Jahrgang 
01-26 (1857)
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Novellen⸗Zeitung.

Ihm erblühen Lorbeerreiſer, Wo er geht, zum Ehrenkranz! Gott erhalte unſern Kaiſer, Unſern guten Kaiſer Franz!

wird gerührt werden von unſerer Liebe und wird ihn uns zurückführen, den guten Kaiſer Franz!

Er ſetzte ſich an ſeinen Schreibtiſch und ſchrieb mit jugendlicher Haſt die neue Melodie auf.So, ſagte er dann,nimm es, Conrad, und trag's zum Hofrath van⸗ Swieten, bring' ihm mein Kaiſerlied. O, ich mein' im⸗ mer, es muß dem Kaiſer Glück bringen, und darum ſchwör' ich, daß ich's ſpielen will alle Tage, ſo lange ich lebe. Dem Kaiſer ſoll allzeit mein erſtes Gebet gelten*). Und jetzt

Tiefe Stille war eingetreten, während Haydn ſang, und als er jetzt mit einem feſten mannhaften Accord ſchloß und ſich umſchaute, da ſah er wie ſein Weib, von Rührung und Andacht überwältigt, auf ihre Kniee geſunken war, mit gefalteten Händen die Augen gen Himmel gewandt, und hinter ihr kniete die alte Katrinel und der Conrad; lauf, Conrad, und laß den Herrn Hofrath das Lied dich⸗ zwiſchen Beiden ſtand die große Katze und lauſchte auch, ten, und ihr Weiber geht hinaus. Ich fühl' jetzt, wie die und ſelbſt der Papagei da unten ſchien zu lauſchen auf das Gedanken in meinem Kopf brennen, wie die Melodien aus neue Lied, denn auch er war ſtill geworden. meinem Herzen hervorſtrömen wollen. Das Lied hat mir

Ein köſtliches Lächeln flog über Haydn's Antlitz hin erſt die rechte Begeiſterung und Weihe gegeben, jetzt will und machte es wieder jung und ſchön.Jetzt ſingt mit ich mit Gott und meinem Kaiſer meine Schöpfung be⸗ mir, Ihr alle Drei, ſagte er,ſingt laut und feſt, damit ginnen, Ihr aber verzagt und verzweifelt nit, und wenn Gott uns hört. Ich fange von vorne an und Ihr ſollt Euch gar ſo bang wird, js ſingt mein Kaiſerlied und es mitſingen. wird Euch Muth und Troſt ins Herz rufen, Euch und

Er ſchlug kräftig auf die Taſten, daß die Saiten klirr⸗ dn Sdafe en endere i dennwede asan nt ten und tönten, und begann aufs Neue zu ſingen:Gott Kaiſerlied geſungen, und ein Lied ſoll es ſein für das ganze erhalte Franz den Kaiſer, und hingeriſſen von der ein⸗ öſterreichiſche Volk! fachen ſchönen Weiſe ſtimmten die beiden Frauen und der. alte Diener mit ein in das Lied und in die ſchlichten kunſt⸗*) Haydn hielt Wort und ſpielte ſeitdem täglich ſein Kaiſerlied, loſen Worte. ja es war das Letzte, was er ſpielte. Kurz vor ſeinem Tode am 26. Mai

. 1 2 1809 ſpielte er drei Male hinter einander dies Lied. Vom Klavier

Und jetzt, rief Haydn eifrig, als das Lied zu Ende mußte man ihn ins Bett tragen, das er nicht wieder verließ. Am 31. war,jetzt will ich die Melodie gleich aufſchreiben und die Mai ſtarb er. Als Iffland ihn im Jahre 1807 beſuchte, ſpielte Haydn Wort' darunter ſähe⸗ und dann läufſt Du damit zum ihm zum Abſchied auch ſein KaiſerliedGott erhalte Franz den Kaiſer Hofrath van Swieten hin und bitteſt, er ſoll die Worte V

vor. Dann blieb er noch einige Augenblicke vor dem Inſtrument 1 1 ſtehen, legte beide Hände darauf und ſagte mit dem Ton eines ehr⸗

ordentlich zurechtſchieben und noch ein paar Verſe dazu

machen!

würdigen Patriarchen:Ich ſpiele dieſes Lied an jedem Morgen und Und dann wollen wir's abſchreiben laſſen, ſo oft 7

oft habe ich Troſt und Erhebung daraus genommen in den Tagen der

wir können, und in allen Straßen wollen wir's ausſtreuen Unruhe. Ich kann auch nicht anders, ich muß es alle Tage einmal ban WAe 3 33 F bielen. Mir iſt herzlich wohl, wenn ich es ſpiele und noch eine Weile

und auf allen Plätzen wollen wir's ſingen laſſen, und wenn nachher. Siehe Theater⸗Almanach, herausgegeben von Iffland, Jahr⸗

die Franzoſen wirklich nach Wien kommen, ſo ſoll ganz gang 1811, Seite 181.

Wien ſie empfangen mit dem Jubellied:Gott erhalte

Franz den Kaiſer, und Gott wird unſer Lied hören und

Hier, wo wir ſaßen, wieder her,(Romane, Novellen, Reiſebeſchreibungen, Biographien u. ſ. w. Könnt ihr von meinen Thränen ſchweigen? Henthalten zunächſt zwei umfangreichere Romane: L. an G.Couſine Veronica, oder Scenen und Abenteuer jenſeits der Dies L. an G. bezeichnet offenbar: Lili an Goethe, und Blauen Bexge. Von M. C. Wormeley, Verfaſſerin vonAma⸗ es iſt noch zu bemerken, daß dieſes Gedicht und das auf der nächſten bel. 4 Bände.(Engliſch in Dürr's Collection of Standard Seite der Iris mitgetheilte Gedicht:Mit einem goldnen Ameriean Authors unter dem Titel: Our Housin Veronica) Halskettchen überſchickt(Goethe's Werke, I. 33, Taſchene ‚Die Quadrone⸗ oder Abenteuer in Louiſiana. Von Capi⸗ ausgabe) die gemeinſchaftliche Ueberſchrift tragen: bi Maye Reid, Verfaſſer vonDer weiße Häuptling u. ſ. w. . Sre 7 4 5 Bo e. Denkmal der Freundſchaft. Alsdann finden wir ein novelliſtiſches Memoirenwerk, das ſeiner Zeit ſchon von der Revue des deux Mondes beachtet wurde: Aus dem Leben eines New⸗Yorker Arztes. Von Dr. Edward H. Dixon, Herausgeber des Scalpel. 2 Bände.

A. G.

Novitäten.

Pädagogiſches Schatzkäſtlein. Eine Erziehungslehre in den wichtigſten Ausſprüchen älterer und neuerer Weiſen. Für gebildete Eltern und Lehrer. Von Dr. J. F. Th. Wohlfarth, F. S. Kirchenrathe. Gotha, Hugo Scheube. 1857. ² Das ſind 416 eng gedruckte Seiten mit 700 Citaten. Für den Inhalt derſelben bürgen die meiſt berühmten Namen der Un⸗ terzeichneten aus allen Jahrhunderten. Die Anordnung iſt vom Verfaſſer einerGeſchichte der geſammten Pädagogik von prakti⸗ ſchem Standpunkte nach Maßgabe theils der Chronologie, theils des Gedankeninhaltes in elf Capiteln unternommen.

Miseellen.

Sonderbarkeiten berühmter Perſonen.

In einem Artikel die Gehirnhälften des Menſchen lägen in einer Art immerwährer den Kampfes um das Uebergewicht der geſünderen oder der krän⸗

keren Hälfte über die andere, und führten als Beleg die übertri bene Eitelkeit an, die ſich in dem Leben und Charakter ausgezeich neter Menſchen offenbarte; heute wollen wir anderer Neigungen

Amerikaniſche Bibliothek. Zweihundertſiebenundvier⸗ erwähnen, die beinahe noch mehr geeignet ſein dürften, die Wahr⸗ Leipzig, Ch. E. heit des aufgeſtellten Satzes darzuthun. 3

Dieſe neueſten Bände der bekannten Sammlung überſetzter hrten, deren Abirrungen von dem breitgetretenen Wege des

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[III. Jahrg.

erwähnten wir unlängſt der Behauptung,

1 Wir wählen als Beiſviele dazu vorzugsweiſe das Leben vo ou. 1

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