dann auch mitunter recht wacker, aber durchaus nicht ge⸗ mein, auf die Fadheit, Blaſirtheit der jetzigen Zeiten, welche
des Hofſtaates des gnädigen Fürſten keinerlei Vergleich aushalten könnten.
„Ja, ja!“ ſagte er.„Die Schlechtigkeit und Treu⸗ loſigkeit der Menſchen iſt groß,— die Revolution hat alle Tugenden, alle gute Eigenſchaften von der Welt verſcheucht. Man hat gemordet, nichts fand Pardon. O Du mein Stolz, meine Freude, mein Glück! Auch Du biſt hin! Auch Du mußteſt fallen unter ihren Händen, und keine Schonung ward Dir, ſo ſehr ich auch flehte!“
Vom tiefſten Schmerz ergriffen ſaß der Alte da,—
der Erinnerung ſolchen tiefen Gram verurſachen konnte. Ich ſah mit dem tieſſten, innigſten Mitleid auf den Alten, deſſen Geiſteskräfte von der Wucht eines großen Verluſtes, vielleicht durch die gewaltſame Ermordung ſeiner Braut, total niedergedrückt wurden und nie mehr ihre Schnellkraft wieder erlangt hatten. Ich machte gar nicht den Verſuch ihn zu tröſten, da es mir hier doch vergebens ſchien.
„Ja, ſeitdem Du dahin biſt!“ fuhr der Alte in ſeinen ſchmerzlichen Erinnerungen fort,„ſeitdem Dich die Grau⸗ ſamen hinweggenommen,— gab es Nichts mehr in der Welt für mich. Du warſt meine Kraft, durch die ich Alles vermochte!! Ach, Herr, lachen Sie nicht! Aber ich weiß
den Geliebten, hinopferten, und ich mußte zuſehen, es dul⸗ den, ohne Macht— es zu hindern. Wenn Sie ihn ge⸗ ſehen hätten in ſeiner vollen Blüthe, wie er ſchön war, Sie würden meinen Schmerz begreiflich finden. ſtaltet, ſo ſchlank, ſo voll Kraft und doch ſo zierlich war keiner mehr am ganzen Hofe, und die Herren wie die Da⸗ men, beſonders aber die jungen Hoffräulein richteten ihre Augen auf ihn und konnten ihre Blicke nicht von ihm ab⸗
Novelſen⸗Zeitung.
Sätzen darüber, holte öfters tiefe Seufzer und ſchimpfte
mit den alten Tagen des heiligen, römiſchen Reichs und
es mußte etwas Furchtbares geſchehen ſein, was ihm noch in
ja, Sie ſind keiner von den herzloſen Menſchen, die ihn,
So ſchön ge⸗
wenden, wenn ich mit ihm erſchien. Darum hielt ich ihn auch ſo werth, ſo ſehr, ſo unausſprechlich werth, und faſt alle meine Zeit verwandte ich auf ſein Wohl, ſeine Aus⸗ ſtattung. Aber wie alles Ausgezeichnete auf Erden den Neid der ſchlimmen Menſchen erregt, ſo war es auch bei ihm. Er war ja zu ſchön, zu auffallend bevorzugt, um nicht den Neid der Andern zu erregen— und ach! ſo fiel eer ohne Gnade unter ihren ſchonungsloſen, unbarmherzi⸗ gen Händen. Er mußte fallen, ich mußte es mit anſehen und konnte nichts thun, als ſeine Leiche mir zu bewahren und ſie täglich mit meinen Thränen zu benetzen.— Ach, Herr! das war eine Zeit!! Alles war für mich dahin, mein Gehirn war angegriffen und ich habe mich ſeitdem nie wieder erholt. Doch—“
Hier unterbrach ſich der vom Schmerz ganz ergriffene Mann, und ich ſprach mit gerührter Stimme, die ihm mein Mitgefühl andeuten konnte:„Erholen Sie ſich, mein theu⸗ rer Herr, erholen Sie ſich zuerſt, und dann erzählen Sie V die Geſchichte ihres Unglücks vollends. Sie dürfen ver⸗ ſichert ſein, an mir einen mitfühlenden Zuhörer zu haben, der Ihren Schmerz über eine ſo fluchwürdige, für Sie ſo
entſetzliche That ſtets zu würdigen wiſſen wird!“
„Nein! Nein! Mein junger Freund!“ erwiderte ſanft der Alte.„Ich erzähle für jetzt nichts mehr. Aber kommen Sie heute Abend um neun Uhr hierher, ſo ſollen Sie alles
Uebrige erfahren!“ Ich verſprach es und wir ſchieden mit gegenſeitigem warmen Händedruck. Der Nachmittag wurde mir, als ich zu Hauſe angekommen war, unausſtehlich lang, und ich meinte vor Ungeduld zerſpringen zu müſſen, bis der Abend herbeigekommen. Denn daß ich außerordentlich neugierig auf die völlige, deutliche Erzählung der blutigen That, von der ich eigentlich noch nichts Beſtimmtes wußte, war— wird der Leſer wohl begreiflich finden. Das war mir klar, daß der Geopferte, welcher ſo viele Liebe einflößen, ſo gro⸗ ßer Anhänglichkeit und Treue theilhaftig war, ein ausge⸗
Fürſt Raunitz.
den weitern Verlauf der Handlung verfolgen mögen: Trotzdem die Vormittagsſonne an den Fenſtern brannte
von ſeinen Subalternen Vorträge anzuhören. In Bezug au zu welcher Zeit er ſich mit wichtigen oder unwichtigen Dingen be ſchäftigte, er war immer und überall Derſelbe, ſich und alles An dere beherrſchend. dem Oberkörper aufrecht im Bette.
Man würde ihn in der aufrechtſitzenden und durch keine Be
Dieſe Skizze entnehmen wir aus dem kürzlich bei F. A. Brockhaus erſchienenen Roman:„Maria Thereſia und ihre Zeit von Franz Carion,“ in deſſen ſpannender Erzählung die Leſer
waren die letzteren doch noch feſt verhangen, denn Graf Kaunitz hatte das Bett noch nicht verlaſſen; es war ſeine Gewohnheit, in dieſer Situation die wichtigſten Staatsgeſchäfte abzumachen und
einen Mann wie Kaunitz blieb es ſich in der That gleich, wo und Steif und gänzlich bewegungslos ſaß er mit
wegung des Körpers geſtörten Stellung für eine Bildſäule haben blieb. halten können, wenn nicht das jeweilige Aufſchlagen ſeiner Lider die großen, ruhigen, ſchön blauen Augen bemerkbar gemacht und ſeine Blicke den tiefen ihm innewohnenden Geiſt verrathen hätten. Der
Feuilleton.
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ganz weiße Teint ſeines Geſichts lieh demſelben eine Zartheit, wie
man ſie nur an jungen Mädchen bemerkt, welche ängſtlich gegen
das ſcharfe Anwehen der Luft verwahrt werden. Auch er hütete
ſich, dem Eindrucke der Luft ſich auszuſetzen, und konnte demnach von ſich ſagen, er ſei ſeiner Schönheit Hüter geweſen, wenn näm⸗ lich ein weißer Teint bei einem in die Funfzig eingetretenen Manne als Schönheit betrachtet wird. Zu dieſem ausgezeichneten Teint paßte das blonde Haar, das jetzt, wo er keine Perrücke trug, ſondern nur ein weißes feines Tuch über den Kopf zu beiden Seiten herabhängen ließ, deſſen geſtickte Zipfel auf ſeinen Schultern ruhten, an mehrern Stellen ſichtbar ward. Daſſelbe Geſicht würde ohne den weißen Teint nichts beſonders Auffallendes gezeigt haben, ⸗ denn ſeine Stirne war wenig gewölbt, die gebogene Naſe hielt ſmit dem etwas mehr hervorſtehenden Kinn nicht gleiche Linie, was jedoch für die Mundpartie ein Vortheil war, da ſie durch dieſe Ungleichheit in der Linie der beiden vorſpringenden Theile nicht ² zurückgedrängt wurde und der edle Schnitt des Mundes ſichtbar Die Jahre hatten, obwohl heftige Gemüthsbewegungen nie oder wenigſtens äußerſt ſelten die Ruhe dieſes großen Staats⸗ V manns trübten, doch auch ſeinem Geſicht ihre Spuren eingedrückt.
Im Verhältniß mit ſeiner muskulöſen hagern Geſtalt war auch
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III. Jahrg. 4
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