Jahrgang 
01-26 (1857)
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Rosciuszko's KRoß.

Es ſaßen im fröhlichen Kreiſe die Freunde beim heit'ren Mahl, Es klang manche luſtige Weiſe im ſonnenhellen Saal. 1 Der Tag war tief geſunken, der Abend brach herein, Zur Neige war getrunken der viele, viele Wein.

Der Wein, Kamraden, iſt alle, kein Tropfen mehr im Haus! Soſ ruft in der mächtigen Halle der eine der Gäſte aus.

Dann ſattle Einer nur ſchnelle und trabe zur Stadt durch's Thal,

Des Weines goldene Welle blinkt bald in jedem Pokal.

Bald trabt ein einſamer Reiter mit ſeiner Katze voll Geld Und ſingt ſein Liedchen heiter hinaus in die ſchöne Welt; Doch wie er ſpornt und treibet, das Roß, es will nicht geh'n, Vor jedem Bettler bleibet es auf der Straße ſteh'n.

Gebannt feſt an die Stelle, es nicht von hinnen weicht, Bis ein Stück Geld der Geſelle dem armen Bettler reicht. Des Kirchtags heilige Feier verſammelt der Armen viel, So war die Reiſe theuer, der Geldſack leer am Ziel.

Der Reiter zur Heimkehr wendet das Roß mit ſteigender Nacht, Er hat alles Geld verſchwendet und keinen Wein gebracht,

Er eilt empor in die Halle und meldet, was ihn beſchwert, Ha! rufen ſie luſtig Alle,du rittſt K osciuszko's Pferd!

Nach einer Stelle zeigend nimmt Jeder das halbvolle Glas, Es war der Platz, wo ſchweigend der Held Kosciuszko ſaß; Indem ſie die Becher heben, klingt's wie aus einem Mund: Hoch ſoll Kosciuszko leben, dann geht kein Armer zu Grund!

Hanns der Dritte.

Hanns der Dritte, Polens König, War ein guter Herr,

Hochmuth, Stolz beſaß er wenig, Wenige wie er.

Einſt entfernet vom Gefolge Ritt er fort im Trab,

Sieht, daß ſeinem Pferde folge Raſch ein Hirtenknab'.

Hanns hält ſtill.Was willſt du, Kleiner? Möcht' den König ſeh'n,

Denn mir ſagte eben Einer, Hier wo ſoll er ſtehn.

Und der Reiter auf dem Falben Dies Verlangen ehrt,

Nun, ſo ſetz' dich meinethalben Hinter mir auf's Pferd.

Hirtenknab' ſitzt hinterm Reiter, Beide traben fort;

Als ſie traben weit und weiter, Spricht der Hirt ſolch Wort:

Wenn den König und die Seinen Endlich wir erreicht,

Wie erkenn ich Ihn, den Einen?

Junge! das iſt leicht.

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W. Conſtant.

Von einer verſchollenen Königsſtadt. Ein Romanzen⸗Kranz von W. Conſtant. Zweite Auflage.

Wenn der König kommt geritten,

Grüßt ehrfurchterfüllt Alles ihn, nur er inmitten Nicht ſein Haupt enthüllt.

Und ſie traben luſtig weiter

Schweigend und gar ſchnell; Nun ſind Hanns und ſein Begleiter

Endlich mal zur Stell'.

Alle Hüte niederwallen Unter Jubelſchrei'n; Und bedeckt blieb unter Allen König Hanns allein.

Aber auch der Knabe ſitzend Und im ſcharfen Trab

Sich auf ſeinen Reiter ſtützend, Nimmt den Hut nicht ab.

Alle ſchweigend ſteh'n im Kreiſe Unbedeckt zur Friſt.

Nun fragt Hanns den Knaben leiſe:

Weißt du jetzt, wer's iſt?

Schelmiſch blickt ihn an der Kleine

Und entgegnet fein:

Nun, ich dächt, es muß der Eine⸗ 8*

Von uns Beiden ſein.

Polniſches Volkslied.

Wenn den Himmel nicht Schmückte Sonnenlicht, Bang in ew'ger Nächte Grauen

Müßt' das Menſchenauge ſchauen, Das hinſtrebt zum Sonnenlicht.

Nachts der Silbermond In den Höhen thront, Wie am Tage Sonnenſchimmer,

So bei Nacht das Mondlicht immer

Milde lacht vom Horizont.

Solch ein Sonnenbild, Solch ein Mondlicht mild Iſt ein König dieſer Erde.

Daß er uns doch wieder werde, 1 Er, des Volkes Schutz und Schild.

Ach, wir leiden ſehr, Unſer Schmerz iſt ſchwer, Königlos wir trauernd wallen,

Für wen kämpfen, ſiegen, fallen! Wenn kein König unſer mehr?

Keine Hoffnung lacht, Und in dunkler Nacht Hirtenloſe Lämmer dürſten

Wir nach unſerm Herrn und Fürſten, Der uns ſchützt mit ſeiner Macht.

IIII. Jahrg.

Hamburg, Hofſmann und Campe.