Jahrgang 
01-26 (1857)
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ALBIIM.

Edmund Lobedanz.

Monologe aus Hamlet.

(Erſter Act.)

O daß dies allzu feſte Fleiſch doch ſchmölze, Zerrönne oder löſt' ſich auf in Thau!

Hätt' doch der Ewige nicht ſein Geſetz

Geſchrieben gegen Selbſtmord! Gott, mein Gott! Wie ſcheint mir ſchal und jämmerlich und elend Und ohne Früchte dieſer Erde Thun!

O pfui, o pfui, ein Garten ungegätet,

Darin das Unkraut üppig Samen ſchießt,

Das Edle überwuchernd.

O, daß es dahin kommen mußte! nur

Zwei Monat iſt er todt! nein, nicht einmal,

Ein ſolch erhab'ner König, ein Apoll,

Wenn man ihn neben dieſen Satyr ſtellt,

So liebend meine Mutter, daß er ſelbſt

Des Himmels rauhen Winden hätt' gewehrt

Ihr Antlitz zu berühren! Erd' und Himmel, Mußt ich daran gedenken! Hing ſie doch

An ihm, als ob der Liebe heiß Begehren

Durch Das ſich mehrte, das ſie ſättigt ſonſt!

Und doch in Einem Moml Laß mich's nicht denken, Schwachheit, dein Nam' iſt Weib! Ein kurzer Monat, Noch eh' einmal die Schuhe abgelegt,

Womit ſie meinem Vater folgt' zum Grabe,

Wie Niobe ganz Thränen ſie? juſt ſie,

O Himmel, ſelbſt ein Thier, Vernunft entbehrend, Würd' länger trauern! Gattin meines Oheims, Des Vaters Bruder, dem er mehr nicht gleicht doch Als ich dem Hercules! In Einem Monat,

Eh noch das Salz von Thränen höchſten Unrechts Aus den geſchwollnen Augen weggedunſtet,

War ſie vermählt! Verfluchte Haſt, kopfüber

Zu ſtürzen in blutſchänderiſches Bett!

Es iſt nicht gut und wirds auch nimmermehr, Doch brich, mein Herz, denn ſchweigen muß die Zunge!

(Zweiter Act.)

Ja, Gott geleit' Euch. Nun bin ich allein!

O welch ein Nichtsnutz, welch ein Tölpel bin ich! Iſt es nicht unerhört, daß dieſer Gaukler

In einem Traum fingirter Leidenſchaft,

Wie's ihm genehm war, ſeine Seele zwang,

Daß bleich ihr Wirken macht ſein ganzes Antlitz?! Er weinte, krampfhaft zuckten ſeine Züge,

Die Stimme brach und Haltung, Mienen, Alles Stets wie's die Stimmung heiſcht, und das für Nichts! Für Hecuba!

Was iſt ihm Hecuba, was iſt er ihr?

Wo wär für ihn hier Grund zum Weinen? Ha! Wenn er den Grund zum Leiden hätt' wie ich: Die Bühne überſchwemmte er mit Thränen, Zerriß das Ohr des Volks durch Jammerſchrein, Macht' toll die Sünder, Reine blaß vor Angſt, Verwirrt' die Blöden, macht in Wahrheit ſelbſt Des Auges und des Ohres Kraft erſtarren!

Und ich! Ein blöder Wicht, ſtumpfſinnig, ſchleich Umher wie Hans der Träumer, thue nichts

In meiner Sache und ich kann nicht ſprechen;

Hamlet, Prinz von Dänemark. Tragödie des Shakſpeare.

Deutſch von Edmund Lobedanz.

Nein, nichts für einen König, deſſen Gut

Und theures Leben ſchurkiſch man geraubt!

Bin ich ein Feigling?

Wer nennt mich Schurke, ſpaltet meinen Schädel, Reißt mir den Bart aus, wirft ihn ins Geſicht mir, Zupft mir die Naſe, ſchimpft mich einen Lügner Bis in den Hals hinein? Wer thut mir das? Ha! 4

Ich würd' es dulden, anders kann's nicht ſein, Ich hab' ein Taubenherz, mir fehlt die Galle, Die Unterdrückung bitter macht, ſonſt mäſtet'

Ich längſt des Himmels Geier mit dem Aas Des Buben! Bluthund, Kuppler, Abſchaum du, Fühlloſer, falſcher, geiler, ſchnöder Schurke!

O Rache!

Ich Eſel, der ich bin, o herrlich, herrlich;

Daß ich, des ruchlos hingemordeten

Und theuren Vaters Sohn, geſtachelt ſelbſt

Zur Rache von dem Himmel und der Hölle, Muß, einer Dirne gleich, durch Schwall der Worte Erleichtern dieſes Herz und fluchen ſelbſt

Wie eine Metze oder Küchenmagd!

O pfui darob! Auf Hirn! Hm, hört' ich doch, Daß Schuldbewußte, in dem Schauſpiel ſitzend, Durch wahre Kunſt der Scene in der Seele Getroffen, ihre Sündenſchuld geſtanden;

Denn Mord wird ſelber ohne Zunge reden

Mit Wunderſtimmen. Dieſe Künſtler ſollen Mir Etwas ſpielen gleich des Vaters Mord

Vor meinem Oheim. Leſen und durchforſchen Will ich ſein Herz alsdann in ſeinen Blicken. Fährt er zuſammen, weiß ich meinen Weg. Der Geiſt, den ich geſehn, kann ſein ein Teufel, Es hat der Teufel Macht: in Wohlgeſtalt

Sich zu vermummen, ja, wer kann es wiſſen! Durch meine Weichlichkeit und meine Schwermuth Denn über ſolche Seelen hat er Macht Denkt er vielleicht mich zu verderben. Ich Bedarf noch einen beſſern Grund zum Handeln: Dies Schauſpiel ſei als Schlinge ausgehängt, Worin man, König, dein Gewiſſen fängt.

(Dritter Act.)

Sein oder Nichtſein, das iſt hier die Frage:

Ob's edler im Gemüthe, zu erdulden

Die Schleudern und die Pfeile tück'ſchen Glückes, Ob zu den Waffen greifen wider Meere

Des Elends und durch Gegenkampf ſie enden? Sterben und Schlafen, weiter nichts, und wiſſen, Daß wir durch einen Schlaf das Herzweh enden Und all' die tauſend Wunden der Natur,

Die unſres Fleiſches Erbtheil!'s iſt ein Ziel Aufs innigſte zu wünſchen. Sterben, Schlafen; Schlafen vielleicht auch Träumen; ja, das iſt 8! Was wird man träumen in dem Schlaf des Todes, Wenn man der Erde Qualen abgeſchüttelt?

Hier ſtockt dein Geiſt, und dieſe Rückſicht gibt

So langes Leben dieſem Erdenjammer.

Leipzig, F. A. Brockhaus. 1857.

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