Noveſlen⸗Zeitung. 6
—
₰ns
Hermann Mlarggraff.
genius und Dämon.
Wenn mir ein guter Genius
Zur Seite ging' und ſtände
Und Pfade, die ich ſelbſt nicht fand, Für mich zum Gehen fände;
Wenn er von meiner ſchwülen Stirn Den trüben Druck mir wiſchte
Und mein Geblüt mit Maienthau Der Jugendluſt erfriſchte;
Wenn er mit dieſer kalten Welt
Mich liebevoll verſöhnte
Und ihre dunkeln Schatten mir
Mit Licht und Glanz verſchönte: Dann würd ich einen hellern Ton, Der beſſer klänge, greifen,
Dann ſchwirrte nicht durch meinen Sang Ein Laut wie Windespfeifen,
Das weheklagend nächtlich baucht Durch Grabgewölbegitter
Und rauſchend auf⸗ und abbewegt Der Todtenkränze Flitter.
Dann ließ ich wohl mein frohes Lied Auf luſt'gen Reimen tanzen
Und nicht pergehn im Todesſchrei Gebrochner Diſſonanzen.
Doch ach! mir gegenüber ſitzt
Ein widriger Geſelle,
Der ſieht mit ſcheelem Blick mich an Und weicht nicht von der Stelle.
Um ſeine Lippen fältelt ſich's
Gleich wie ein Schlangenknäuel.
Mein Dämon iſt's— ich kenne längſt Das Ungethüm, das Gräuel!
Und ſpöttiſch hebt er alſo an:
„Du Menſchenkind, du tolles!
Du ringſt nach Glück und Seligkeit— Dein Ringen, ſprich! Was ſoll es? Ich bin dein Dämon, der von dir
So oft vermaledeite,
Der in den Stunden höchſter Luſt Dich mit dir ſelbſt entzweite; Der, wenn im holden Schöpfungsdrang Dein Geiſt ſich ſelig fühlte,
Die Gluthen der Begeiſterung
Mit Hohn und Spott dir kühlte; Der, wenn ein Ruheplätzchen dir Voll Heimlichkeit behagte,
Dich nimmer raſten ließ und dich Aus deinem Sitze jagte;
Der wie ein Wild dich ab und auf Durch alle Gauen hetzte
Und dir mit Gift, ſtatt würz'gen Weins, Die durſt'gen Lippen netzte;
Der, wenn ein ganzes volles Werk Im Innern du getragen,
Es noch im Werden mit der Fauſt Zerſtückt hat und zerſchlagen! Geſchöpf voll Witz und Aberwitz, O Menſchenkind, du tollet!
Du ringſt nach Glück und Seligkeit— Dein Ringen, ſprich! Was ſoll es?“
Ja!
Im Gartenraine traf er ſie,
Da ward's ihm wunderbar;
Ihm war, er wußte ſelbſt nicht wie, Und ſie nicht, wie ihr war.
Er wußte nur, daß ihm geſchehn, Was ihm noch nie geſchah.
Er bat nur, nebenher zu gehn,
Und ruhig ſprach ſie: Ja!
Er ging mit ihr, und ſprach doch nicht, Er war wie dumm und blind;
Nur immer ſah er ins Geſicht
Dem ſüßen lieben Kind.
Der Mund ſo roth, der Blick ſo warm Und alles Das ſo nah!
Da bat er ſie um ihren Arm
Und ruhig ſprach ſie: Ja!
Leicht wird man müde, wenn man geht Und nicht im Gehen ſpricht
Und nur zuweilen ſtille ſteht Und eine Blume bricht.
So ging es ihm, als eine Bank In dunkler Laub' er ſah.
„Ich dächt', wir ſetzten uns!“— Nicht lang“, Und ruhig ſprach ſie: Ja!
Doch was nun thun?— Da ſaß das Paar Am heimlich lieben Ort;
Er war im Denken ſich nicht klar,
Sie wußt' ein einzig Wort—
Ein einzig Wort, das ſie verſtand!
Schon kühner ſprach er da:
„Erlauben Sie mir Ihre Hand!“
Und ruhig ſprach ſie: Ja! 4
Wie ſchnell geſchloſſen wird ein Bund In ſtiller Dämmrung Kreis,
Wenn ſo ein lieber rother Mund
Nur„Ja“ zu ſagen weiß!
Um einen Kuß bat er ſie ſchon
Und bog die Lippen nah
Und flehte mit ſo warmem Ton— Und ruhig ſprach ſie: Ja!
Er ſprach:„So biſt du ewig mein?“ Und wieder ſprach ſie: Ja!—
„Und willſt du meine Gattin ſein?“ Und immer nichts als: Ja!—
Und kurze Zeit vergangen war
Und wieder ſprach ſie: Ja!
Es war ihr Ja! am Traualtar, Doch auch ihr— letztes Ja!
Gedichte von Hermann Marggraff. Leipzig, F. A. Brockhaus. 1857.
[III. Jahrg.
Mr. 11
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