Jahrgang 
01-26 (1857)
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Meine gedanken.

Nur wenig beſitz' ich in irdiſcher Welt,

Nichts, was ſonſt die Menſchen gefangen hält, Woran ſich die ſehnenden Wünſche ranken, Nur Eines iſt mein, nur meine Gedanken!

Und mußt ich oft einſam im Leben gehn,

Und ob ich Geliebte ſterben geſehn,

Ob Hoffnung und Wünſche in Nacht verſanken, Ihr nur geht mit mir, ihr, meine Gedanken.

So mache, mein Herr, du mich kindlich und rein Und ſtrable dein Licht in mein Herz binein, Daß ſie nicht verloren im Dunkel ſchwanken, O gib, o Gott, gib mir gute Gedanken!

Denn böt' die Welt mir auch glänzendes Glück, O Alles laß ich im Tode zurück;

Nur Eins iſt mein, auch jenſeit der Schranken, Folgt mir hinüber: nur meine Gedanken!

O ich bin jung.

O ich bin jung und will es bleiben,

Ob Jahr 8 mir zu Jahren drängt, Nichts ſoll vom holden Land mich treiben, Das frühlingshell mein Sein umfängt.

Ich fühle friſch mein Herz durchdrungen, So ſtröm' es ewig reich und hell,

Denn nicht der Erde iſt entſprungen Der gottgerufne Himmelsquell.

Und ewig ſoll er mich umfließen Und dringen zu der Seele Kern, Daß ewig neue Blüthen ſprießen Und künden neu die Macht des Herrn.

Ja, ewig, ewig will ich werden, Was außen auch die Zeit uns raubt; Der Seele gibt ſie, das auf Erden Sich fertig nie und alternd glaubt.

Zum Weiterdringen, Aufwärtsſtreben Ruft uns ein ungemeſſ'ner Raum.

O wirklich, ewig iſt das Leben

Und nicht ein duft'ger Frühlingstraum.

Wolken ziehn.

Wolken ziehn in roſ'ger Helle Oben in der Abendgluth, Unten eilt die klare Welle

4 V Zu des mächt'gen Stromes Fluth.

Noveſſen⸗Zeitung.

ALBUI.

Marie Förſter.

Zu vergehen welch ein Streben! Alles wird im Sterben groß, Geht im Weltall auf im Leben

Und ich ſitze regungslos!

Außen wohl, doch Innen waltet Ewig ſchaffend Gottes Macht, Die ja Funken, ſchon erkaltet,

Oft zu Flammen angefacht.

Innen iſt des Geiſtes Wehen, Deſſen Hauch die Welt umkreiſt.

Ungeahnet, ungeſehen

Gibt er Flügel unſerm Geiſt.

Jetzt o ſeliger Gedanke

Jetzt vielleicht ich weiß es nicht Fällt ein Schleier, weicht die Schranfke, Fliegt er näher ſchon dem Licht.

O, darein mich zu ergießen, Selbſt nur Licht dann, ewig hell

In die Gottheit überfließen,

Wie ins Meer der arme Quell;

In den Glanz mich ganz zu tauchen, Wolken gleich, in roſ'gen Schein,

So die Seele auszuhauchen,

So muß Sterben herrlich ſein!

Herrlich iſt's geboren ſein.

Von dem Himmel ſtrömt das Leben, Aus der Erde qguillt's hervor,

Und aus allen Tiefen ſtreben

Blüth' und Keim zum Licht empor, Alles grüßt im Frühlingsſchein,

Herrlich iſt's geboren ſein!

Und es zieht in hellen Flammen Neues Leben durch das Herz, Seelen fließen licht zuſammen, Ziehn geläutert himmelwärts,

Liebe woget aus und ein, Herrlich iſt's geboren ſein!

Was einmal zum Licht geboren, Leuchtet hell durch alle Zeit; Was zum Leben jetzt erkoren,

Lebt durch alle Ewigkeit, 3 Was du liebſt, iſt ewig dein, Herrlich iſt's geboren ſein. 4

Gedichte von Marie Förſter. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1857.

8 beſitze,

He Senzen viſſenhe nichts ſ wanken beng a ſagen! Gemüt wonnen erkauft aber dor ÜUrés G 8 als ob leeiiner a unheili nur du lichkeit Aber ſetzung Selene und de

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