Jahrgang 
01-26 (1857)
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V 206 Noveſſen

bewähren. Beide dankten innerlich dem Himmel für dieſe Wendung des Geſchicks, wenn ſie auch nicht laut jubelten und ihre Freude mit leiſer Wehmuth vermiſcht war.

Eines nur ſtörte Helenens Frieden: die bevorſtehende Trennung. Hatte ſie doch ſo unendlich viel auszugleichen derum zur Unthätigkeit verurtheilt ſein. Auch Werner gewonnenen ſüßen Beſitze, den er erſt von heute an mit vollem Rechte ſein nennen durfte, und ſo war auch das Glück dieſer unvergeßlichen Stunde ein getrübtes.

Da kehrte nach einer langen Weile, die jedoch den Wie⸗ dervereinigten wie ein kurzer Traum erſchienen, Albrecht, den ſie bereits abgereiſt geglaubt, in das Zimmer zurück. Er hatte Papiere in der Hand; ſein Weſen war ruhig und gefaßt, jede Spur leidenſchaftlicher Erregung verſchwun⸗ den, kaum daß noch ſeine Geſichtszüge davon zu ſagen wußten.

flogen, ſagte er faſt ſchüchtern, jedoch mit einem ſo freund⸗ lichen Lächeln um den Mund, wie Einer, deſſen Worte auf guten Eingang hoffenund daraus erſehen, daß Du nicht perſönlich verpflichtet biſt, Werner, die weite Reiſe zu unternehmen. Der Oheim ſagt ausdrücklich:Dieſe Vertretung meiner und der Meinigen Anſprüche, ſo wie die Rettung meines ehrlichen Namens übertrage ich meinem theuern Neffen Werner, deſſen Wort ich bereits für mich habe, inſofern er mir nicht einen andern zuverläſſigen Mann ſtellen kann, der nicht aus Eigennutz und um des Lohnes willen, ſondern mir und den Meinigen zu Liebe hierher kommt und eben ſo treu und aufopfernd, wie er, meine gerechte Sache verficht. Das wird am beſten Einer von der Familie vermögen, die meinen Namen⸗ führt, und da wird mein Werner, der Einzige dieſes Namens, auf

Zeitung.

ſeines Herzens, ſeinen edeln, leicht verſöhnlichen Sinn zu

war tief bewegt über die nahe Trennung von ſeinem kaum

Ich habe ſo eben den letzten Willen des Oheims durch⸗

den ich zählen darf, wohl leider! ſelbſt kommen müſſen.

leiting beabſichtigte. abgemendet hatte, ahnte mit dem den Frauen eigenthüm⸗ (lichen Scharfblicke Alles, was kommen würde, und ihr und zu vergelten, und nun ſollte ſie auf ſo lange Zeit wie⸗

will.

[III. Jahrg. Werner blickte den Sprecher, der dieſe Stelle aus den nitgebrachten Papieren wörtlich vorgeleſen hatte, ſtaunend

an; er faßte noch nicht recht, was Jener mit dieſer Ein⸗ V Helene aber, die ſich von Albrecht

Herz ſchlug aus zwiefachem Grunde doppelt freudig bei dieſer Ahnung. Albrecht fuhr fort: Ich habe deshalb eine Bitte an Dich, Werner. Du weißt aus unſerem geſtrigen Geſpräche, daß mich beim An⸗

denken des Oheims eine geheime Schuld drückt, weißt

auch, daß ich von dem herrlichen Indien noch nicht auf immer Abſchied genommen habe. Darum laß mich an Deiner Stelle nach Java gehen: mein Ehrenwort darauf, daß ich Dein Kommen nicht vermiſſen, nicht beklagen laſſen Ich gehe gern, mir iſt es kein Opfer, der Oheim wird über den Stellvertreter nicht zürnen, an deſſen Möge lichkeit er ſelbſt gedacht² hat, und Du Du hleibſt doch vielleicht gern in Deutſchland!

Albrecht's Stimme zitterte, als er die letzten Worte ſprach; Morner, ſelbſt aufs Aeußerſte ergriffen, umarmte den Mann, der ſeine Schuld ſo edelmüthig zu ſühnen be⸗ b reit war, und Helent reichte ihm mit einem ſtummen Blicke ihre Rechte. Der Geiſt des aren heißblütigen⸗Oheims aber, der zugleich mit ſeinen letzten Niederſchrifiſen in das Zimmer getreten war, waltete ſegnend und vorſöhnend unter den Dreien und wies in dieſem entſcheidenden Augenblicke ihren ſuchenden Herzen den einzia richtigen Pfad!

Nach wenig Wochen führte Albrecht ein ſchneuer Dampfer durch das mittelländiſche Meer. Das Endziel war Java, unter deſſen glühend heißem Himmel er eine ſchuldvolle Vergangenheit zu ſühnen und neuen Lebens⸗ muth zu gewinnen hoffte. Und Gott ſegnete ſeinen Weg!

Aſtronomiſches.

Die Venus hat am Abendhimmel den Jupiter entthront und zeigt ſich jetzt in ihrem ſchönſten Lichte. Dieſelbe kommt nämlich von 584 zu 584 Tagen in acht Jahren weniger 1 oder 2 Tagen fünſmal in die Erdnähe, wo ſie nur 5 Millionen Meilen von

uns entfernt iſt, während ſie in der Erdferne 35 Millionen Meilen weit von uns ſteht. Am 20. März ſteht ſie der Erde am nächſten und da ſie in Folge deſſen uns in ihrem vollen Glanze erſcheint, ſo iſt ſie dann ſogar für gute Augen am Tage ſichtbar. Zu dieſer Zeit wird ſie beinahe in der Geſtalt erſcheinen, in der wir den Mond zwiſchen dem Neumond und dem erſten Viertel am Himmel er⸗ blicken, und ſie wird durch die Fernröhre ſich herrlich ausnehmen. Am 10. Mai wird die Venus unter der Sonne ſein und am 30. Juni c. wird ſie uns als Morgenſtern im ſchönſten Lichte erſchei⸗ nen und auch zu jener Zeit wird man ſie am Tage erkennen können. Die Decembernummer der Blätter der engliſchen aſtronomi⸗ ſchen Geſellſchaft enthielt eine ſehr vollſtändige Arbeit von dem 1 Aſtronomen Pogſon an der Sternwarte zu Orford über die ver⸗ änderlichen Sterne. Die Aſtronomen haben die Beobachtung die⸗ ſer Sterne unter ſich vertheilt, wie ſie die Beobachtung der zwiſchen Mars und Jupiter kreiſenden 42 kleinen Planeten unter ſich ver⸗ theilt hatten. Von dem Algol ſind zwei Minima angezeigt, das eine am 6. März Abends gegen 10 Uhr 50 M., das andere am 9. März zwiſchen 7 Uhr 35 M. und 7 Uhr 50 M. Leipziger Zeit. Nach den Beobachtungen, die in das amerikaniſche Journal Gould's eingetragen ſind, iſt der Algol bei ſeinem geringſten Glanze zu⸗ weilen noch unter dem Stern Rho im Perſeus. Dieſe Beobach⸗

dieſe Inſtrumente zu rechnen, um Vervollkommnungen in den aftr jihen Bo rwirkliche C 1 aſtronomiſchen Beobachtungen zu verwirklichen..

tung iſt auch von anderer Seite gemacht worden und iſt deshalb von Wichtigkeit, weil daraus erhellt, daß dieſer Stern bei ſeinen verſchiedenen Minima's mehr oder weniger glänzend erſcheint. Für Freunde der Sternkunde wird die Nachricht ſehr erfreu⸗ lich ſein, daß Foucault, von der kaiſerlichen Sternwarte in Paris, reflectirende Teleſkope von einer neuen Conſtruction erfunden hat. Wer es weiß, wie viel Arbeit es William Herſchel und ſeinem Sohne, Laſſel in Liverpool und dem Lord Roſſe gekoſtet hat, um metallene Teleſkopſpiegel zu formen und zu poliren, wird Foucault zu der glücklichen Idee Beifall wünſchen, eine mit einer Genauig⸗ keit, wie das Metall ſie nie erlaubt, in gewöhnlichem Glaſe concav geſchnittene Oberfläche inwendig zu verſilbern. Nachdem die aus⸗ gehöhlte Seite der Glasplatte verſilbert worden iſt, wird ſie polirt. So erhält man einen vollkommenen Spiegel, der durch ſein eignes Gewicht nicht verunſtaltet wird. Der Spiegel des Lord Roſſe wiegt 7,600 Pfund und enthält für mehr als 5000 Thlr. Metall.

Dieſes Leviathanteleſkop, wie die Engländer es nennen, hat aller⸗

dings eine Oeffnung von ſechs Fuß. Die neuen Foucault ſchen V bewundernswerthen Spiegel, die ganz einfach als Newton'ſche Teleſcope gefaßt ſind, ſind ſelbſt als große Teleſkope ſehr leicht und gut zu transportiren und ihre Wirkungen übertreffen andre

Teleſkope von gleicher Oeffnung bei weitem. In der vorletzten

Sitzung der Akademie der Wiſſenſchaften hat Le Verrier neue

Teleſkope von Foucault vorgezeigt, die ſehr viel Beifall gefunden haben, und der Director der kaiſerlichen Sternwarte in Paris, der die neue Erfindung in ihrer ganzen Tragweite würdigt, ſcheint auf