Die Vergißmeinnicht.
Ihr fleht mit lieblich blauen Blicken:
„Vergiß nicht, Mädchen, Lieb' und Treu'!“
Dem Jüngling ſcheint ihr zuzunicken: „Auf flucht'ge Liebe folgt die Reu'!“
Und doch, und doch, an jedem Tage, Wo Tauſende von euch erblüh'n
Und auf der Sonne Liebefrage
In ſtummer Antwort röthlich glüh'n,
An jedem Tag, wo ihr erwachet, Die holde Mahnung im Geſicht, Wo in des Himmels Blau ihr lachet Für ſein Gewand ein Preisgedicht,
Wo Spielen man und heitern Scherzen Euch, deutungsreiche Blumen, weiht; An jedem Tag erfahren Herzen
Die Qualen der Vergangenheit.
In eure Augen laßt mich ſchauen Und ſchauen tiefer ſtets hinein!
Laßt euren Blick, den ätherblauen, Verkünden mir: Noch denkt er Dein! In eure Augen laßt mich ſchauen Und fragen, ob im Erdenrund
Je wohnten Treue, Lieb', Vertrauen, Ob feſt beſtand ein heil'ger Bund?— Nie gab es Treue und Vertrauen! Das iſt's, was euer Name ſpricht. Kein Herz kann auf das andre bauen, Drum fleht es ſtets: Vergiß mein nicht.
Fiesko.
Des Aufruhrs Fackel leuchtet Genua! Der Sturm ſauſt in den Zweigen Doria.
O ſüßer Wohllaut für Fiesko's Ohr!
Aus Schlacht und Aufruhr tönt ihm Siegeschor.
Das Meer nur ſchweigt, es ſchaut im tiefen Die ſtolze Braut im wilden Flammenkleid.
Es murmelt grimm ſein leiſer Wellenſchlag Zum Tode eilſt du! Doch gemach, gemach
,
Sieh, deines Wahnſinns neugebornen Gott Zieh ich hinab in meinen tiefſten Schlot.
Wie! hörſt du nicht? Aus jenem Waffenklang
Tönt lärmend deiner Freiheit Grabgeſang.
Merk auf! den Dreizack gönnte meine Wahl
Zum Ruhme deinem großen Admiral!
Wo über dunkle Fluth ein ſchmaler Steg, Geht deines Herzogs ſtolzer Siegesweg.
Novelſen⸗Zeitung.
ALBL
Anna Löhn.
Leid
1
Ihr Wogen, auf! Schon iſt der Wandrer nah’—
Zieht ihn herab, und frei ſei Genua!“
Gedichte von Anna Löhn. Zweite vermehrte Auflage.
Leipzig, Verlag von Heinrich Matthes. 1857.
Der Veilchenſtrauß.
Sie ſprach: Ich möcht'nen Veilchenſtrauß Gepflückt von Deiner Hand.
Da ritt ich flugs ins Feld hinaus,
Bis daß ich Veilchen fand.
Mein Rößlein band ich feſt am Baum Und bückte mich ins Gras.
Doch wie ich dort im Liebestraum
Recht emſig pflückend ſaß,
Da riß mein Roß ſich plötzlich los
Und nahm mit Haſt Reißaus.
Ich fügte ſtill mich in mein Loos
Und ſprach:'s gilt ihren Strauß.
Der Lohn iſt ſüß, der meiner harrt,
Sie küßt die Veilchen gar,
Dann droht die Schelmin: Wart nur, wart', Und— reicht den Mund mir dar.
Dem Roſſe folgt' ich lange Zeit
Und rief und lockte ſehr,
Durch Wald und Wieſen rannt ich weit, Doch ſah ich's nimmermehr.
Und finſter ward's, ich kam nach Haus Nach manchem Sprung und Sturz; Was ſagte ſie zu meinem Strauß?— „Die Stiele ſind zu kurz!“
Entmuthigung.
Wer kennt ihn nicht, den gifterfüllten Pfeil,
Der in die Menſchenbruſt ſich tödtlich ſenkt—
Vernichtend trifft des Menſchen beſtes Theil: Das freie Streben, das den Willen lenkt?
Wer kennt ihn nicht, den peſterfüllten Hauch,
Der Blüthen, Keime ſchonungslos zerknickt—
Verſengend wie ein heißer, ſchwarzer Rauch Des Geiſtes ſtille Saat mit Macht erſtickt?
Wer kennt ſie nicht, die ätzende Eſſenz,
Die das Mimoſenblatt des Strebens krümmt,
Die auf des Geiſtes friſch geſproßten Lenz
Der Lava gleich aus Höllenſchlünden glimmt?
Wohl Dir, dem dieſer Hyder Todesblick Nie leuchtete zu dem Verderbensrand, Wo an ſich ſelbſt verzweifelnd ſein Geſchick⸗
Der Menſch verflucht, weil ihm der Muthe entſchwand. Dem nie ſie ausſog Herzblut, Mark und Hirn,
Der niemals ihres Odems Wehn empfand, Den nie, o nie! ihr unheilvoll Geſtirn Aus ſeinen Innern, aus ſich ſelbſt verbannt!
Du böſer Feind, zermalmender Tyrann,
Der niederdrückt des Geiſtes freien Schwung,
Mit jedem Fluch, den je ein Kopf erſann, Verfluch' ich dich, E ntmutbigung!
ſprac Regi Soh⸗ zogen wenig chen putatie Malch „ doch
1 dendn ſie ihr
„ einma Farb mütt ter i Dach wand d ia to und
Dir.
7 d igen wnit!


