Jahrgang 
01-26 (1857)
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ſich dieſes vor ſeinen Augen erhob. Wie er einſt den Ge genſätzen gegenüber, die in einer früheren Zeit an ihn her⸗ angetreten waren, an Forſter den Mann gefunden hatte, in deſſen reicherer und freierer Geiſtesform dieſelben ſich aus⸗ geglichen zu haben ſchienen, ſo ſah er jetzt in Schiller in perſönlicher Erſcheinung die ſchöne menſchliche Bildung vor ſich, die ihm ſeither aus Homer und Pindar entgegenge⸗ klungen war. Wie Forſter durch die ſtets bereite Gewalt der Rede und durch das Feuer der Production ſein em⸗ pfänglicheres Weſen gefeſſelt hatte, ſo wieder ergriff ihn jetzt Schiller, der eine noch reinere und höhere Bildung durch eine noch größere redneriſche und ſchöpferiſche Ge⸗ walt repräſentirte. Ganz ähnlich wieder ſtand er zu Schil⸗ ler, wie damals zu Forſter: der reifere Mann zu dem reife⸗ ren Geiſte, wie einſt der Jüngling zu dem jugendlich ge bliebenen Freunde. Es lief für diesmal keine Täuſchung mit unter, und es war für diesmal kein Wechſel des Ver⸗ hältniſſes denkbar. Der Charakter von Schiller's wie von Humboldt's Geiſt war im Weſentlichen fertig. Auch ihr Bildungsideal war nicht mehr im Werden und im Schwanken. Es glich ſich, weil und wie ihre Naturen ſich glichen. Wenn Humboldt dankbar das Wort ſeines Freun⸗ des acceptirte, daß ſie Beide ſich verſtünden, wo ſonſt Nie⸗ mand ſie verſtehe, wenn er ſich ſpäter wiederholt ſeiner inni⸗ gen und herzlichen Freundſchaft zu Schiller rühmte und nur Körner zugeſtehen mochte, daß er demſelben gleich nahe geſtanden, ſo gründete ſich dieſes Verhältniß darauf, daß er mit ſeinem eignen individuellen Sein dicht an die Höhe hinanreichte, in welcher Schiller ſich nach Humboldt's eigenen Wortenüber jeder einzelnen Beſtrebung in ihm, ſelbſt über ſeinem Dichtergenie befand. Es war der Menſch, der in Beiden ſich ſo ähnlich ſah; deshalb begeg⸗

neten ſich Beide in dem Streben, welches allem ihren Wir⸗-

ken und Sich⸗Aeußern vorausging. Selbſtbildung, ein⸗ heitliche, gleichmäßige Bildungzum größeren und edleren Menſchen hatte bis dahin alle Thätigkeit Humboldt's ge⸗

Novellen⸗Zeitung.

feſſelt, ihn von allem Wirkenin's Ganze und Große zu⸗ rückgehalten. Von dieſer Selbſtbildung ebenſo war aller Schöpfungsdrang, der in Schiller arbeitete, fortwährend begleitet geweſen, und wenn irgend wer, ſo hatte Er ein Recht gehabt, gegen einen Dichter wie Bürger die Forde⸗ rung auszuſprechen, daß der Dichter allererſtſeine Indi⸗ vidualität ſelbſt zur reinſten, herrlichſten Menſchheit hin⸗ aufläutern müſſe. Es lag aber in dieſem Hinaufblicken zu einem Ideal vollendeter Menſchheit unmittelbar noch eine andere Eigenthümlichkeit, welche den Freunden gemein war. Beide waren ſo auf's Ganze geſtellt und auf das Vollen⸗ V dete hingerichtet, weil ſie wie ſpäter Beide in wechſel⸗ ſeitigem Geſtändniß es ausſprachenIdealiſten waren. Es iſt unmöglich, von dem Idealismus Schiller's ſchöner zu ſprechen, als es von Humboldt geſchehen iſt, und man ſollte es, wenn es nur die reine Veranſchaulichung deſ⸗ ſelben gilt, niemals mit anderen als mit ſeinen Worten thun, wieder Gedanke das eigentliche Element ſeines Lebens geweſen, wie er nicht anders als umgeben von den höchſten Ideen und den glänzendſten Bildern gelebt habe, wie er in raſtloſem geiſtigen Fortbewegen ſein Leben und Streben ſtets als etwas Unendliches betrachtet, wie er mit tiefer Liebe, mit echter und ſteter Leidenſchaft in ſeinem Schaffen und deſſen Gegenſtand verſenkt geweſen, wie alles Gemeine tief unter ihm gelegen, und wie ſelbſt das Ge⸗ wöhnliche durch die Größe der Anſicht und der Behand⸗ lung durch ihn geadelt worden. Allein ſo von Schiller reden konnte eben nur der, der aus verwandtem Weſen her⸗ aus das Weſen Jenes auf's Tiefſte zu fühlen im Stande war. Die Aeußerung Humboldt's, daß ihmdie Ideen das Höchſte in der Welt ſeien, und daß erjeden, auch den umfaſſendſten äußeren Wirkungskreis dennoch immer nur als etwas jenem Höchſten Untergeordnetes anſehen würde, dieſe Aeußerung ſtammt aus einer Zeit, wo er bereits ſeit Jahren von Schiller entfernt war. Niemals hat ihn dieſe Geſinnung verlaſſen. Reiner und unverhüllter aber

eigentlich rechtſchaffen, gutherzig und ausdauernd ſind. Die Neigung zur Falſchheit iſt dem ganzen perſiſchen Volke ſo zum Charakterzug geworden, daß ſie im Orient ſprichwörtlich geworden iſt. Anfangs iſt der Reiſende beſtändigen Schwierigkeiten und Demüthigungen ausgeſetzt, weil er ſich deſſen nicht bewußt iſt, wie weit jene Gewohnheit getrieben wird. Zuletzt wird er aber ſo daran gewöhnt, daß er wie ein geborner Perſer lernt, gerade das Gegentheil von dem zu glauben, was man ihm ſagt. Sie z. B. einen Bauer nach dem Namen des Dorfes zur rechten Hand fragen, ſo können Sie ſicher ſein, daß er Ihnen den des zur linken Hand liegenden Dorfes ſagt. Unglücklicher Weiſe wird dieſe Gewohnheit weit über den gewöhnlichen Verkehr im Leben hinausgetrieben und iſt ſo allgemein und wird dabei ſo wenig für

verdammenswerth gehalten, daß man einen perſiſchen Gentleman

ins Geſicht einen Lügner nennen kann, ohne daß ſein Charakter darunter leidet. Das macht jeden diplomatiſchen Verkehr mit dem Hofe in Teheran und den Miniſtern des Schachs ſchwierig und in ſeinen Erfolgen ungewiß..

Von den Perſerinnen ſagt der Verfaſſer, daß ſie den Ruf einer großen Schönheit vollkommen verdienen.

Aus der neuen Welt. Ein amerikaniſcher Scherz.

Jeder Präſident der Vereinigten Staaten iſt in den erſten Momenten nach Antritt ſeines Amts ein geplagter Mann, denn

Wenn

hat, ſtellen ſich zahlloſe Bewerber um eine möglichſt einträgliche Anſtellung im Staatsdienſte ein, die zu befriedigen eine Sache der Unmöglichkeit iſt und die in Nordamerika ſelbſt verſpottet werden. In Bezug darauf theilt ein nordamerikaniſches Blatt folgende Geſchichte mit, welche der Correſpondent kürzlich in dem Flecken E... gehört haben will und die folgendermaßen lautet: Eine Zahl Politiker, welche ſich ſämmtlich um eine Anſtellung von Seiten der Regierung bewarben, ſaßen in einem Gaſthauſe beiſammen und unterhielten ſich daſelbſt, als ein alter Becherheld, Namens Jake D, der, wenn er angetrunken, ſehr geſprächig, dagegen nüchtern ganz das Gegentheil davon iſt, ſagte, wenn die Geſellſchaft nichts dagegen einzuwenden habe, ſo wolle er eine Geſchichte erzählen. Er erhielt die verlangte Erlaubniß und be⸗ gann ſofort in folgenden Worten: 1 Ein gewiſſer König ſeines Namens erinnere ich mich nicht mehr hatte einen Philoſophen an ſeinem Hofe, auf deſſen Ur⸗ theil er ſich ſtets verließ. Nun ereignete es ſich eines Tages, daß der König Luſt bekam, ſich auf die Jagd zu begeben, und nachdem er ſeine Edeln dazu aufgefordert und die nöthigen Vorbereitungen getroffen hatte, ließ er auch den Philoſophen rufen und fragte ihn, ob es an dem Tage regnen werde. Der Philoſoph. verſicherte ihm, es werde nicht regnen, und der König und ſein Gefolge ritten fort. Als ſie nun voranritten, begegneten ſie einem Landmann, der auf einem Eſel ritt. Dieſer ertheilte ihnen den Rath, ſie möchten um⸗ kehren,denn, ſagte er,es wird ſicher regnen. Sie lächelten ihn mit Verachtung an und ritten weiter. Ehe ſie indeſſen einige Meilen zurückgelegt hatten, fanden ſie Urſache, es zu bereuen, den

Nath des Landmannes nicht befolgt zu haben, denn es erfolgte ein

(IlI. Jahrg.

Nr.

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von Seiten der Partei, die ihn als ihren Candidaten aufgeſtellt ſo heftiger Regenſchauer, daß ſie bis auf die Haut durchnäßt 3

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