Jahrgang 
01-26 (1857)
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Noveſſen⸗Zeitung.

ALBIII. Der

Der Friedhof.

Und nun muß ich noch zur guten Letzt

An die Stätte, wo die Lieben ruhn. Mehr als jemals treibt mich's eben jetzt Dankerfüllten Herzens dies zu thun; Denn noch nie war mir ſo viel gelegen Als in dieſer Stund' an ihrem Segen.

Vater, Mutter blickt auf mich herab, Hier an eurem Grabe ſteht der Sohn. Feg und Noth treibt ihn zum Wanderſtab, Möcht' ihm werden der gehoffte Lohn;

Viel der Eltern Bitten dort vermögen, Darum Vater, Mutter euren Segen!

Wenig ich an ird'ſchem Hab' und Gut, Als ihr ſtarbt, von euch als Erb' empfing; Doch ihr lehrtet mich, was recht und gut, Und dies Erbtheil acht ich nicht gering, Dies wird leiten mich auf rechten Wegen, Dieſem Erbtheil, Eltern euren Segen!

Und nun dieſe Blume noch vom Grab, Sie begleite mich als Talisman,

Nehm' ſie in die Grube mit hinab,

Da ich neben euch nicht ruben kann. Gern hätt' ich zur Seite euch gelegen Auch dem fernen Grabe euren Segen!

Die glocken.

Was tönt ſo dumpf ihr Glocken heut' Aus luftigem Bereiche,

Als ob ihr gäbet das Geleit,

Das letzte, einer Leiche?

Wißt ihr auch, daß ich ſcheiden muß Fort aus dem Vaterlande? t Iſt dieſes euer letzter Gruß Hin nach dem Meeres⸗Strande?

Ja, ja ihr ſprecht ganz recht euch aus,

Laßt ihr ſo dumpf euch hören

8 Weh' Jedem, der dem Vaterhaus Den Rücken zu muß kehren. Sein ganzes Leben voller Luſt, Das, ach! ſo hoffnungsreiche Muß er begraben in der Bruſt, Der Heimath eine Leiche!

Die Sonne.

Wie ſcheint die Sonne heut' ſo ſchön, Mit Strahlen licht⸗ und warmen, Hab' lang ſie nicht ſo ſchön geſehn Haſt du mit mir Erbarmen?

Ja, du biſt ſtets erbarmungsreich Mit Guten, wie mit Schlechten, Du ſcheineſt dem Gerechten gleich So wie dem Ungerechten.

Der Auswanderer. Stoßſeufzer beim Abſchied vom Vaterland.

Auswanderer.

So ſchein' auch ferner meinem Pfad Mit Strahlen, warm- und lichten, Was auch zum letzten Mal mir naht Du, liebſte! du mit nichten.

Du, holde! deß bin ich gewiß,

Folgſt mir durch Land und Meere, Drum Ihm, der Sonnen leuchten hieß, Dank, Preis und Ruhm und Ehre!

Mein grab.

Soll ich einmal nicht ruhen In deutſcher Erde Schooß, So iſt mir auch gleichgültig, Was endlich ſei mein Loos.

Mag dann man mich verſcharren, Wo's immer Gott gefällt,

Es iſt ja Gott, dem Herren,

Die ganze weite Welt;

In einer wilden Steppe,

Wo Alles todt und öd',

Am Wege dort des Landes,

Den man geſchäftig geht.

Kann ich einmal nicht ruhen Hier in der Meinen Näh',

So ruh' ich noch am liebſten Dort auf dem Grund der See. Ja, in des Meeres then Den todten Leib verſenkt,

Mit denen die Gewäſſer

Des Vaterlands vermengt! Wie manche bitt're Thräne Fließt mit ins Meer hinab!

Ja, dort im Schooß der Thränen, Dort wünſch' ich mir mein Grab.

Die Paterlandsliebe. 4

Es iſt doch ein gar wunderbar Ding

Mit unſrer Liebe zum Vaterland!

Erſt konnt' ich's nicht erwarten, bis ich ging, Und nun hält mich ein geheimes Band.

Sind es die Berge, ſo oft begafft,

Die Thäler, durchſchritten viel tauſend Mal, Was jetzt mich feſthält ſo räthſelhaft? Gibt Thäler und Berge ja überall.

Sind es die Häuſer, ſo ſchlecht beſtellt, Sind es die Menſchen, ſo oft mir gram, Was jetzt ſo wunderbar feſt mich hält? Sie waren ja ſchuld, daß ſo weit ich kam.

Ja, die Zahl der Fäden iſt nicht gering, Die uns ans Herz die Heimath band, Darum, bei Gott! ein wunderbar Ding Mit unſerer Liebe zum Vaterländ! 2

Herausgegeben von Julius Eberwein. Rudolſtadt, Verlag von G. Froebel.

[III. Jahrg.

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