„Harald!“ rief der untenſtehende junge Mann mit ängſtlich dringender Bitte,„nur jetzt keine gymnaſtiſchen Künſte— wer weiß, wie morſch auch die oberen Stu⸗ fen ſind!“
„Nun,“ erwiderte der Angerufene, ſeinen gefahrvollen Verſuch aufgebend,„ſo laß uns, um doch etwas zu thun, wenigſtens mitjodeln!“ Und ſo ſtimmte er nach beſten Kräften munter ein.
Aber dennoch bedurfte es bald aller ſeiner Willens⸗ kraft, um die heranſchleichenden Beſorgniſſe, da die Sproſſe unter ihm mächtig knarrte und knackte, zu bekämpfen: im⸗ mer feuchter wurden Haare und Kleider, immer mehr er⸗ ſtarrten in dem eiſigen Winde, der von den Gletſchern herüberwehte, Hände und Füße— aber er rief und jodelte lauter und lauter; er fühlte, wenn er jetzt ſchwieg, ſo würde ihn der Schwindel erfaſſen und hinabſtürzen in das wallende Nebelmeer.
Da nahten die Retter. Aus dankerfülltem Herzen tief aufathmend, ſtanden die Reiſenden bald auf dem ſichern Plateau und ſchritten der gaſtlichen Herberge zu. Wie traulich, anheimelnd erſcheinen uns, mitten unter der er⸗ drückenden Macht einer unbezähmbaren Natur, kaum den feindlichen Elementen derſelben entronnen, die Spuren menſchlichen Daſeins, menſchlicher Gemeinſchaft; und wie leicht öffnen und nähern ſich dann gegenſeitig ſelbſt die Herzen derſelben Perſonen, die im gewöhnlichen Leben wohl verclauſulirt und mit aller conventionellen Rück⸗ und Vorſicht kühl an einander vorübergehen!
„Wahrhaftig, dort kommen noch mehr Reiſende!“ rief der Wirth,„aber auf minder gefährlichen Wegen, verſteht ſich!“ und deutete dabei auf zwei Pferde, die mit geſenkten Ohren und Köpfen ſichtlich niedergeſchlagen durch den Nebel einherſchritten, voraus die Führer, die im Verlangen nach dem ſtärkenden Enzianbranntwein augenſcheinlich ihren Thieren ein ermuthigendes Beiſpiel zu geben ſich bemühten. Zwei Reiterinnen waren mumienartig eingewickelt in große
Navellen⸗Zeitung.
Shawls und Decken; ihre einſt runden Strohhüte waren unter dem Kinn mit den grünen Schleiern feſtgebunden und glichen zwei langen Schiffsſchnäbeln, von denen der Regen in eben ſo viel Cascaden herabrieſelte. Doch ſchie⸗ nen ſie ſtumm ergeben in ihr naſſes Schickſal, mehr als ein ziemlich corpulenter, älterer Herr, der ihnen in einiger Entfernung folgte. Sein„Undurchdringlicher“ war zwar offenbar zu eng für ihn, wurde dafür aber mit doppelter Sorgfalt von einer Hand zuſammengehalten, während die andere einen großen Alpenſtock, dieſe unfehlbare Trophäe aller Reiſenden, und einen zugemachten, zerbrochenen Re⸗ genſchirm hielt, der nicht unrühmlich, aber auch nicht un⸗ geſtraft gegen den Wind der Berge gekämpft hatte. Auch hatte der ſtattliche Herr zu mehrerer Sicherheit ſeine Kopf⸗ bedeckung mit einem Foulard feſtbinden müſſen, ohne Rück⸗ ſicht auf Form und pariſer Urſprung des Filzes; die glatten Gummiüberſchuhe aber hatten nur dazu gedient, ihn mehr⸗ V mals mit dem naſſen kurzen Raſen in eine nähere Berüh⸗ rung zu Pringen, als es ſeiner leichten Sommergarderobe eigentlich im Grunde dienlich geweſen wäre. War es daher ein Wunder, wenn er, der biedere Ber⸗ liner Rentier, der dieſe Herrlichkeiten ja zu Hauſe bei Kroll und in der Gemälde⸗Ausſtellung ſo viel bequemer ſehen konnte, am ſehnlichſten nach dem Ende dieſer Müh⸗ ſale ſeufzte und brummend auf ſeine romantiſch und poetiſch geſinnte Tochter ſchalt, die ihn und ſeine fromme Schweſter von der bequemen Eiſenbahn und Chauſſee zu dieſer Tour durch das cultivirte Oberland verlockt hatten?„Na, ſo viel iſt gewiß, daß ich morgen keinen Schritt anders als zu Pferde weiter gehe!“ Mit dieſem energiſchen Ent⸗ ſchluß trat er unter das Vordach des Hauſes zu ſeinen Begleiterinnen. Wenig Minuten vorher waren auch die der Tiefe ent⸗ ſtiegenen Reiſenden daſelbſt angelangt. Dieſe ſpannende Epiſode hatte die bleierne Schwere der Atmoſphäre in der Gaſtſtube mit einem Male gelöſt, und die Mehrzahl der
Feuilleton.
— Sehe
Ein wechſelvolles Leben. Oft hört man an einem Romane tadeln, daß er die Wahr⸗ ſcheinlichkeit verletze, indem er die Schickſale des Helden zu bunt geſtalte, und doch kann der phantaſievollſte Romanſchreiber einer
Geſtaltung ſeiner Einbildungskraft nicht mehr Wechſelfälle auf
den Lebensweg werfen, als das Schickſal, dem man die Wahr⸗
heit ſeiner Schöpfungen doch ſicher nicht abſtreiten wird, in ſeiner Laune zuweilen für einen von ihm Begünſtigten oder Verfolgten
zuſammenwürfelt; davon iſt ein unwiderleglicher Beweis das Le⸗ ben, aus dem wir hier einige der hervorſtechendſten Momente ſchil⸗ dern wollen, ohne daß unſere Erfindungsgabe dabei das Geringſte
hinzuzuthun nöthig hat. Noch leben Viele, die ſich des Mannes und ſeiner Schickſale erinnern werden und die daher die Wahrheit
unſerer Worte beſtätigen können. 1. Der Hofcavalier.
An dem Hofe des Königs von Württemberg wurde ein glän⸗ zendes Feſt gegeben. Im leichten Tanze ſchwebte die Jugend durch den geſchmückten Ballſaal, während das geſetzte Alter ſich
in den Nebengemächern in ernſteren Geſprächen erging, oder am
Spieltiſche eine willkommnere Zerſtreuung fand.
Viele Perſönlichkeiten waren wohl geeignet, durch Rang, Geiſt oder Schönheit die Aufmerkſamkeit auf ſich zu lenken; unter Alle) aber zeichnete ſich beſonders ein junger ſchöner Mann in der prachtvollen Uniform eines Huſarenofficiers aus. Bald zog er im Tanzſaale durch die Anmuth und Leichtigkeit ſeiner Bewegungen die Blicke der Damenwelt auf ſich, die mit Neid die von ihm er⸗ wählte Tänzerin betrachtete; bald ließ er ſich in eine gediegnere Unterhaltung mit einem Kreiſe älterer Männer ein, die nicht ſel⸗ ten ſeine Bemerkungen, welche den Mann von Geiſt und mannig⸗ fachen Kenntniſſen erkennen ließen, durch ein beifälliges Lächeln ehrten; bald wurde er ſogar durch einige huldvolle Worte des königlichen Feſtgebers ausgezeichnet. Es war daher nicht zu ver⸗ wundern, daß der erſt kürzlich an dem württembergiſchen Hofe als Geſandter accreditirte Graf von R. einen anderen Diplomaten fragte:
4„Wer iſt denn jener ſtrahlende Huſar, der, ſeiner leichten Waffe Ehre machend, wie ein gewandter Plänkerer bald hier bald dort zu ſehen iſt, doch überall ſchnell wieder verſchwindet, nachdem Rer ſein Licht hat leuchten laſſen, das allerdings ziemlich helle Fun⸗ ken zu ſprühen ſcheint, das der junge Herr aber auch keineswegs Hunter den Scheffel zu ſtellen bemüht iſt?“
[III. Jahrg.
Ar 10.]
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