Jahrgang 
01-26 (1857)
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Nr. 24.]

Literariſche Beſprechungen.

Familien⸗Abende. Ein Novellenkranz von Hein⸗ rich König. I. Täuſchungen. Hiſtoriſche Novelle. Frankfurt a. M., Meidinger. 1857.

Die thätige Verlagsbuchhandlung hat mit dieſer No⸗ vellenſammlung die Abſicht, gerade ſolche Sachen zu bringen, die mangemeinſam leſen ſoll. Sie ſagt im Proſpect:

Eine richtige Auswahl zu treffen bei einer Lectüre, die Alt und Jung zu gemeinſchaftlicher Theilnahme ver⸗ einen ſoll, iſt bei den maſſenhaften Erſcheinungen ſolcher Bücher, die nur darauf ausgehen leichtfertig zu zerſtreuen, immer ſchwer, und heute, wo die gebildete Welt auch noch andere Anſprüche an ein gutes Buch ſtellt, als bloßZer ſtreuung verlangt, dürfte es ſich wohl als ein Familien⸗ bedürfniß geltend machen, für eine Literatur beſorgt zu ſein, die, indem ſie den Zweck desVorleſens ſtreng im Auge behält, ſich nachsoethe's Bezeichnung zum Ziele ſetzt, durch innere Heiterkeit, durch äußeres Behagen uns von den irdiſchen Laſten zu befreien, die auf uns drücken.

DieFamilien⸗Abende werden nur neue Novellen des beliebten Autors bringen und es wird hierin ſittlicher Gehalt, jedoch ohne Pruderie in rein menſchlichen Ver⸗ hältniſſen, vaterländiſche Geſinnung, geſchmackvoller Vor⸗ trag zu dem ſich geſellen, was eine poetiſche Darſtellung durch klare anmuthige Sprache, heiteren Humor bei tiefe⸗ ren Lebensblicken, lebhafte Entwicklung und kunſtgerechte Abrundung für gebildete Leſer ſo anziehend macht und neben einer feſſelnden Unterhaltung auch eine innere Samm⸗ lung und Erhebung zuläßt.

Von Zeit zu Zeit wird ein neues Bändchen gleicher Ausſtattung und annähernd gleicher Stärke nachfolgen.

Dritte

folge. 383 Die vorliegende erſte Novelle iſt eine hiſtoriſche und ſpielt in der Zeit derClubbiſten in Mainz, dieſes bedeu⸗ tendſten Romans unſeres Autors. Wenn ein berühmter Literarhiſtoriker jenen Romanein modernes geſchichtliches Epos in großem Styl und intereſſanter Maſſenentwick⸗ lung nennt, ſo führt uns dieſe neue Novelle in einfachere, ſtillere, mehr häusliche Kreiſe jener merkwürdigen Zeit und entwickelt uns in einem wunderbaren Spiel von Täu⸗ ſchungen die Nichtigkeit eitler Beſtrebungen, über welche ſchließlich die innere Wahrheit des Herzens ſiegt.

So die Verlagshandlung. Geleſen zu werden, iſt der Zweck, den jede Verlagshandlung bei ihren Büchern hat, und wenn es der der Meidinger'ſchen ſpeciell iſt, vor⸗ geleſen zu werden, ſo iſt auch das ein ganz natürlicher. Ob aber dieſer natürliche und löbliche Zweck mit einer gan⸗ zen Reihenfolge einzelner Erſcheinungen ſich wird erreichen laſſen, iſt freilich eine andere Frage. Gemeinſam pflegt man in Familien ſonſt wohl nur das zu leſen, was aus den Producten des literariſchen Marktes der ausgedehnteſten und zugleich der eingehendſten Aufmerkſamkeit werth gefun⸗ den wird, und daß dieſelbe Verlagsbuchhandlung durch den⸗ ſelben Autor in dieſer Weiſe längere Zeit die übrige Li⸗ teratur beherrſchen könnte, erſcheint denn doch mehr als zweifelhaft.

Was die vorliegende Novelle betrifft, ſo iſt damit ſol⸗ cher Zweifel nicht widerlegt. An ſich ſelbſt, ohne weitere Prätention erſchienen, wäre dieſelbe als eine ſehr elegant und leicht geſchriebene Erzählung zu empfehlen geweſen, nicht weniger intereſſant als das Beſte von dem, was jahr⸗ aus und jahrein an hiſtoriſchen Novellen zu erſcheinen pflegt.

Um aber über die conventionelle Unterhaltungsliteratur ſich zu erheben, fehlt es dieſer Erzählung doch an allem ſtofflichen Gewicht und Intereſſe. Mit einer an die Leich⸗ tigkeit franzöſiſcher Luſtſpieldichter erinnernden Geſchick⸗ lichkeit werden uns ſpannende Situationen auf Situatio⸗

Zur Länder⸗ und Völkerkunde. Der Berg Pellegrino.

Der Berg Pellegrino, welcher die Stadt Palermo beherrſcht, verdankt die Berühmtheit, deren er genießt, zum größten Theile den ſehr zahlreich beſuchten Pilgerfahrten zu der Kapelle der heiligen Roſalie. 7

Lange Zeit wurde die Grotte, welche jetzt der Heiligen ge widmet iſt, nur von Hirten beſucht, die dort eine Zufluchtsſtätte fanden. Einige Trümmer, die auf dem Gipfel des Felſens ver⸗ ſtreut umherlagen, boten nicht genug Intereſſe für die Archäologen. Nach der Vermuthung Einiger waren es Ueberbleibſel von Be⸗ feſtigungswerken, welche Hamilcar während des erſten puniſchen Krieges längere Zeit gegen die Römer vertheidigt hatte; Andere erblicken darin die Trümmer eines der Schlöſſer, welche die Sara⸗ cenen auf allen Bergſpitzen Siciliens erbaut hatten. Nach der Tradition des Volkes hat man in den Höhlen des Berges Pelle⸗ grino Menſchengebeine von ſo rieſiger Größe gefunden, daß ſie nur einem untergegangenen Urgeſchlechte angehoͤrt haben können.

Endlich erzählt man ſich auch noch, daß im zwölften Jahrhundert

eine junge Prinzeſſin von außerordentlicher Schönheit, Roſalie, Tochter des Königs Roger, der Welt und ihrer Freuden über⸗ drüſſig, ſich von dem Hofe ihres Vaters in eine der Grotten des Berges Pellegrino flüchtete, um ſich dort ganz Gott zu weihen.

Nach einer andern Verſion eben dieſer Sage war Roſalie die Tochter eines Grafen Sinibald und flüchtete ſich, um den Gewalt⸗ thätigkeiten der Saracenen zu entrinnen, welche das Land ver⸗ wüſteten, zuerſt auf den Berg Quisquino und dann in die Höhle

des Berges Pellegrino, wo ſie unbekannt ſtarb. Ibre Geſchichte, ihre Frömmigkeit und der Ort, wo ihre Gebeine ruhten, waren vergeſſen, als 1624, alſo fünf Jahrhunderte nach ihrem Tode, eine furchtbare Peſt in Palermo wüthete. Zu den Füßen der Altäre niedergeworfen, flehten die Einwohner Palermo's den Himmel um Beiſtand an; da rief plötzlich Einer, eine Viſion habe ihm den Ort offenbart, wo die Reſte der heiligen Roſalie ruhten. Sogleich erkletterte er den Berg Pellegrino, gelangte zu der Höhle und entdeckte in derſelben die koſtbaren Gebeine, die in großem Pompe nach Palermo gebracht wurden, von wo die Peſt bald darauf verſchwand. Der Glaube der Palermitaner an die Wunder⸗ thätigkeit der heiligen Roſalie iſt daher auch ſo groß und unum⸗ ſtößlich, wie der des Volkes von Neapel an ſeinen heiligen Janu⸗ arius.

Man hat eine Kapelle an eben dem Orte erbaut, wo die Ge⸗ beine gefunden wurden. Die Steilheit des Felſens machte ehe⸗ dem den Weg zu derſelben außerordentlich beſchwerlich; Dank der Frömmigkeit der Einwohner und den Gaben der Pilger führt jetzt eine ſchöne und bequeme Straße zu der heiligen Kapelle. Dieſer Weg, welcher die Scala genannt wird, bildet funfzehn Zickzacks, an denen mehrere Stationen angebracht ſind, wo die Pilger ausruhen und beten können.

Erreicht man den Gipfel, ſo zeigt ſich die Vegetation, die bereits verſchwunden zu ſein ſchien, aufs Neue und das Auge, welches durch die Nacktheit des Felſens ermüdet war, ruht mit Entzücken auf dem Blumenteppich, der die Kapelle umgibt.