten.

.

Wie ſchön biſt du! Aus deines Kelches Schafte Erheben ſich in leiſem Grün fünf Strahlen,

Ein Springborn aus der Wurzel reinem Safte Den gelbe Spitzen leicht mit Schaum bemalen.

Das Wunder deines Reizes zu vermehren,

Flammt glühend aus der Mitte deiner Dolde, Gleich einer Krone wohlverdienter Ehren Fünffach gezackt ein Kranz von rothem Golde.

Und über ihm, wie Fäden der Libelle

So zart und ſchmiegſam, ja kaum ſicht bar webet Ein Halm von grünem Duſt, der aus der Quelle Des Lebens ſehnſuchtsvoll zu Tage ſtrebet.

So halt' ich dich, du kleine Opferſchale, Darauf der Erde Speiſe lieblich blinket, Unwürdig nicht zu blüh'n am heil'gen Grale, Aus dem der Chriſt die ew'ge Hoffnung trinket.

Ach, ſieh! Ein Käferchen naſcht an dem Staube

Des goldnen Seimes, der mein Herz erfreute.

Tritt her zu mir und bete, frommer Glaube:

Er gibt uns unſer täglich Brod auch heute!

Arſprung des Wortes Etikette.

Es gibt Worte und Begriffe, die ſo allgemein verbreitet ſind daß Jedermann ſowohl das Wort, als deſſen gegenwärtige An⸗ wendung und Bedeutung kennt, und deren Urſprung und erſte Bedeutung gleichwohl nur ſehr Wenigen bekannt iſt. Dahin ge⸗ hört ohne Zweifel auch das jetzt ſo vieldeutige Wort Etikette.

Es ſtammt aus jener Zeit, wo die lateiniſche Sprache noch beinahe ausſchließlich an den Schranken des Gerichtes geſprochen wurde. Damals ſchrieben die Advocaten auf die Actenfascikel der verſchiedenen Parteien: Est hie quaestio. Daraus entſtand durch Abkürzung: Est hic quaest und allmählich durch Corrumpirung E ti kett ſo viel als Aufſchrift. a.

Vom Münchener Hoftheater.

In dem Auszug aus der, auch hier nach Verdienſt ge⸗ würdigten, Theaterſtatiſtik des Hrn. v. Küſtner wird unter den 1 packt geweſen iſt, ſaugen ſie aus.

Angaben der wachſenden Einnahmen verſchiedener Hofbühnen bei der Münchener dieſer Zuwachs auf die jährliche Durchſchnitts⸗ ſumme von 10,000 fl. veranſchlagt. Dazu bringt die Allg. Ztg. folgende Berichtigung aus München:Wenn Hr. v. Küſtner, wie es ſcheint, in ſeiner Berechnung bei der Münchener wie bei der Berliner Hofbühne die Reſultate ſeiner eigenen Verwaltung als Ausgangs⸗ und Vergleichspunkt genommen hat, ſo beträgt die jährliche Zunahme der hieſigen Theatereinnahmen nicht 10,000, ſondern 30,000 fl. Im Jahre 1841/42, dem letzten der Küſt⸗

ner'ſchen Sntendan dahier, beliefen ſich die Einnahmen in runder

Summe auf 66,00

fl.; ſie ſind in den letzten fünf Jahren auf 88,

90, 92, 94, 97,000 fl. geſtiegen.

ausartet.

Ebenſo wie die Summe der Tageseinnahmen hat ſich die des Jahres⸗Abonnements vermehrt, welches Hr. v. Küſtner gänzlich außer Anſatz gelaſſen, daſſelbe belief ſich im Jahre 1841/42 auf etwas über 38,000 fl. und erreicht im laufenden Jahre 1856/57 die runde Summe von 60,000 fl. Wir geben dieſe Berichtigung im Intereſſe der ſchätzbaren Arbeit des Hrn. v. Küſtner, welche, je genauer und vollſtändiger ſie wird, um deſto mehr an Werth gewinnt.

Die Leidenſchaft der Lappländer für den TCabak.

Die Lappländer lieben den Tabak mit einer Art von Raſerei; er gehört für ſie zu den unentbehrlichſten Elementen des Lebens. Der Tabak gewährt ihnen einen Genuß, der oft in Verzückung Ein Lappe, der ſich keinen Tabak verſchaffen kann, geht ſo weit, Stücke von den Blaſen zu kauen, in denen er ent halten war; ſelbſt die Breter von Fäſſern, in welche Tabak ver⸗

Die Lappen ſind eben ſo für die Pfeife wie für das Prümchen eingenommen. Kauen ſie Tabak, ſo ſpucken ſie ſich oft in die Hände, halten dieſe dann vor die Naſe und ſaugen mit Entzücken den Duft aus dem tabakdurchzogenen Speichel ein. Nach den Mahlzeiten rauchen ſie regelmäßig, und wenn der Tabak Einem ausgeht, ſo ſetzen ſie ſich in einen Kreis und reichen die Pfeife von Einem zu dem Andern, damit jeder der Reihe nach ſeinen Mund voll Rauch bekomme. a.